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Der Israelit · 1872-04-03 · Heft 14 (3.4.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 14 (3.4.1872)
Date
1872-04-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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307 London, 27. März. Das Unterhaus nahm in zweiter Lesung mit 94 gegen 91 Stimmen Fawcett's irländische Universitätsbill, welche den Besuch der Universitäten den Bekennern aller Religionen eröffnet, an. Feuilleton. Süß HppmHeirner. XIV. Rabbi Simchah blieb einige Tage in Stuttgart; allein, was er sah und was er hörte, bestätigte ihm, nur all das Schlimme, was er über seinen Neffen daheim und unterwegs vernommen hatte. „Süß", sagte er nach Verlauf dreier Tage, „ich will wieder in die Heimath zurückkehren. Besorge mir einen neuen Paß anstatt des alten, den ich verloren habe." „„Bleibe nur noch einige Tage, mein Oheim; es schmerzt mich, daß Du mich schon verlassen willst!"" „Ach, ich würde gern noch bei Dir bleiben, wenn ich die geringste Aussicht hätte, Dich von Deinen Wegen abzulenken." „„Gern, gar gern würde ich Deinem Rathe folgen, wenn ich einen Ausweg sähe. Seitdem Du bei mir bist, mein Oheim, umweht mich der Geist meiner Kinderjahre. Da glaube ich die Stimme meiner geliebten Mutter zu vernehmen, der ich so manchen Kummer bereitet habe; da meine ich, es wäre wie gestern, daß ich zu Deinen Füßen satz und im Talmud studirte — es waren glückliche Tage!"" „Nicht wahr, es waren glückliche Tage? Glücklicher, tausendmal glücklicher als alle das Glück, das Tir Deine Macht, Deine Neichthümer, Dein Gold, Deine Diamanten, Deine Häuser, Deine Gärten, Deine Aecker, Deine Wälder, Deine Schlösser gewahren tonnen! denn Du hattest damals ein unbe- -astetes Gewissen, lebtest im Geiste und in der Desolgung der Gotlestehre, tvarsl gut und brav und brauchtest Niemanden zu fürchten denn Gott allein. Jetzt mußt Du in steter Angst schweben, mußt immer fürchten für Deine übel erworbene Güter, für Deine Freiheit, für Dein Leben. Die Gunst des Herzogs sit ein schwankes Rohr, das Dir keine feste Stütze bietet. Auf was willst Du Dich stützen, wo Halt Mchen, wenn Du in Noch geräthst? Auf deine Freunde? Sie lieben Dich so lange Du ihnen Ehre und Reichthümer zu verleihen vermagst; sie werden Dich verlassen, sobald die Sonne des Glückes ihr Antlitz von Dir wendet. Oder willst Du zu Gott hoffen, dessen heiligste Vorschriften Du vernachlässigst? Q, Süß, Süß, höre meine Stimme! So wie ich heute Dich mahne, so mahnte ich einst Deine Mutter in Heidelberg; sie mußte schwer dafür büßen, daß sie mir nicht §olge leistete. Du bist ihr Sohn und in ähnlicher age. Folge mir, mein Kind, ich bitte Dich. Du batest mich einst um die Hand meiner Judith — ich versagte sie dir; jetzt biete ich sie Dir an. Kehre um von Deinen bösen Wegen, verlasse die Bahn der Sünde und des Lasters und Du sollst sie besitzen, die einst Dein Herz begehrte." „„Mein Oheim, mein Vater, ich kann nicht, es ist zu spät. Sage Du selbst, wie soll ich es beginnen, von hier fortzukommen."" „Entfliehe!" „„Wohin? Der Arm der Fürsten reicht weit. Würde ich entfliehen, so würde man mich aller Arten von Verbrechen beschuldigen; man würde mich arretiren lassen, wohin ich mich auch wenden würde; man würde mich einsangen, wie ein wildes Thier, in Ketten werfen und im Kerker verfaulen lassen!"" „So tritt vor den Herzog hin und bitte ihn um Deine Entlassung." „„Er wird sie mir verweigern; er kann mich nicht entbehren."" „So bleibe und lasse ab von Deinem Thun und Treiben; bedrücke das Volk nicht mehr, scharre nicht mehr Schätze zusammen und lenke den Staat auf die Bahnen der Gerechtigkeit und Billigkeit." „Es ist nicht möglich, Oheim, nicht möglich. Gesetzt, ich wollte also thun, was sollte ich mit all den Beamten, Richtern, Geistlichen beginnen, die durch mich zu Amt und Würden gelangt sind? Soll ich sie wieder entfernen? Sie würden meine Todfeinde werden und die Welt mit Zetergeschrei erfüllen. Soll ich sie belassen? Ich kann" sie nicht ändern und bessern, nicht feile, käufliche Richter in Tugendhelden um« wandeln. Was soll ans den Monopolen werden, die ich eingerichtet habe? Soll ich die Contracte brechen und dadurch neues Unrecht begehen? Ich kann nicht heraus, ich kann nicht!"" „Suche einen Mittelweg einzuschlagen und füge vor Allem nicht neue Uebelthaten den allen hinzu. „„Auch das kann ich Dir nicht versprechen, Oheim. Muß ich nicht nach wie vor die Säckel des Herzogs füllen, muß ich nicht das Geld schaffen für seine kostspieligen Launen? Und woher soll ich das Geld nehmen, wenn nicht aus den Einkünften des Landes?"" „Was du mir da sagst, ist traurig, sehr traurig. Aber höre noch eins. Warum verletzest Du die Ge-

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