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Der Israelit · 1872-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1872)
Date
1872-04-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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352 ich meinen Feinden das Feld; sie werden mich im Auslande verhaften lassen und den Beweis meiner Schuld in meiner Flucht finden. Und wer weiß ob der Herzog nicht noch Testament gemacht und die Herzogin unter dem Beistände von Scheffer, Remchingen und Hellwachs zur Negentin ernannt hat? Vielleicht ist noch nicht Alles verloren! Ich werde nach Ludwigsburg fahren, die Herzogin bestimmen, die Regentschaft zu übernehmen und nach wie vor Minister bleiben oder mich in Ehren und mit allen meinen Schätzen zurückziehen. Hannes! halt still!" Der Kutscher hielt die Pferde an. „Kehre um, wir fahren nach Ludwigsburg!" „„Nach Ludwigsburg?"" fragte erstaunt der Kutscher. „Warum zögerst Du?" „„Gnädiger Herr, Jungmann hat mir gesagt, ich solle die Pferde nicht schonen, Euer Leben hänge davon ab, sobald als möglich aus dem Lande zu kommen; der Herzog sei todt."" „Und wenn dem so ist, lver kann mein Leben bedrohen? Thue, wie ich Dir gesagt habe." „„Nicht doch, gnädiger Herr! Ihr wißt nicht, wie viele Feinde Ihr habt. Sie reißen Euch in Stücke, wenn Sie Eurer habhaft werden."" „Schweig, und thue wie ich Dir befohlen habe." „„Nein, gnädiger Herr, ich thu's nicht. Ihr wart mir immer ein gütiger Herr; ich will Euch nicht ins Verderben führen."" Bei diesen Worten peitschte er auf die Pferde und fuhr weiter der Grenze zu. „Halt", ries Süß und zog eine Pistole aus der Tasche seines Pelzmantels, „kehre um und sa re nach Ludwigsburg oder ich schieße Dich nieder!" Seufzend befolgte der Kutscher den Befehl. Gegen Morgen kam Süß in Ludwigsburg an; er suchte sogleich die Herzogin auf, die gar nicht zu Bette gegangen war. „Süß!" rief sie ihm entgegen, „welch ein Unglück!" „„Ein großes Unglück", sagte Süß, „„allein Eure Durchlaucht dürfen den Kopf nicht verlieren. Sie müssen sofort die Regentschaft übernehmen, wie es in den Intentionen des höchstseligen Herzogs lag."" „Ich bin bereit, guter Süß", sagte die Herzogin, „ordne: Ihr das Nöthige an. Laßt scheffer, Remchingen und die Andern hierherkommen, um die Regentschaft zu proclamiren." Süß lächelte iriumphirend. Es ging Alles nach Wunsch. Wie gut wars doch, daß er den ersten Eingebungen der Furcht keine Folge geleistet hatte! Wahrend Süß jedoch mit der Herzogin die zu treffenden Anordnungen besprach, war die Gegenpartei nicht müssig geblieben. Die Häupter der Landschaft und der Geistlichkeit hatten einen Spion in der Nähe des Herzogs, durch den sie sofort vom Verscheiden des hohen Herrn Kunde erhielten. Noch in der Nacht wurden die Stände zusammenberufen; sie proelamirten, der Verfassung gemäß, die Regentschaft des nächsten, volljährigen Agnaten, des Herzogs Earl Rudolph von Württemberg-Neustadt und betrauten bis zur Ankunst desselben den Obersten, Burggrafen von Röder mit unumschränkler Vollmacht. Dieser ließ sogleich den General von Remchingen in seinem Bette verhaften und bemächtigte sich dadurch der Gewalt über die Truppen. Ein Gleiches geschah dem Gehcimrath Hellwachs, während der Kanzler Sckeffer sich dadurch rettete, daß er sofort freiwillig dem Grasen Rüder seine Dienste anbot und zu ilnn und der Landschaft zu halten versprach. Auch Süß sollte in seinem Hause verhaftet werden. Um die Gegner seines Herrn von der Spur desselben abzulenken, sagte Jungmann, der Ministei sei auf die Todesbotschaft hin nach Ludwigsburg gefahren. Dorthin ritt Graf Röder mit hundert bewaffneten Reitern. Im Vollgefühl der neugewonnen Sicherheit verließ Süß das Gemach der Herzogin; wie ehedem vcr neigten sich die Hofleute, die das Vorzimmer füll len, tief, als er durch ihre Reihen hindurchschritt, mit stolzem Kopfnicken den Gruß erwidernd. Da wurde die Thüre des Vorzimmers aufgerissen; Gras Röder stürzte herein und rief, Süß erblickend: „Jude, ich verhafte Dich, Du bist mein Gefangener!" „Herr Burggraf", rief Süß entrüstet, „was erlauben Sie Sich?" „„Der Herzog ist todt, Deine Mach^ hat ein Ende!"" „Ihre Durchlaucht die Frau Herzogin ist Negentin!" „„Carl Rudolph von Neustadt ist Regent, und ich bin sein Bevollmächtigter."" Da wandte sich Süß, um in das Gemach der Herzogin zurückzukehren; aber Röder sprang herbei und hielt ihn zurück. „Jude", schrie er, „ich schieße Dich nieder, wenn Du mir nicht folgst!" Jetzt öffnete sich die Thüre des Vorgemachs und die Bewaffneten, die Röder mitgebracht hatte, stürm ten herein. Süß wurde ergriffen, gebunden, in seinem eigenen Wagen nach Stuttgart geführt und daselbst ins Gefängniß geworfen. (Forts, folgt.) Hierzu vier Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mat»».

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