Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1872)
- Date
- 1872-04-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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312 anreihender Rechenschaftsbericht enthält die Gebahrung des Beth Hamidrasch „EzChaim", dessen Vorsteher, die Herren I. L. Freistadt, Simon Austerlitz, David Pollack und Samuel Spitzer das Ihrige nach Kräften beitragen, diesen löblichen Verein zu heben und zu beleben. Die Einnahmen betrugen circa 4000 fl., die auch zu Gehalten für Lehrer rc. verwendet wurden. Ich hatte schon öfters Gelegenheit, in diesen weitverbreiteten Blättern, die daselbst gehaltenen, gehaltvollen und gediegenen Vorträge zu besprechen und kann nur wiederholen, daß Herr Rabb. Sal. Spitzer, ferner die Herren M. B. Klein und Moses Katz vor einem zahlreichen Auditorium täglich einige Stunden in verschiedenen Theilen von owiböi dmv einen nijop vortragen. Außerdem steht mit dieser Anstalt der von Herrn Rabb. Spitzer ins Leben gerufene Ez- Chaim-Verein in Verbindung, welcher die Tendenz hat, würdige aber, dürftige min noib nach Möglichkeit zu subventioniren. Wir wünschen beiden Vereinen ferneres Gedeihen und thatige Theilnahme in geistiger und materieller Beziehung von Seiten der geehrten Mitglieder, bei denen sich auch bewähren möge das 0"n yy na D’p'inD^» ton. Das wohlthätige Wirken des Ehessed-schel-Emeß- Vereins liegt schon in seinem Namen ausgesprochen und habe ich es schon mehrmals gekennzeichnet, wie auch hervorgehoben, daß der würdige Kassabewahrer, Herr Johann Kropf, obwohl Nichtisraelit, diesem Vereine warmes Interesse und thatige Theilnahme schenkt; er bewährt sich auch sonst als wahrer Menschenfreund und betheiligt sich auch bei andern Gelegenheiten an Collecten, was große Nachahmung verdient. Die andere Mitglieder des Vorstandes sind: Herren Leop. Fried, Präses, Selig. Strauß, Stellvertreter und Hermann Klinger, Controleur. Die Einnahmen haben sich gehoben auf 2632 fl. und durch außerordentliche Spenden konnte ein Sefer Thorah angeschastt werden. In der Rubrik der Ausgaben finden wir verschiedene Daten, welche Unterstützungsbeträge enthalten an kranke Vereinsmitglieder, ferner eine beträchtliche Summe bei Sterbefällen in Schiwean von d,wdn und Bestellung von yio an die Wittwcn der verstorbenen Mitglieder, Leichenbegleitungskosten, Subvention an Talmud-Thora u. s. w. Gelegentlich will ich nur noch erwähnen, daß ich diesen und manch andern wohlthätigen Verein von ähnlicher Tendenz, die nur auf Spenden und Beiträgen angewiesen sind, unter den Vereinen, die an der Spendentafel in beiden Tempeln angebracht sind, zu meinem Bedauern vermisse, zumal der kaufmännische und der Handwerkerverein rc., deren Existenz durch Stiftungen gesichert ist und die bei Weitem nicht von so allgemeiner Nothwendigkeit sind, in der Liste sich befinden. Zum Schlüße noch die erfreuliche Nachricht, die ich eben vernehme, daß die autonome orthodoxe Jsr.- Gemeinde in Pest an Mitgliederzahl in Zunahme begriffen ist, so daß sie die Absicht hat, bald einen ausgezeichneten Rabbiner zu acceptiren in der Person des Herrn Mayer Perls zu NagyKaroly 'rt ann p 5 "st Dtnj/s nwQ i"no ison und wir können unserer Schwestergemeinde, die in der Constituirung der Residenz zuvorkam, zu dieser Acquisation von Herzen gratuliren. Die hiesige wahrhaft jüdische Gemeinde hat bereits das Glück, in Herrn Rabbiner Spitzer ein würdiges Oberhaupt zu besitzen und wir hegen mit Recht die erhebende Erwartung, daß diese zwar junge, aber auf den alten, erprobten und bewährten Grundsäulen des Judenthums ruhende Gemeinde, die im schönsten Sinne des Wortes eine namp mnp bildet , unter der Aegide und Leitung eines so gottergebenen und tüchtigen Mannes n"ya bald zur vollsten Entfaltung sich entwickeln müsse, zum eigenen Wohle und zum ewigen Heile der gesammten Judenheit gedeihen, die schönsten Blüthen und herrlichsten Früchte tragen werde! a"'ap. Feuilleton. portugiesische Ilriedsiof iu Altona. (Fortsetzung.) Dieser Verlauf wurde von den portugiesischen Juden, nach deren religiösen Anschauungen die anderweitige Benutzung von Begräbnißplätzen als Entweihung der Ruhestätten gilt, jedenfalls schmerzlich empfunden. Sie gruben so sorgfältig als möglich die Ueberreste der auf den Kohlhöfen beerdigten Leichen aus und brachten dieselben nach dem Altonaer Friedhof, wo die in spanischer Sprache verfaßten Inschriften mehrerer Grabsteine besagen, daß im Jahre 1653 „diese Knochen bei der Ausgrabung der Kohlhöfen in Hamburg aufgefunden und hier aufs Neue zur Ruhe gebracht worden." Bei Gelegenheit der Feststellung jener „vesignatis" wurde eine offizielle „Rolla" der in Hamburg lebenden Portugiesen angcfcrtigt, in welcher im Ganzen 125 Personen, unter denen 26 Ehepaare, verzeichnet find, die Kinder nicht mrtgerechnet. In dieser „Rolla" finden wir u. A. den Namen des erwähnten Dr. Rodrigo de Castro, der s. Z. in der medizinischen Welt eines bedeutenden Rufes genoß. Derselbe war um 1560 in Lissabon geboren, hatte in Salamanca mit gutem Erfolge Medizin studirt, daselbst die Würde eines Noäioina.6 st kbilosopbiav Vootor erlangt und im Jahre 1594 feinen Wohnsitz in Hamburg aufgeschlagen. Bei dem bald darauf erfolgten Ausbruch der Pest in dieser Stadt zeichnete er sich durch die Selbstaufopferung aus, mit welcher er an das Siechbetr der Erkrankten eilte und manchem das Leben rettete. Von seiner wissen-