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Der Israelit · 1872-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1872) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1872)
Date
1872-04-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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348 Königsberg,^ April. Heute Vormittag fand unter äußerst zahlreicher Betheiligung der hiesigen Einwohnerschaft aus allen Ständen und Bekenntnissen das Leichenbegängniß des Abgeordneten Dr. Ko sch statt. Nach vollendeten! Trauergottesdienst (!) in der Haupt- Synagoge (!) setzte sich vom Trauerhause aus ein unabsehbarer Leichenzng in Bewegung, welcher, aus Mitgliedern des Magistrats, der Stadtverordneten-Versammtung, der Universitäts - Facultäten, der Kaufmannschaft und der hiesigen israet. Gemeinde, wie aus vielen Coliegen und Freunden des Verstorbenen bestehend, das Ehrengeleite hinter dem Sarge bildete, an das sich eine Reihe von etwa 30 Equipagen angeschlossen hatte. Auf dem jüd. Friedhöfe angelangt, woselbst sich Tausende von Menschen cingefunden hatten, wurde die Leiche unter den üblichen religiösen Feierlichkeiten zur Erde bestattet. Außer der kurzen Einsegnungsrede (?) des Genleindegeistlichen sprach noch am Grabe der christliche Abgeordnete Dr. Bender (Katharinenhof). (Voss. Ztg.) Frankfurt a. M., 11. April. Die Herren Jsak und Zacharias Königswarter haben, zum Andenken ihrer beiden frühverslorbenen Söhne, ein Capital von 300,000 fl. zu einer Stiftung verwendet, aus deren Einkünften Stipendien für Gynrnasialschüler, Studenten und Solche, die sich der Landwirthschaft widmen, gewährt werden sollen. (F. Z.) Strafiburg. Herr Benjamin Bey von hier hatte bei Gelegenheit der Verheirathung seiner Tochter vor zwei Jahren dem Waisenhaus daselbst eine „Obligation der Stadt Paris" geschenkt. Bei der jüngsten Ziehung gewann diese Obligation den Hauptgewinn von 200,000 Frs. (Archiv, isr ) Schubin, 5. April. Am 3. d. M. wollten zwei wandernde Israeliten, Talmudisten aus Polen, von hier nach Rakel reisen. Vor einem Gasthause erblickten sie zwei Wagen und sprachen gegen die Fuhrleute den Wunsch aus, mit^ ihnen nach Rakel zu fahren. Diese ließen sich 15 Sgr. Fuhrlohn im Voraus bezahlen, und glücklich, eine passende Gelegenheit gesunden zu haben, fuhren die Armen des Abends aus der Stadt. Die christlichen Fuhrleute aber, anstatt nach Rakel ihren Weg nehmen, fuhren in der e n t g e g e ngesetz t e n Richtung einein Landgute zu, wohin sie mit ihrer Ladung dirigirt waren. Unterwegs nahmen sie den armen Juden Geld und eine Tabakspfeife mir Gewalt ab, traktirten sie mit Peitschenhieben und warten sie dann in Nacht und Nebel voin Wagen auf die Chaussee, so daß einer der armen Leute einen Schenkel brach und auf der Landstraße so lange liegen bleiben mußte, bis ein Fuhrwerk herbei kam, das den Unglücklichen für 1 Thlr. 3 Sgr. aufnahm und nach hiesiger Stadt zurückbrachte. Erst am nächsten Morgen konnte der Patient in das hiesige Krankenhaus gebracht werden, wo ihm der Bruch eingelenkt wurde. Rach Aussage des Arztes soll die Verletzung eine so bedeutende kein, daß wohl vier Monate darüber vergeben werden, ehe an eine Herstellung zu denken sein dürfte. Gestern kamen dieselben Fuhrleute hier wieder durch. Sie wurden sofort von der Polizei verhaftet und vernommen. Es ergab sich, daß diese ehrlichen Leute in Bromberg ansässig sind und vorsätzlich angegeben, daß sie nach Rakel führen, da die fremden Juden die Wege nicht kannten. Alles Andere stellte sich ebenfalls den Angaben der Beraubten gemäß heraus. Nachdem die Polizei ihre Schuldigkeit gethau, wurden die Beschuldigten der Staatsanwaltschaft übergeben, die fie einstweilen frei ließ, indem die Untersuchung bereits eingeleitet sei. In Betreff des mitgetheilten Prozesses in Nr. 11 d. I. wegen angeblichen Verkaufs von „treife für koscher Fleisch," soll die Ober-Staatsanwaltschaft die Sache zurückgewiesen haben. In dem Jnjurienprozeß steht bereits ein Termin an. Oe st e r r. - U n gar. M o n a r ch i e. Brody. Der Präsident der hiesigen Handelskammer, der bekannte und berühmte Maier Edler von Kallir feierte am 23. März das Andenken an seinen vor 40 Jahren geschehenen Aintsantrikt als Director des hiesigen israel. Krankenhauses. Der Gemeinderath überreichte ihm ein prachtvoll ausgcstattetes Eyren-Bürger- Diplom. Der Bezirkshanptmann beglückwünschte ihn Namens der Regierung. Unter den zahlreich eingelangten Glückwünschen war auch eine Gratulations-Depesche des Statthalters Grafen Goluchowsky. Herr v. Kallir spendete bei dieser Gelegenheit 4000 fl. für das Spital. (Pesth. jüd. Zeitg.) Bur-St. Georgen, im März. In der Freitagnacht, vom 8. auf den 9., gab es zu Sassin in Oberungarn einen schrecklichen Judenerzeß. Herr Abr. Spiegler hatte eines dortigen Hutniachers 10jährige Tochter für jeden Samstag bedungen zum Heizen und Lichtanslöschen. Wie allwöchentlich, so kam das Mädchen auch am 8. d. M, Freitag Abends, that ferne Pflicht und ging davon. Doch auf der Straße harrte des Mädchens Herr Diamand, Gastwirth daselbst, dessen christliche Magd um selbe Zeit zinu Besuche bei ihren Eltern gewesen, aus daß es ihm mit der Kerze iu den Keller leuchte. So verweilte das Mädchen den Abend hindurch daselbst, nahm Antheil am Abendessen und uiachte sich endlich daran, nach Hause zu gehen, als ein Platzregen es hieran hinderte. Auf Ansuchen der Kinder des Wirthes trug es kein Bedenken, mit ihnen zu übernachten. Der Gastwirth schloß, als alle Gäste sich eutserut hatten, die Schenke und ging zur Ruhe. Indessen war der Hutmacher im höchsten Grade besorgt um sein Kind. Er wußte, daß es zu Abr. Cp. gegangen und da er einstens auch von der Mähr' gehört, „Juden brauchen Christenblut für Ostern," entstiegen

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