Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1872)
- Date
- 1872-04-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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310 ten, so können wir sie um dieselbe gewiß nicht beneiden. Mit besonderer -Freundlichkeit sucht der Correspondent auch Herrn Rabb. Spitzer in Schutz zu nehmen, mit der Behauptung, derselbe habe nicht geflucht. Das ist in gewissem Maße auch richtig, da nach der Analogie des bekannten nvipunstreitig auch ein nix -oyi eristirt. Herr Rabb. Spitzer hat mithin nicht geflucht, sondern verlas bloß die hieraus bezüglichen aon», wie sie in der nampn nun enthalten sind. Wie man dieses von jüd. Standpunkte gewiß vollkommen correcte Verfahren nennen will, kümmert urls nicht. Auf die Benennung kommt's hier auch im Geringsten nicht an. Nun spricht der Anonymus in seinem norddeutschen Junkerjargon von der „nichtswürdigen" Insinuation im „Israelit", wonach vr. Güdemann „eher die heiligen Principien des Judenthums opfere, als daß er auf die reiche Pfründe verzichte und sich von all den Millionären trennen möchte, die kaum dem Namen nach noch Juden sind, die so leicht Tausende verdienen und Hunderte verschenken". Da faselt der gute Mann gar viel sinnloses Zeug zusammen und behauptet, Herr Güdemann bleibe eben blos mit diesen Millionären im Kontrakte, um bei denselben für die Orthodoxen „schnorren" zu können. Ein bitteres „Schnorrbrod" das, dem sich Herr G. hingegeben. Um für die Orthodoxen zu schnorren, glaubt Herr G., die Orthodoxie hinopfern zu dürfen! Herr G. sollte doch einsehen, daß diese Schnorrpfennige dem Judenthume gar zu hoch zu stehen kommen und ein Schnorrgefchäft endgiltig aufgeben, das in dieser Weise denn doch nicht blos zwecklos, sondern in eminentestem Sinne schädlich ist. Aber der Correspondent erfrecht sich sogar, mit der Behauptung aufzutreten: Güdemann habe für ein Oberhaupt der Orthodoxen den Betrag von fl. 1400. geschnorrt. Und warum macht der Herr denn das Oberhaupt nicht namhaft? Warum mit leeren verdächtigenden Phrasen herumflunkern?*) Doch nein! Nicht für die Orthodoxen klopft Gan die Thüren der Millionäre an, sondern zur Besoldung seiner katilinarifchen Gestalten, die ihn umgeben und seine Verteidigung mit gut bezahlten Eiser, doch mit jämmerlich geringer Geschicklichkeit übernehmen. Schon der Umstand, daß die wahren Orthodoxen ihre Lostrennung von der Reformgemeinde mit preiswürdigem Eifer inauguriren, liesert doch den eclatantesten Beweis, wie wenig sie auf die materielle Unterstützung der Reformer und ihrer Prediger je reflcctirt. Diese „nichtswürdige" Schnorrinsinuation muß da- *) Anm. der Red.: Die Thatsache betrifft, wie nähere Erkundigungen ergeben haben, einen Mann, der mit den Breslauern sehr eng liirt ist. Diesen als ein Oberhaupt der Orthodoxen zu bezeichnen, dazu gehört echt Breslauische Chuzpah. her orthodoxerseits mit gerechter Entrstüung zurückgewiesen werden, Die Berufung des Correspondenten auf das Herrn G. von der jüd. Presse ertheilte Gutachten bildet immerhin ein Problem, dessen Lösung wir gerne erwähntem Blatte überlassen. Aber, behauptet der Correspondent, Herr Rabbiner Spitzer wandelte ja bis in die neueste Zeit mit Herrn G. einen und densellben Weg. Zugegeben — aber nicht zugestanden — könnte dies ja, insolange als Herr G. sich nicht in seiner wahren Gestalt zeigte, doch keinen ernsten Vorwurf 'involviren. Doch dem ist entschieden nicht so. Hier nur eiu Beispiel. Bor Jahr und Tag schon hat ein gewisser vr. Brüll, Religionslehrer und Prediger in Döbling nächst Wien, ein Individuum, das bekanntlich in Preßburg mit seinen Reformbestrebungen bereits vor einem Triennium ein klägliches FiaSco gemacht, eine vd'v npipi ohne r.srPn getraut. Bei einer Anwesenheit des Herrn Rabbiner Spitzer in Döbling wollte er mit genanntem Brüll nicht in einem und demselben Miujan sein. Auch andere Israeliten von Wien, welche im Sommer 1871 in Döbling wohnten und in der Regel jeden Tag das dortige Bethaus besuchten, wollten nach einer mit Herrn Rabbiner Spitzer in dieser Angelegenheit gepflogenen Besprechung nicht mehr in dieser Synagoge ihre Gebete verrichten Der Vorstand derselben fand es daher für angezeigt, die Erklärung genannten Herren gegenüber abzugeben, daß der Prediger B. nicht mehr zum Minjan gerechnet werden soll. Und Herr Güdemann? Nun dieser war's ja, der erwähntem Individuum, welches mit Berufung auf die Synodalbeschlüsse die ny’Pn factisch abschaffte, die Rabbiner-Autorisation ertheilte. Und dies nennt der Correspondent: „einen und denselben Weg wandeln?" Wahrlich! Eine solche flagrante Entstellung der Thatsachen kann eben nur in einem Journal ungehindert zum Abdrucke gelangen, das sich dem Dienste des Breslauerthums gewidmet; in einem Journals das die Stirne hat zu behaupten, der Wiener Resormvorftand habe seine diesfälligen Beschlüsse zurückgezogen; in einem Journale, das in cynischer Weife erklärt: Der ganze Kampf in Wien bilde eigentlich bloß einen Streit rrm eine Lechododi-Melodie! Eine nicht minder „nichtswürdige" Lüge involvirt die Behauptung, wonach Herr Rabb. Spitzer in Betreff des Sabbat- Gottesdienstes je Concessionen gemacht. Dies bedarf wohl der Widerlegung nicht: non no inpnn! Nun, dieses durch und durch lügenhafte Gebahren liefert uns mindestens den Schlüssel zu einem geographischen Problem, daß über „Wiener Vorgänge" aus Norddeutschland „referirt" wird. Jetzt scheint uns dieses Räthsel vollkommen gelöst, denn: p^rrv npico nsnn inny! Auch die Schomre - Hadath in Ungarn mit ihren hundert „Gelehrten und Schriftstellern", die sammt und sonders die Prediger- und Rabbinerstelle in Wien für / 'v