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Der Israelit · 1872-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1872) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1872)
Date
1872-04-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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357 Wunsche entsprochen werde. Kann ich Euch vielleicht sonst noch dienen?" „„Ich möchte mir die Erlaubniß erbitten, meinen Neffen besuchen zu dürfen , um ihn in seinem Elende trösten, in seinem Unglücke aufrichten zu können, um ihn auf den Weg der Buße und der Besserung zu führen."" „„Diese Erlaubniß kann ich Euch nicht ertheilen; es ist beschlossen, im Staatsrathe beschlossen worden, Niemanden zu ihm zu lassen. Er hat noch mächtige Freunde im Lande; man muß ihn von jeder Communication mit denselben fern halten."" „„Excellenz, ich bin bereit, einen heiligen Eid abzulegen, daß ich weder direct noch indirect irgendwelche Vermittelung übernehmen und befördern werde. Gewährt man doch jedem Gefangenen den Zuspruch der Religion! Nun denn, gnädiger Herr, ich bin Rabbiner. Gestatten Sie mir, nicht als dem Oheim des Unglücklichen, sondern als dem Diener meiner Religion zu ihm zu gehen und im die Tröstungen derselben zu bringen, deren er doch sicherlich so sehr bedarf!"" „Das ist ein neuer Gesichtspunkt. Wohlan, ich will mich dafür verwenden und meinen Einfluß ausbieten, um, wenn meine Collegen damit einverstanden, Euren Wunsch zu erfüllen." Noch an demselben Tage wurde Süß in ein helles, luftiges, freilich mit Eisenstäben vergittertes Gemach, das in den oberen Räumen des Gefängnisses lag, geführt. Der Unglückliche athmete tief auf, als er den dumpfen Kerker verlassen durste. Wem hatte er diese Wohlthat zu verdanken? War es Scheffer, der sich seiner erinnerte? Oder irgend Einer von den Vielen, die er groß gemacht und aus dem Staube erhoben hatte? Während er noch darüber nachdachte, öffnete sich die schwere Eisenthüre, und Rabbi Simcha trat herein. Süß erkannte den Oheim und fing laut an zu weinen. „Mein Oheim", rief er mit herzzerreißender' Stimme, „mußt Du so mich Wiedersehen?" „„Heil mir und Dir,"" antwortete Rabbi Simchah, ebenfalls weinend, „daß ich so Dich wiedersehe! Heil Dir, daß Gott Dich in dieser Welt für Deine Sünden büßen läßt, damit Du rein und geläutert dereinst eingehst zum ewigen Leben!"" „Glaubst Du, Oheim, daß Gott mir verzeihen, mir vergeben wird?" „„Barmherzig und gnädig ist Gott, unendlich und unerschöpflich Seine Vaterhuld. Er verzeiht Sünde, Verbrechen und Missethat!"" „Ach, lieber Onkel, zu groß, zu viel sind meine Sünden als daß sie Gott verzeihen könntej!" „„Gottes Barmherzigkeit ist größer als irgend eines Menschen Sünde. Doch sage mir, Süß, ist es wahr, was man erzählt, daß Du selbst Dein Leben verkürzen, daß Du Dich zu Tode hungern wolltest?" Süß lächelte bitter. „Hat man das erzählt? Es ist mir nicht in den Sinn gekommen; ich habe nur die trephene Kost verschmäht, und da man mir andere versagt hat, habe ich lediglich Brod und Wasser genossen." „„Das hast Du gethan? Gelobt sei Gott, der mich das hat erleben lassen! O, höre mein geliebter Sohn, Gott verzeiht Dir, Gott vergibt Dir. König Jahojakim war der Schlimmsten einer, er zerschnitt die heilige Schrift und verbrannte sie und that, was böse war in den Augen des Ewigen. Da wurde er gefangen hinweggeführt nach Babel und wurde in ein schreckliches Gesängniß gethan. Hier aber weigerte er sich, Gottes Gebot zu übertreten, und Gott erbarmte sich sein und befreite ihn und gab ihm einen Sohn, den Schaltiel, den Vater des Serubabel, der Israel wieder in die Heimath zurückführte. Hoffe zu Gott, mein Sohn, und verzage nicht!"" „Du hast mich getröstet, mein Oheim, Du hast mich getröstet!" (Forts, folgt.) ANZEIGER. Als Haushälterin gesucht em gesetztes Mädchen oder kinderlose Wittwe (Israelitin) für einen bürgerlichen Hausstand in einer Kreisstadt der Provinz Sachsen. Erwünscht wäre, wenn dieselbe auch die Erziehung zweier kleinen Mädchen von resp. 8 und 12 Jahren übernehmen könnte. Gute Zeugnisse und Referenzen erforderlich. Gehaltsansprüche zu notiren und Offerten sud II. Nr. 1581 einzusenden an die Annoncen-Erpedition von Rudolf Mosse in Hamburg. ine bestens empfohlene Waise, 30 Jahre alt, Israelitin, sucht Stelle als Gesellschafterin. Offerten sud L. 7254 befördert das Annoncen- Bureau von Th. Dietrich Lt Co. in Cassel.

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