Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1872)
- Date
- 1872-04-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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# 331 derung gibt eilte der „Nat. Ztg." zur Benutzung mitgetheilte Meldung des Vertreters der indisch-europäischen Telegraphenlinie in Persien Zeugniß. welche besagt: „Heute (das Datum ist nicht angegeben) wurden in Kendjon (zwischen Tauris und Teheran) 12 Mann ergriffen , die einen Menschen verzehrten. Sie haben gestanden, schon acht Menschen gegessen zu haben." Der Berichterstatter knüpft an diese Nachricht den Antrag an das Directorium der genannten Telegrapheugesellschast in London, in jener Gegend Brod an die Hungernden zu vertheilen. Auch aus anderen Theilen Persiens sind haarsträubende Nachrichten über die herrschende Noth eingelaufen. Feuilleton. Küß Kppenheimer. xv. Der Carueval wurde in Stuttgart so fröhlich und ausgelassen gefeiert wie noch nie. Fest folgte aut Fest, und für die großartigen Maskenbälle, die der Minister Süß Oppenheimer auf Geheiß Seiner Durchlaucht des Herzogs arraugirt harte, waren eigens große Gebäude aus Holz errichtet worden, weil kein Saal geräumig genug gewesen wäre, die wogende Menge der fröhlichen Masken zu fässen. Am Fröhlichsten und Ausgelassensten war der Herzog. Im prachtvollen Costüme durchschritt er an der Seite seines Ministers die improvisirten Festes - hallen, mischte sich unter das Gewühl und unterhielt sich in launigster Weise mit den Masken. „Ich bin zufrieden mit Dir, Süß," sagte er, gnädig lächelnd. „Du hast aus diesen linkischen und tölpelhaften Schwaben beinahe Italiener gemacht. Ich fühle mich nach Venedig versetzt. Ich werde Dir's zu lohnen wissen, mein treuer, guter Süß." Süß verneigte sich dankbar. Der Herzog war mit ihm zufrieden, zufriedener denn je. Die Jntriguen seiner Feinde, die sich in jüngster Zeit an den Herzog gedrängt und die Stellung des Ministers zu erschüttern versucht hatten, waren wirkungslos geblieben. Der Herzog war noch gnädiger als früher und verhieß seinem Äebling reiche Belohnung. Durfte Süß nicht auch zufrieden feind Und doch war er's nicht. Er mutzte immerfort, inmitten des Freudengetümmels, an jenen Auftritt in der Herberge in Oppenheim denken, da seine Mutter verzweiflungsvoll den Kopf wider die Wand stwß und sich verfluchte, weil sie dem Bruder nicht gefolgt war aus Glanz und Reichthnm heraus. Auch an ihn hatte derselbe Bruder seiner Mutter eine ähnliche Mahnung gerichtet, und auch er hatte sie nicht befolgt. Schweigend und theilnahmlos schritt er neben dem Herzog einher. „Wie lustig sie sind," sagte der Herzog, „diese sonst so bockbeinigen Schwaben, wie sie tanzen und springen? Und nun behaupten diese griesgrämigen Stände und Pfaffen noch, ich mache mein Volk nicht glücklich, weil sie ein paar Groschen Steuern mehr bezahlen sollen! Dir möchten sie gar zu gerne an den Kragen, Süß! aber das soll nicht geschehen, so lange ich lebe!" Die letzten, mit erhobener Stimrne gesprochenen Worte tönten erschreckend in die Ohren des Ministers. Ja, ja, solange der Herzog lebte, war seine Stellung. gesichert. Aber, wie, wenn der Herzog plötzlich stürbe? Doch fort mit solchen Gedanken! Der Herzog stand im kräftigsten Mannesatter und erfreute sich einer blühenden Gesundheit. Süß verneigte sich wiederum und sprach: „Serenissimus sind sehr gnädig gegen mich!" „„Nicht mehr als Du es verdienst. Aber Du bist heute nicht recht heiter, Süß.'"" „Ich bewundere den Scharfblick und die feine Beobachtungsgabe Eurer Durchlaucht. Nein, ich bin nicht recht heiter. Da war ein alter griesgrämiger Oheim bei mir, sonst ein guter, braver Mann, der micherzogen hat, als ich eine elternlose Waise war. Der hat mir tüchtig die Leviten gelesen, weil ich nicht nach dem Gesetze Moses lebe, weil ich Schweinefleisch esse und dem Bacchus und der Venns dienet „„Weißt Du, daß der Mann eigentlich Recht hat? Komin, wir wollen eins der Nebenzimmer aufsuchen, wo wir ungestört plaudern können; ich habe Dir mancherlei zu sagen."" Süß hatte neben den großen Sälen kleine Gemächer einrichten lassen, wo man Erfrischungen zu sich nehmen und inmitten all der Festlichkeiten ungestört in kleiner abgeschlossener Gesellschaft verkehren konnte. Nach einem solchen Seitengemache begab sich der Herzog mit feinem Vertrauten und ließ sich mit ihm auf einem Divan nieoer, während der Kammerdiener des Herzogs vor den Eingang postirt wurde, um jede Störung Peru zu halten. „Ja," sagte der Herzog, nachdem er sich gesetzt und seinem Minister gewinkt hatte, ein Gleiches zu tbun. „Dei>^ alter Onkel hat eigentlich ganz Recht Em Jude, der Schweinefleisch ißt, der ist eigentlich gar kein Jude mehr. Jude und Schweinefleisch, das kann ich mir eigentlich gar nicht zusammendenken. Schon als kleines Kind lernte ich ein Lied, das lautet: „D:e Türken sind Narren, sie trinken kein Wein, „Die Juden sind Narren, sie eisen fein Schwein." Uebrigens bist Du ja auch nur ein halber Jude. In deinen Adern fließt das Blut der Grasen von Heidersdors. Höre, Süß, Du hast Feinde, viele und