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Der Israelit · 1872-04-10 · Heft 15 (10.4.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 15 (10.4.1872)
Date
1872-04-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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323 »WWWWWWWWWWWWWWWW ^nächtige Feinde. Ich schütze Dich vor Ihnen, solange 4ch lebe. Aber wenn einmal meine Stunde schlägt . „„Gott möge diese Stunde noch auf lange hinausschieben, ßnädigster Herr!"" „Wir wollen es hoffen und wünschen; aber kommen wird sie einmal, und dann bist Du der Wuth Deiner Feinde preisgegeben. Zwar werde ich ein Testament machen, eine Regentschaft einsetzen, die aus Deinen Freunden bestehen wird. Aber, wer weiß, was sich ereignet, wenn ich nicht mehr da bin? Du jedoch könntest selbst Deine Stellung befestigen, einen großen, festen Anhang erwerben, wenn Du wolltest." „„Und wie wäre das möglich, gnädigster Herr?"" „Du kennst die junge Baroneß von Hohenbuch?" „„Eine charmante junge Dame."" „Ich habe über ihre Hand zu verfügen; sie ist eine der reichsten Erbinnen rn Württemberg, und ihre Vettern und Freunde sind über das ganze Land verbreitet; ich gebe sie Dir zum Weibe und erhebe Dich zum Freiherrn von Hohenbuch, wenn Du Dich taufen läßt." Süß lachte. „Durchlaucht sind sehr gnädig," sagte er. „Aber wie sollte ich mich da taufen lassen, katholisch oder protestantisch?" „Katholisch, natürlich, katholisch!" „„Aber würde da die Hohenbuch'sche Sippe den Katholiken nicht mehr hassen, als jetzt den Juden?"" Nun lachte auch der Herzog. „So laß Dich meinetwegen protestantisch taufen!" rief er. „„Nein, gnädigster Herr,"" enrgegnete Süß, „„ich werde weder das Eine noch das Andere thun, ich werde mich weder katholisch noch protestantisch taufen lassen, ich werde Jude bleiben."" „Ein Schweinefleisch essender Jude!" „„Aber doch immer noch ein Jude, gnädigster Herr! Eure Durchlaucht kennen meine Ansichten über Religion, und ich habe die Ehre, die Ansichten meines Herrn darüber zu kennen. Eure Durchlaucht sind im starren Protestantismus ausgewachsen, zum starren Katholicismus übergegangen, um sich von allem dem zu einer höheren Philosophie emporzuschwingen. Diese philosophischen Grundsätze vertragen sich wohl mit dem Glauben an die Einheit Gottes, wie das Judenthum sie lehrt, nicht aber mit den Dogmen des Christenthunls."" „Und was ists weiter? Hindern mich diese Dogmen etwa in meinem Denken, in meinem Lebens-! genusse?" „„Gnädigster Herr, dringen Sie nicht weiter in mich. Meine Mutter ist nicht Gräfin Heidersdorf geworden, weil sic verschmäht hat, sich taufen zu lassen; ich will aus demselben Grunde nicht Baron Hohenbuch , werden.""! „Wie kannst Du das vergleichen, Süß? Deine Mutter war ein schwaches Weib, das sich von Gefühlen bestimmen ließ, Du aber bist ein Mann, ein denkender Mann, der längst über jedes Vorurtheil hinaus ist." „„Wohl, Durchlaucht, über jedes Vorurtheil; allein mein Glaube an den einzigen Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde, das ist kein Vorurtheil; das ist mein höchstes Besitzthum, mein Halt, meine Stütze. Ich könnte nicht länger leben, wenn ich Ihn verleugnen würde."" „Und doch hältst Du die Gebote des Gottes nicht, den Du bekennst!" „„Wahr, Durchlaucht, leider nur zu wahr! O, mein gnädigster Herr, wie oft mache ich mir selbst Vorwürfe darüber!"" „Nun, warum thust Du's denn nicht? Ich, ich hätte nichts dagegen. Ich werde dem Hofmarschall den Befehl geben, daß er bei Tafel Dir künftighin nur Rindfleisch oder Hammelfleisch serviren lasse." Süß lächelte. „„Wenn ich nach dem Gesetze Mosis leben wollte gnädigster Herr, so dürfte ich gar nicht an Eurer Durchlaucht Tafel speisen."" „Nein, das ginge allerdings nicht, ich kann, ich mag Deine Gesellschaft bei Tisch nicht entbehren. Doch, um wieder auf Deine Angelegenheiten zurückzukommen: Du weigerst Dich also entschieden, Dein ewiges Heil beim Papst in Rom oder beim Doctor Luther zu suchen?" „„Entschieden, gnädigster Herr."" „So kannst Du auch die Hohenbuch nicht heirathen und wirst des Anhangs entbehren, wenn ich die Augen schließe." „„Warum heute, gnädigster Herr, inmitten der Freude und der Lust so oft Todesgedanken?"" „Nur aus Besorgniß um Dich, Süß, und um Deine Zukunft. Du weißt, daß Deine Feinde sich in jüngster Zeit an mich gedrängt haben. Da habe ich gesehen, wie sehr sie Dich hassen und wie sie wünschen, Dich zu vernichten, und deßhalb dachte ich auf Mittel, Dir festen Halt im Lande zu geben!" „„Und wenn ich meinen Feinden aus dem Wege ginge?"" „Wie, Süß, Du wolltest mich verlassen? Nein, daran denke nur nicht; ich will Dich nicht entbehren, und wenn Du davon laufen würdest, so würde ich Dich wieder holen lassen und wäre es von jenseits des Meeres. Doch jetzt wollen wir zur Gesellschaft zurückkehren und froh die Gegenwart genießen!" (Forts, f.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Nedaction: Dr. Lehmann. — Verla fl der Le Noux'schen Hojbuchhandlunfl. I. Gottsleben's Buchdruckrrei in Mainz.

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