Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-04-10 · Heft 15 (10.4.1872) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 15 (10.4.1872)
Date
1872-04-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447567--10360-2466097
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

330 'Kermtniß von den bedaucrnswerthen Ruhestörungen, welche in Ismail und Cahul ftattgefundeu haben und hielt sie es für ihre Pflicht, dieselben mit aller Energie, welche ihr die Principien der Ordnung, der Humanität und Civilisation vorfchrieben, zu unterdrücken. Ich bin der Erste, mein Herr, der die Gewalthätigfeiten verdammt, welche die Bevölkerung der genannten Städte, gegen die Israeliten verübten. Es scheint mir aber, wenn man ein unparteiisches Urtheil über die stattgehabten Ereignisse fällen soll, billig, die Ursache aufzufinden, welche die Erhebung der Bevölkerung hervorgerufen. Es ist heute durch die vorgenommene Untersuchung wnstatirt, daß diese Ruhestörungen nur die Folge eines, von einem Juden (!) in der Jsmailer Kathedrale verübten Nebelhaften und frechen Diebstahles sind. Die Tragweite dieser Thatsachen, legte uns die Pflicht auf, mit aller Unparteilichkeit die des Diebstahls und der Ruhestörung Bezichtigten aufzufinden, um sie mit der gehörigen Strenge bestrafen zu können und haben wir zu diesem Ende bereits den General-Staatsanwalt des hiesigen Appellhofes dahin abgesandt. Da ich für den Augenblick noch nicht in der Lage bin, alle Details der Angelegenheit, welche uns in Anspruch nimmt, zu kennen, so werde ich, um sie Ihnen, mein Herr, mittheilen zu können, die mir zukommenden Resultate der Untersuchung, welch? mit Eifer betrieben wird, abwarten. Ich zögere jedoch nicht schon jetzt hinzuzufügen, daß Maßregeln ergriffen wurden, um die dem Gesetze schuldige Achtung zu sichern, und daß die Regierung fest entschlossen ist, alle unruhigen Elemente, kämen sie von welcher Seite immer, zu bekämpfen. Empfangen Sie rc." gez. Costaforu. Es sind nun mehr als sechs Wochen, seitdem die Regierung antwortete, und sagte: „Da ich für den Augenbeick noch nicht in der Lage bin, alle Details der Angelegenheit, welche mich in Anspruch nimmt, zu kennen, so werde ich, uni sie Ihnen, mein Herr, mittheilen zu können, die mir zukommenden Resultate der Untersuchung, welche mit Eifer betrieben wird, abzuwarten." Nichtsdestoweniger ist bis heute, wie wir erfahren, weder den Vertretern der Mächte, noch auch dem Publikum durch die Spalten des „Moniteur" fernere Mittheilnng gemacht worden, obschon es wohl bekannt ist, daß der General-Staatsanwalt Borsch schon seit lange zurückgckehrt, seinen Bericht abgestattct und die Israeliten aller Schuld freigesprochen hat. i Wir erfahren auch, daß der österr.-ung. General-! Consul seitens einiger Cahnler Israeliten, welche dem j österreichischen Staatsverbande angehören, die telegra-! phische Nachricht erhalten habe, daß 46 der Haupträdcls-! l sichrer ihrer Haft entlassen worden seien! I ' ' In Vulkow sind von den 180 ursprünglich Arrej tirten, nur noch 30 in Haft verblieben, während trotz ihrer erwiesenen Unschuld, alle arretirten Israeliten, einschließlich des Rabbiners Brandes, dem Blendwerke einer Schwurgerichtsverhandlung unterworfen werden sollen! Wir sagen Blendwerk; denn nach der Erfahrung der Vergangenheit und der vom letzten Mittwoch, wo diejenigen, welche überführt wurden, den Fürsten und das Haupt der Kirche gröblich beschimpft zu haben, vom Schwurgerichte sieigesprochen wurden, können die unglücklichen Israeliten, gegen welche die verruchten Fabeln erfunden wurden und die gegen einen tödtlichen Haß zu kämpfen haben, nur sehr karge Gerechtigkeit erwarten. Wir haben wiederholt erklärt, daß die „Rumänische Post" weder das Organ einer Partei, noch einer Secte sei; sie ist frei und unabhängig und den wahren Interessen des Landes, welchen sie stets nach Innen und Außen zu dienen suchte, warm ergeben. Wir haben bis bis jetzt die gegenwärtige Regierung unterstützt und werden dies so lange zu thun fortfahren, als das Ministerium Catagin dessen wie bisher würdig sein wird. Es ist jetzt dazu berufen, eine obschon schwere, doch nicht weniger gebieterische Pflicht zu erfüllen und es wird wiffen, daß keinerlei diplomatische Kniffe dem Auslande gegenüber es von der schweren Verantwortlichkeit, die auf demselben lastet, befreien wird. Wir hegen den ausiichtigen Wunsch, daß das Ministeriuin den Ruf, den e§ bis jetzt errungen, auch fernerhin aufrecht erhalten rnöge. (Rum. Post.) Rußland. Odessa. Die Angelegenheit des in Odessa abhanden gekommenen wunderthätigen Heiligenbildes bleibt, wie der „N. S. P. Z." geschrieben wird, noch immer etwas räthselhaft. Die äußere Thür und der Heiligenschrank waren unbeschädigt; die kleinen goldenen und silbernen Bilder, die sich bei dem Heiligenbilde befanden, sind unberührt geblieben. Der Wächter gibt verworrene Antworten; es ist indessen klar, daß ein Wächter in einer dunkeln und nebligen Nacht nicht 7 Ausgänge bewachen kann. Die jüdischen Hausbesitzer sind von der Polizei angewiesen, die Aufsicht zu verstärken, für den Fall, daß man auf den Gedanken kommen sollte, das Bild in das Haus irgend eines von ihnen zu werfen. In dem Heiligenschrank steht jetzt eine Kopie des Bildes mit Steinen, welche den echten Steinen nachgebildet sind. Die Panik unter den Juden ist sehr groß. P e r s i e n. Die Hungersnoth in Persien dauert nicht nur fort, sondern nimmt immer größere Dimensionen an. Von der in ihrem Gefolge nothwendig auftretenden Verwil-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.