Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1872)
- Date
- 1872-04-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Hannover, 29. März. Mit Gegenwärtigem glaube ich der guten Sache, welche Ihr von mir geschätztes Blatt. „Der Israelit." so mannhaft vertheidigt, einen Dienst zu erweisen, wenn ich Sie um Aufnahme resp. Verbreitung des Nachstehenden höflichst ersuche. Vor ungefähr einem Jahre wurde dem Dr. med. Emil Edel hier ein Sohn geboren und trat da bei der bis jetzt hier in der Gemeinde G s. D. unerhörte Fall ein. daß derselbe sich weigerte, sein Kind beschneiden zu lasten. Wie man sich s. Z. erzählte, hatte weder der Einfluß seiner Bekannten, noch der des hiesigen Rabbiners, den Herrn Dr. dazu veranlassen können, besagten Act vornehmen zu lasten. Die Tageblätter berichteten sogar über dies Ereigniß. bis es schließlich der Vergessenheit anheimsiel, weil ein gesetzlicher Zwang aus den Vater nicht ausgeübt werden konnte. Am 14. d. M. nun wurde einem Freunde des Doctors, einem früheren Buchhalter in dem rühinlichst bekannten Bankhause Michel Berend. jetzt Inhaber eines kleinen Bankgeschäftes hier. Namens Emil Warschauer, ein Sohn geboren, und wie ein Lausteuer verbreitete sich die Nachricht unter den Gemeindemitgliedern, daß er sich weigere, seinem Kinde die Wohlthat des heiligen nnn theilhaftig werden zu lassen. Der Mann führte in der That sein Vorhaben aus. da die vorgeschriebene Frist längst verstrichen ist. Obgleich irgend welche öffentliche Stimmen sich dieses Mal nicht vernehmen ließen. vielmehr der Fall anscheinend todtgeschwiegen werden sollte, so ermannte sich doch Herr l)r. Kayserling (Inhaber des hier bestrenommirten Knabeninstituts), um soviel als möglich in dieser Sache zu thun. Derselbe hat um die einzig mögliche Repressalie zu üben, einen schriftlichen Antrag. von seinen vielen Freunden unterstützt, dem Vorstände des Wohlthätigkeiksvereins (rron) zu der, in aller Kürze, anstehenden Generalversammlung des Inhaltes unterbreitet, daß Niemand Mitglied eines solchen hochedleu Vereins sein könne, welcher die gebotene Beschneidung an seinen Kindern unterlasse und eventuell, daß Derjenige, welcher die Ehre habe. Mitglied des Wohlthätigkeitsvereins zu sein und die Beschneidung unterlasse, nicht mehr fähig sei. demselben anzugehören, mithin ausgestoßen werden solle. Ich Höste, daß es uns gelingen wird, diesen Antrag glänzend durchzubringen resp. was noch sehr fraglich . ihm rückwirkende Kraft geben; vertraue aber auf den Einfluß des Vorsitzenden Herrn Dr. Meyer, welcher gewiß mit aller Kraft dafür eintreten wird, denn seine zu Herzen gehenden Worte haben noch iminer gezündet, seine Wünsche sind noch stets mit denen der Gemeinde identisch gewesen. Das Resultat der Versammlung werde Ihnen s. Z. mittheilen. Hamburg. Ueber Siegfried Behrens bringen Berliner Blätter folgende Notiz: „Das Verschwinden des Studenten Siegfried Behrens aus Hamburg hat die Berliner Criminalpolizei bis jetzt unaufhörlich beschäftigt; es sind in der Angelegenheit die weitgehendsten Recherchen angestellt worden, die indessen ein so entschieden negatives Resultat geliefert haben, daß die Berliner Behörde nunmehr zu der Ueberzeugung gelangt ist, es liege ein an dem Vermißten etwa verübtes Vetbrechen nicht vor. Weitere Nachforschungen werden daher unterbleiben und die Klärung des Dunkels muß der Zeit resp. dem Zufall überlassen bleiben. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Wien. Das Kuratorium des isrealitischen Minden-Institutes in Wien hat soeben seinen ersten Jahresbericht ausgegeben, dem zufolge die Anstalt ein von Dr. Ludwig August Frankl bis nun gesammeltes Stammvermögen von 133,600 fl. Papierrente besitzt und dem überdies durch Bildung eines Vereines, welcher jetzt 418 Mitglieder zählt, ein Jahreseinkommen von 4505 fl. gesichert ist. Das von: seligen Freiherrn v. Königswarter für das Institut votirte Haus auf der hohen Warte ist der Vollendung nahe und wird im Oktober d. I. eröffnet werden. Zahlreiche Gesuche vom In- und Auslande um Aufnahme sind schon eingelangt und drei nach Wien zuständige blinde Kinder bereits in Privatpftege und zum Unterrichte im k. Blinden-Jnstitute untergebracht worden. Das Kuratorium fordert schließlich zu weiterer materieller Unterstützung der Anstalt auf, um deren Wohlthat möglichst Vielen der Unglücklichen zu Theil werden lassen zu können. Beiträge und Gesuche um Aufnahme nimrnt die Vereinskanzlei (Seitenstettengasse 4) an. weiset die ersteren öffentlich aus und stellt das Vereinsdipwm zu. F r a n frei ch. Paris, 29. März. Der Präsident der Nationalversammlung reizte dem Hause den vorgestern erfolgten Tod des Abgeordneten Leopold Javal an; bei feinem Begräbnisse wird die Kamnier durch eine Deputation vertreten sein, in welche das Loos n. A. auch den Prinzen Joinville ernennt. Feuilleton. Der portugiesische Kriedhof in «Mona. (Fortsetzung.) Von dem Leben und Wirken dieser in ihrer Zeit mit Hochachtung genannten, auch wohl heute noch ilicht