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Der Israelit · 1872-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1872)
Date
1872-04-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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349 ihm die mannigfaltigsten Gedanken und er griff endlich nach der Pistole, eilte in's Hans des Herrn A. Sp., machte furchtbaren Lärm, hielt dem angstvoll herbei eilenden armen Juden die Pistole vor die Brust und schrie: „Mein Leben für dein Leben, wo ist mein Kind?" Der Jude schwur hoch und theuer, daß es sich entfernt, doch wisse er nicht wohin. Der Hutmacher eilte verzweiflungsvoll zum Richter (Bürgermeister?). Dieser kam mit einem großen Pöbelhaufen heran, durchsuchte jeden Schlupfwinkel und fand nichts; sofort eilte dieser Hause von einem Juden zum andern unter Toben, Rasen und Rufen: „Hinaus mit den Indem" Alles Suchen blieb erfolglos. Endlich beschloß man sogar, in die Synagoge zu geben, was jedoch unterblieb. (Zu bemerken ist, daß der betreffende „Richter" an Juden sehr viel schuldete und aus diesem Grunde sie gerne verjagt hätte wissen wollen). Doch mit dem Morgen war das Mädchen, das bei dem jüd. Wirthe übernachtet, erwacht und eilte nach Hause. Der Thatbestaud war hierdurch geklärt. Um aber die bereits obwaltende, übermüthig heraufbeschworene Gährung nicht im Werden zu ersticken, gab man vor, der jüd. Gastwirth habe das Mädchen in den Keller geschlossen, unl es alsdann abzuschlachten: zu diesem Behufe ward die diesbezügliche Aussage dem Mädchen einstudirt. Man wollte auch dem jüdischen Wirthe dieselbe Aussage abzwingen, aber der Cultusvorstand begab sich sofort zum Oberstuhlrichter nach Szenitz und führte Klage gegen den Richter und Conserten. Wie die neue Behörde gegen solche mittelalterliche Anschuldigungen Vorgehen wird, muß die Zukunft lebren. > (Trad. Judenth.) Italic in Turin. Die „Piemontesische Zeitung" bringt unter der Rubrik „Cnriositäten", die seltsame Nachricht, daß der Vorstand der isr. Gemeinde zu Turin mit deni dortigen Erzbischof in Unterhandlung getreten, um ihm die im Bau begriffene Synagoge zu verkaufen. Wenn die Nachricht wahr, so ist wohl anzunehmen, daß die Baukosten für die isr. Gemeinde zu groß sind, denn schon vor vielen Monaten wußten die Zeitungen von der großen Pracht zu erzählen, mit welcher dieser Rewrmteinpel ausgestattet werden soll und der zu den schönsten Europas gerechnet werden dürste. Holland. Bei Gelegenheit des am 1. April gefeierten dreihundertsten Jahrestages der Befreiung Hollands aus der Macht der Spanier, haben im ganzen Laude die >zndcn großen Aiitheil an der Feier genommen. In den m inen großen Gemeinden gehörten Juden zu den Gst-C nmilssionen. In Amsterdam ist die Sympathie der Israeliten denn auch allgemein anerkannt worden, und bei der allgenleinen Illumination konnte man Transparente sehen, mit der Inschrift: „Hoch leben die Juden?" Haag. Das verstorbene Fräul. Hefter Davidson hat an die verschiedenen hiesige Wohlthätigkeits- Anstalten folgende Summen vermacht: Israel. Waisenhaus 3500 fl., Alterversorgungsanstalt 5800 fl., isr. Armenschnle 1600 fl., Krankenhaus 30000 fl., Haupt-Synagoge 2000 fl. (unter Bedingung jährlich 50 fl. an die Armen zu vertheilen), TachrichtM- Anstalt 300 fl., Gemilath Chasadiin 300 fl., Tifereth Bachurim 300 fl., für die Armen in Palästina 500 fl. Frankreich. Einer an uns ergangenen Einladung zufolge, findet die Generalversammlung der Alliance isr. un. erst Sonntag den 12. Mai statt. England. London. In der letzten Sitzung des „Board of Deputies“ wurden Berichte aus Persien verlesen, wonach erhellet, daß die Hungersnoth leider immer noch im Zunehmen ist. Ein Herr Baker, Beamter des Telegraphenamtes, erzählt in einer Unterredung mit dem britischen Gesandten iu Persien, daß er viele Hungernde gesehen, die um'ein todtes Kameel lagerten und dessen Fleisch roh aßen. Das Londoner Conritc, an dessen Spitze Sir Moses Monteflore steht, wird demnächst wieder 3000 L.-Sk. dorthin senden. Sir Moses Montefiore hatte beabsichtigt, nach Persien zu reisen und hatte bereits Vorbereitungen zu dieser Reise getroffen und auch das auswärtige Amt um Empfehlungsbriefe an die engl. Cousuln ersucht. Da erhielt er vom Ministerpräsident, n Lord Granville einen Brief, in welchem derselbe ihm entschieden abrieth, diese Reise anzutreten, die Reise wäre bei dieser Jahreszett, selbst für einen jungen Mann gefahrvoll, um so mehr für einen Mann in so hohem Alter (Monlefiore ist 88 Jahre alt). Unter diesen Umständen wird Sir Moses Monteflore die Reise unterlassen. (Jew. Cbr.) Rußland. Warschau. Der verstorbene Leon Löwenberg hat ein Kapital von 70000 Rubel testirt, dessen Zinsen jährlich unter den hiesigen Armen zur Berthcilung kommen sollen; außerdem bestimmte er für den Bau der hiesigen Synagoge 20000 R. unter der Bedingung, daß in dieser keine Orgel ausgestellt werden dürfe. (Hamaggid.) Odessa. Das vielgenannte Heiligenbild, dao aus

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