Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1872) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1872)
Date
1872-04-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447568--10396-2466134
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

XIII. Jahrgang. ZMiteBeilagezuNr.16L17desZsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 10. April. Da nachstehendes Schreiben für unsere geehrten Leser von Interesse sein wird, so erlauben wir uns, es hier zu veröffentlichen: London Committee of Deputies of the British Jews. 86, Finsbury Circus. London, 8. April. Herrn Rabbiner Br. Lehmann Mainz. Geehrter Herr! Ich befinde mich im richtigen Besitz Ihrer Zuschrift vom 4. und entnehme derselben mit vielem Vergnügen eine weitere Sendung von L. 200. 3. zum Besten unserer nothleidendcn Brüder in Perfien, wofür ich beauftragt bin, Ihnen und den edlen Gebern den wärmsten Dank dieses Comite's auszusprechen. Unser Präsident, Eir Moses Montefiore, ist ganz besonders von Ihrem unermüdlichen Eifer und der Opfcrfreudigkeit unserer Glaubensgenossen erbaut und hat mich aufgefordert, Ihnen seine aufrichtige Bewunderung für Ihre Theilnahme an diesem heiligen Werke auszudrücken. Mit Gottes Hilfe werden unsere Bemühungen gute Früchte tragen und das Elend baldigst mildern. Genehmigen Sie, geehrter Herr, die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung. Ben. Emanuel, Secretär. Aus der bayrischen Pfalz. Ich will Ihnen heute mit möglichster Kürze Einiges von hier berichten. Vor einigen Wochen feierte der jüdische Gemeindevorftand zu Kaiserslautern, Herr Advocat F., die Hochzeit seiner Tochter, und ließ die msa miyD, das Hochzetts- Mhl, im christlichen „Gasthof zum Schwan" von Nichtjuden trefa bereiten!!! Das war selbst den in dieser Hinsicht sehr „toleranten" Pfälzer Juden zu stark, und haben sie es dem Herrn Advocaten und Gemeinde- Vorstände wirklich „übel" genommen. Kaiserslautern ist nne von den Gemeinden der Pfalz, die der Schullehrer Kl. in Ober-Ingelheim in seinem Maculaturblättchen «intelligent" (???) zu nennen pflegt. — Bei diesem Hochzeitsmahle ereignete sich eine kleine Scene, die in vielen Beziehungen hier mitgetheilt zu werden verdient. Der Vater des betreffenden Bräutigams nämlich wohnt in Tuchel (Westpreußen), als quiescietcr Lehrer und jir?. Da nun die „Intelligenz" des „Synodalblattes" dort noch nicht, und am wenigsten bei den Eultusbeamten, solche Dimensionen, wie bei uns „in unsereschönen Pfalz" (was eigentlich die trostlosen jüdisch-religiösen Zustände der Pfalz mit dem Haardtgebirge zu thun haben, daß die Schullehrer unb sonstigen Neologen der Pfalz sich dabei so oft auf die „schöne Pfalz" berufen: war und ist mir ein wahres Räthsel!) angenommen, so richtete der alte Mann eben so wenig die Frage an den Advokaten: ob Alles zubereilet sei? als in ihm auch nur die leiseste Ahnung aufsteigen konnte: daß er sich zu einem jüdischen Hochzeitsmahle in einem christlichen Gasthofe befinde. Der gute Mann setzte sich also gemüthlich zu Tische, ließ sich die ersten Gerichte gut schmecken, bald aber folgte eines, das dem schlichten früheren pn verdächtig, oder wenigstens sehr fremdartig vorkam, und als er von dem servirenden Kellner auf seine Frage: was es denn seid wahren Bescheid erhielt, war dieser deratt, daß sein Angesicht erbleichte, und er, die Hände zusammenschlagend, mit dem Ausrufe: ycar vom Tische aufsprang, um sich eben so wüthend, als im Innern tief gebrochen, von der sauberen Tischgesellschaft zu entkernen. Ist hier nicht in traurigster Weise das Wort des Propheten: 2« ^2 ja p (Micha 7, 6.) anzuwendend! Wir erwarten von dem in Ober-Ingelheim erscheinenden Maculaturblatte, daß es, nicht aus Ehrlichkeit, aber der Verbreitung der „Intelligenz" wegen, seinem würdigen Leserkreise diesen höchst „intelligenten" (???) Zug eines pfälzisch-jüdischen Gemeindevorstandes baldigst mittheilen, und seinen Correspondenten in Landau, Ingelheim und Speyer einen Verweis darüber ertheilen werde, daß sie ihn bloß nlit Schimpf- und Cch.uähartikel bedienen, eine solche für die Anschauungen des „Synodenblattes" und seines würdigen Leserkreises ganz besonders geeignete Mittheilung hingegen, ihm (wer weiß, warum? —) vorenthielten, und es dieselbe erst dem gefürchteten, und eben darum gehaßten „Israelit" entnehmen müssen. Ein solcher Nasenstüber gebührt auch Herrn G. in Birkenfeld, der als „Jugendfreund" des Herrn Advokaten, die Trauung nach Synodalfa^on vollzogt, und über das „intelligente" Vorgehen seines Jugendfreundes, Herrn Lehr.r Kl. in Ober-Ingelheim nicht ein Sterbenswörtchen mittheilte! — Dafür beeilt sich ein anderer Correspondent des wenig gelesenen Blättchens, das vor circa dreiviertel Jahren im „Israelit" (Nr. 29 Jg. 1871) veröffentlichte Circular des Dürkheimer Rabbinars, die famosen D’aroi? der Pfalz betreffend,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.