Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1872) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1872)
Date
1872-04-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447568--10390-2466128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

355 geholfen werden. Die „Sezessionisten" hätten aber auch keine einzige ,, hervorragende Persönlichkeit, id est: keine Börsengröße" mit unheimlich - klingendem Namen in ihrer Mitte; hierzu gratuliren wir uns. Die Männer, deren Namen wir oben veröffentlicht, sind auf jüd.-religiösem Gebiete im eminentesten Sinne „hervorragend"; sie bieten uns die Garantie dafür, daß sie ihre Thätigkeit, daß sie ihre Gesammtbestrebungen in wahrhaft jüd. Sinne entfalten werden. Um die Gunst „ hervorragender Persönlichkeiten " werden wir uns nie und nimmer bewerben, weil dies, wie gesagt, eine Erniedrigung des Judenthums involviren würde; nur wer vermöge feiner inneren Gesinnung dem Judenthume sich anschließen will, der mag kommen; wir werden jedem gegenüber das nmpo pv'i gewiß in umfassendster Weise nnd nach der möglichst liberalsten Auffassung zur Geltung gelangen lassen. Mögen die Reformer, die all ihr nichtiges Thun und Lassen ohnehin bloß mit eitlem Flitter zu decken suchen, auch mit ihren „hervorragenden Persönlichkeiten" recht wacker nnd tüchtig herumbramarbasiren; für uns sind nicht diese vermeintlichen „hervorragenden Persönlichkeiten", sondern die ewigen Worte und Gebote der himmlischen Lehre maßgebend. Die Fahne, um welche wir uns sammeln, und unter welcher wir ausdauernd und unerschütterlich kämpfen, sie trägt in Flammenschrift die echtjüdische Devise: ’dj 'n! Dr. Wiener. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart, 26. März. Se. Mas. der König von Württemberg hat unterm Heutigen der Freifrau Karl von Rothschild in Frankfurt a. M. in Anerkennung ihrer großen Leistungen auf dem Gebiet der Philanthropie während des jüngsten Krieges nnd insbesondere wegen ihrer persönlichen Verdienste um die Kranken- und Verwundetenpflege in dem von ihr eingerichteten Privatlazarcth den Olga-Srden verliehen. Heilbronn, den 3. April. Die Kammer der Abgeordneten hat in einer ihrer jüngsten Sitzungen die Aachexigenz für die israel. Centralkirchenkasse genehmigt und zwar pro 1871/72 — 600 fl., pro 1872/73 — 1200 fl. Dieser Zuschuß soll unter Anderem dienen namentlich zur Aufbesserung der Gehalte der Rabbinen, der Vorsänger und Vorsängeramtsverweser, zu Alters- Zulagen für die Vorsänger rc. Der Gesammtaufwand stw diese Zwecke beträgt 3000 Gulden und die genannte Kasse bedarf, um ohne Schmälerung ihres Grundstocks diese Ausgaben bestreiten zu können, des obigen Staats- Zuschusses. Hervorgerufen ist die Aufbesserungsbewilligung durch Petitionen der Rabbinen und Vorsänger. Die Rabbinen, von 12 nur 9, machten neben dem Mißstande, daß der Rabbine oft sein ganzes Leben auf Stellen mit dem Minimalgehalt von 758 fl. nebst einer dürftigen Dienstalterszulage zuzubringen habe, die Thatsache des starken Zugs der Israeliten vom Lande in die Städte und die dadurch entstandene beträchtliche Verminderung der Stolgebühren, sowie den Ausfall geltend, welchen sie durch Aufhebung des Eides more judaico erlitten hatten. (Warum nicht auch die Verminderung dcrConfirmationscandidaten?) — Die Vorsänge i" begründeten die Nothwendigkeit einer namhaften Verbesserung ihrer Lage im Wesentlichen damit, daß derzeit viele Stellen unbesetzt, manche mit Subjecten aus dem Auslande ohne alle Seminarbildung bekleidet seien, daß solche Stellen oft wie Knechtsdienstc in auswärtigen Zeitungen ausgeschrieben werden. Die Belohnung '— an sich gering — sei durch Wegfall usueller Accidenzien, durch Wegzug aus den Dörfern in Städte, durch Verdrängung alter Gebräuche, Concurren; der Rabbinen geschmälert. Wenn ein Lehrer - Vorsänger wegen des häufigen Eingehens der Schule zum bloßen Vorsänger werde, so verliere er seine Pensionsausprüche; überhaupt befürchten sie von der gedrückten Stellung, worein sie gerathen seien, cs werden endlich nur noch Subjccte, die sür Psteu und Böhmen, sich eizueu möchten, mit der allgemeinen Bildung in Süddeutschland jedoch in schneidendem Contraste stünden, diesem schweren und gewinnarmen Berufe sich widmen. Der Berichterstatter, Prälat vr. v. Hauber, dem sich die übrigen Commissionsmitglieder anschließen, hält die beabsichtigte Verbesserung der ökonomischen Lage der genannten israel. Beamten für wohlbcgründet und fügt in seinem Referat eine namentlich auch in Beziehung aus die gegenwärtig brennende Kirchenverfassung- und Domicilantensrage bedeutsame Acuherung bei: „Es vollzieht sich infolge der Bewegung, welche die isr. Bevölkerung aus den Dorfin die Stadtgemeinden gewonnen hat, eine auch vom Standpunkt des Staats und der allgmeinen Bildungsintcressen sehr zu beachtende Aenderung in den inneren wie äußeren Verhältnissen solcher in den früheren Zeiten ganz anders situirten Landgemeinden und wir glauben im Sinne der Volksvertretung zu handeln, wenn wir aussprechcn, daß jede Bemühung der K. Regierung für die religiösen und sittlichen Interessen, wie für die intellectuelle Bildung in den genannten Gemeinden in diesem Hause ein williges Entgegenkommen finden wird; während allerdings Regierung und Stände es als eine innere Sache der isr. Religionsgenossenschaft zu betrachten haben, welche Stellung den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.