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Der Israelit · 1872-04-03 · Heft 14 (3.4.1872) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 14 (3.4.1872)
Date
1872-04-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Gastlichen Gründlichkeit zeugt der auf uns gekommene „Iractatus brevis de natura et causis pestis quae hoc anno 1596 Hamburgensem civitatem afffligit etc. PerRodericum a Castro. Phil, et Med. Doct. etc.“ (Kurze Abhandlung über das Wesen und die Ursachen der Pest, welche in diesem Jahre 1596 den Hamburgischen Staat heimsuchte u. s. w.) Von ihm sang der berühmte Hamburger Gelehrte und Poet Friedrich Lindenbruch in seinen zur Verherrlichung der spanischen Gelehrten gedichteten Jamben, „daß in der ersten Reihe „Rodericus“ stehe, der in der edlen Heilkunst eine seltene Höhe erklommen und Chiron und Aeskulap verdunkle." Rodrigo de Castro genoß eines solchen Rufes, daß er von dem Könige von Dänemark, dem Erzbischof von Bremen, dem Herzog von Hollstein und andern fürstlichen Personen eonsultirt und geehrt wurde. Auch in unserer Vaterstadt wurden seine Verdienste ausdrücklich anerkannt, indem ihm „aus sonderbaren erheblichen Ursachen, wegen dero allhier in der Gemeinde lange viel Jahre hero geleisteten treuen Dienste" der Besitz eines eigenen Hauses auf der „Wallstraße" gestattet wurde, während es seinen Glaubensgenossen verboten war, „einige Felder- oder andere liegende Gründe in dieser Stadt und Gebiet erb- und eigenthümlich zu kaufen und an sich zu bringen." Die ärztliche Kunst blieb in Doctor Rodrigo de Castro's Familie eine Zeit lang erblich. Sein Sohn Daniel wurde zum Leibarzt des Königs von Dänemark ernannt, ebenso sein Sohn Benedict zum Leibarzt der Königin Christine von Schweden, welche sich zu verschiedenen Malen in Hamburg aufhielt. Nachkommen dieser Familie leben zur Zeit noch in Altona und sind in der kaufmännichsen Welt als Träger einer hervorragenden Firma bekannt. Neben Don Rodrigo de Castro's Söhnen zeichnete sich in der ärztlichen Kunst u. A. auch Immanuel Bacarro Frances v. Rosales aus, der 1637 nach Hamburg kam und mit rühmlichem Erfolge practifirte. Er war gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Portugal geboren, studirte dort Medicin, Philosophie, Mathematik und Astronomie und zeigte auch als Dichter nicht gewöhnliche Befähigung. In Hamburg wurde er wegen seiner ärztlichen Tüchtigkeit zum kaiserlichen Pfalzgrafen „6oine8 Palatinus“ ernannt - ein Titel, welcher zu jener Zeit namentlich bürgerlichen Gelehrten von Verdienst, Juden aber ohne Zweifel nur selten ertheilt wurde. Von ihm wurde ein medicinisches Compendium unter dem Titel .,A.rmatura medica sive modus addiscendi medicinam“ (Medicinische Rüstkammer, oder die Kunst, die Medicin zn erlernen) verfaßt, welches 1644 in Hamburg erschien; außerdem erwarb ihm sein „Regnum astrorum reformatum“ (Verbesserte Sternkunde) einen gefeierten Namen. Nicht minder wurde sein Bruder Josias Rosales zu den hervorragendsten Vertretern des literarischen Hamburg gezählt; er war der Verfasser eines „Bocarro" betitelten Gedichtes, das von Delitfch, einem der gelehrtesten Kenner der jüdischen Culturgeschichte, den vorzüglichsten Erzeugnissen der portugiesischen Nationalliteratur gleichgestellt wird. Neben ihm glänzte Joseph Frances, der ob seiner poetischen Befähigung den Beinamen des „Hamburger Camoens" erhielt. Um dieselbe Zeit glänzte als Sprachforscher in unserer Vaterstadt der gelehrte Benjamin Muffaphia, auch Fidalgo genannt, dessen Nachkommen bis in unser Jahrhundert ein reges Interesse für verschiedene Zweige der Wissenschaft bethätigten. Der letzte Sprößling dieser Familie starb im Jahre 1855 zu Altona und hinterließ eine reichhaltige Bibliothek, aus deren Schätzen die hamburgische Stadtbibliothek ihre Sammlung spanisch-jüdischer Literaturprodukte wesentlich vervollständigte. (Forts, f.) ANZEIGEN. Israelitisches Äjyl für Nerven- und Gemüthskranke in Sayn bei Coblenz. Herrliche, gesunde Lage im anmuthigsten Theile des Rheinthales. Behandelnder Arzt I)r. Wiegand. Liebevolle, freundliche Pflege im Familienkreise von 21. Jacoby.

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