Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1872)
- Date
- 1872-04-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447567--10359-2466096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
329 zum Geschenk gemacht, wovon die Zinsen jährlich an drei Sparkassenbüchlein mit je 25 Frs. vertheilt werden und zwar zum Nutzen des Schülers, welcher in einer der drei Schulen (kath., Prot, und israel.) die größten Fortschritte in der französischen Sprache gemacht hat. Nun ist jetzt in Folge der Annexion die französische Sprache in den Elementarschulen des Elsaß ganz oder doch beinahe unterdrückt. Die Stiftung des Herrn Bloque hat kein Zweck mehr und der Stifter fordert sein Kapital von der Gemeinde zurück, um es zu einem andern gemeinnützigen Zwecke verwenden zu können." Dem „Ndrrh K." wird dabei mitgetheilt, „daß unter dem französischen Regiment bei den jährlichen Wettbewerbungen um die Bloquv'schen Preise nicht nur ein französisches Dictat, eine Aufgabe und eine Erzählung gefordert wurde, sondern auch ein deutsches Dictat." Oe st e rr. - U n g a r. Monarchie. Waag-Ateufkadtl, 7. März. Frau Rosalia Salvendy, ein Muster weiblicher Tugend, hat in ihrem 79. Lebensjahre am 20. v. M. das Zeitliche gesegnet. Entsprossen einer der achtbarsten Familien in unserer Gemeinde, zugleich Urenkelin des weltberühmten Rabbiners zu Frankfurt a. M. Naftali Kohen hat sie schon von ihrer frühesten Kindheit gelernt, Tugend und Gottesfurcht höher zu schätzen, als Prunk und Glanz. Im Vereine mit ihrem sel. Gatten, einem Mann, der stets eine Zierde unserer Gemeinde war, arbeitete sie rastlos an der Erziehung ihrer Kinder: verzichtere gern auf das, was Andern Bedürfniß ist, um nur das Ersparte zur wissenschaftlichen Bildung ihrer Kinder zu verwenden. Schreiber dieser Zeilen hat durch 7 Jahre im Hause der Seligen gewohnt, war zugleich Lehrer ihres jüngsten Sohnes, des Herrn Dr. Salvendy, jetzigen Rabbiners zu Dürkheim, bis zu dessen zurückgelegten 13. Lebensjahre, und hatte Gelegenheit genug zu sehen, in welcher Freude ihr Gesicht erstrahlte, wenn sie den unsäglichen Fleiß ihres *2 beobachtete, wenn sie bemerkte, daß sich die eminenten Anlagen ihres Kindes entfalteten, wenn sie sich im Geiste jene Zukunft vergegenwärtigte, da ihr theures Kind damals schon von Jedermann bewundert, Tugend und Moral in herrlicher Sprache predigen wird. Würde Israel viele solcher Frauen haben, um wie vieles besser stünde es dann um unsere heilige Thora? Bernhard Stelnitz. Frankreich. Paris. Michel Levy, der bekannteMediciner, Director der Schule Val-le-Grace, Mitglied der medicinischen Akademie, ist gestorben. Levy wurde am 21. September 1809 in L-traßburg geboren und erwarb seinen wohlverdienten Ruhm im Krimkriege. Er war ber Orientarmee als Oberarzt attachirt und zeichnete sich auf diesem schwierigen Posten eben so sehr durch seine hohe wissenschaftliche Befähigung aus, als durch die Fürsorge, welche er jedem Zweige dieses wichtigen Dienstes zuwandte. Nach seiner Rückkehr wurde Michel Levy zum Direktor der Schule für Medizin und Militärchirurgie ernannt. Seiner. intelligenten Initiative war die Errichtung der Militärsanitätsschule zu Straßburg zu verdanken, welche jetzt provisorisch nach Montpellier verlegt ist. Herr Michel Levy hinterläßt zahlreiche Werke, von welchen in erster Reihe sein classisch gewordenes „Traitö d'hygiene publique et privoe" anzuführen ist. Rumänien. Bukarest, 28. März Das „Journal de Bukarest", welches ein offiziöses Organ der Regierung zu sein scheint, bringt in seiner gestrigen Nummer eine Copie der Noten, welche zwischen den Vertretern der fremden Mächte und der rumänischen Regierung in Angelegenheit der jüngst stattgehabten Judenverfolgungen, gewechselt wurden. Dieselben läuten folgender Maßen: „Herr Minister! Ich habe mit Bedauern von den beklagenswertheu Scenen, welche vor Kurzem in den Städten Ismail und Cahul stattgefunden haben sollen, Nachricht erhalten. Die Bevölkerung soll über die Israeliten hergefallen sein, ihre Wohnungeil zerstört und Blut vergossen haben. Ich erlaube mir ungesäumt die Aufmerksanlkeit der fürstlichen Regierung auf die ernste Gefahr, daß sich solche Unruhen erneuern und größere Dimensionen annehmen könnten und auf die Nothwendigkeit zu lenken, die Urheber zu bestrafen. Es ist im Interesse der Regierung, alle inneren Ordnungsstörungen, und namentlich die willkürlichen Angriffe zu unterdrücken, deren Opfer so oft die Juden waren, und welche zu verschiedenen Malen die Vorstellungen der Regierungen Europas gerechtfertigt haben. Ich bin überzeugt, daß das gegenwärtige Cabinet durch seine Energie im Stande sei» wird, der Wiederkehr aller Ausschreitungen gegen die Juden vorzubeugen und dergestalt die Prinzipien der Humanität und der Civilisation zu wahren. Empfangen Sie — rc. . . ." Green, Großbriranien. — Le Sourd, Frankreich. — v. Thielau, Deutschland. — Zinoview, Rußland. — v. Schlecht», Ungarn. — Peirotto, Vereinigte Staaten. — Gloria, Italien. — Kenn, Holland. — M a n o s, Griechenland. — „Mein Herr! „Schon vor Empfang der Note, welche Sie mir gütigft übersandten, hatte die fürstliche Regierung bereits