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Der Israelit · 1872-04-03 · Heft 14 (3.4.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 14 (3.4.1872)
Date
1872-04-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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308 Lote Gottes, die er besonders uns Juden gegeben: die Sabbate, die Feiertage, die Speisegesetze?" „„Auch in dieser Beziehung, mein Oheim, kanu ich Dir nicht zu Willen sein! Wie könnte ich die Gesetze beobachten, an deren Erfüllung ich seit vielen Jahren nicht gedacht? Ich würde mich ja lächerlich machen, bei Allen die mich kennen."" „Ha, vor deinen Untergebenen fürchtest Du Dich mehr, denn vor Gott!" „„Und was würde der Herzog dazu sagen, wenn ich plötzlich nicht mehr an seiner Tafel essen würde?" In diesem Augenblick hörte man eine heftige, kreischende Stimme im Vorzimmer. „Ich muß, ich muß zu Seiner Excellenz!" hörte man eine Frau laut rufen. Süß wurde beim Tone dieser Stimme verlegen. Rabbi Simchah aber öffnete die Thüre, und eine Frau stürzte herein. „Herr Minister", rief sie, „wie lange soll mein Mann noch auf dem Hohen-Asperg schmachten? Was hat er verbrochen, womit hat er verdient eingekerkert zu werden?" „Gnädige Frau", sagte Süß betreten, „mäßigen Sie sich, wir sind hier nicht allein!" Die Frau bemerkte jetzt erst Rabbi Simchah und betrachtete ihn aufmerffam. Dann trat sie auf ihn zu und redete ihn an. „Ehrwürdiger Greis!" sprach sie, „wer Du auch sein magst, Dich sendet Gott zu meinem Beistände! Ich merke, daß der Gewalttge da sich vor Dir schämt; o, hilf mir, rette mich, rette meinen unglücklichen Gatten." „Onkel," sagte Süß, „höre nicht auf das Geschwätz dieser Wahnsinnigen!" „Du bist sein Oheim, würdiger Greis!" rief die Fremde, „hast Gewalt über ihn? O steh mir bei, ich bitte Dich, steh mir bei!" „Verlassen Sie mich jetzt, Frau von Hetschbach," rief Süß, „ich habe jetzt nicht Zeit für Sie. Kommen Sie morgen wieder." „„Nein, heute will ich reden, vor diesem würdigen Greise!"" „Ich werde Sie durch den Bedienten enffernen lassen, wenn Sie nicht gutwillig gehen." „Das wirft Du nicht thun," sagte Rabbi Simchah, „reden Sie, Madame, ohne Furcht!" „Onkel hier habe ich zu befehlen. Gehen Sie!" „So gehe ich mit ihr", sagte Rabbi Simchah, sich zum Gehen anschickend. „Rein, nein, ehrwürdiger Greis, sagte die Fremde, „bleiben Sie und helfen Sie mir. Mein Mann ist eingekerkert nnd kein Mensch weiß warum, und der Herr Minister will ihn nur freilassen, wenn...." „Schweigen Sie!" donnerte Süß die Fremde an. „Ihr Mann wird wegen staatsgefährlicher Umtriebe, wegen Conspiration mit dem Herzoge von Neustadt in Verhaft gehalten!" „Reden Sie," sprach Rabbi Simchah, „unter welchen Bedingungen will man ihren Gatten freilaffen?" „Wenn ich ihm, dem Minister, meine einzige Tochter zuführe!" „Für den Herzog!" rief Süß. > „Nein, nein," rief die Frau, „nicht . . . ." „„Werden Sie schweigen?" schrie der Minister außer sich vor Wuth. „Süß", sagte Rabbi Simchah ernst, „schreibe sofort den Befehl zur Freilassung des Eingekerkerten." Der Minister that, wie ihm war geheißen worden. Frau von Hetschbach stürzte in die Knie und bedeckte die Hand des Rabbinen mit ihren Küssen und Thränen. „Gott belohne Sie, edler Mann", rief sie weinend, „und verzeihe Ihrem Neffen all das Böse, was er thut." Als sich die Frau entfernt hatte, stand Rabbi Simchah schweigend da; auch Süß wagte nicht, ein Wort zu sprechen. „Mein Oheim," sagte er endlich, „warum schiltst du mich nicht?" „„Warum soll ich Dich schelten? Ich habe dir bereits gesagt, was nur irgend gesagt werden konnte. Du wirst immer tiefer versinken in Sünde, Laster und Gewalthat; für Dich gibts weder Umkehr noch Rettung. Besorge mir den Paß, daß ich nach Hause zurückkehre."" Süß schrieb und unterfiegelte einen Geleitschein und überreichte ihn dem Oheim. Dieser nahm ihn und wandte sich schweigend zum Gehen. „Mein Oheim", sagte Süß, „scheide nicht so von mir. Schilt mich, aber gehe nicht im wortlosen Groll von hinnen." „Solange Du im Glück bist, ist keine Aussicht zur Rettung für Dich. Möge Dich Gott bald von Deiner Höhe stürzen, damit Du in Dich gehest!" „„Du fluchst mir, Oheim?"" „Nein, ich segne Dich! Wenn aller dieser Reichthum, alle diese Hoheit und Pracht von Dir genommen sein werden, dann wird vielleicht Dein besseres Selbst, Deine unsterbliche Seele noch gerettet werden können. — Dann will ich, wenn ich's erlebe, zu Dir eilen. Solange Du im Glücke bist, siehst Du mich nicht wieder. Lebe wohl!"" (Forts, folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redactton: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosduchhandlnng. I. Gottsleben's Buchdruckerei im Mainz.

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