Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1872)
- Date
- 1872-04-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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305 veröffentlicht hat, von M. A. Levy, dem größten Kenner semitischer Epigraphik, in der Zeitschrift der Deutschen Morg. Ges. 1871 S. 429 wieder abgedruckt und besprochen. Seitdem find mir drei verschiedene Versionen dieses ziemlich einfachen nabatäischen Grabsteins zugekommen, und auch die Geschichte derselben. Als die Kunde von einer neu gefundenen Inschrift nach Jerusalem gelangte, schickte ein dortiger Antiquitätenhändler einen Eingebornen nach es-Salt (einem bedeutenden Dorfe des Ostjordanlandes). Der Unterhändler wandte sich mit seinem Begehren an den dort' residirenden Kaimakam (Statthalter): er möge ihm zur Erlangung des Steins behülflich fein, aber die Sache möchte doch geheim gehalten werden; das französische Eonsulat habe ihm Empfehlungsbriefe mitgegeben, aber dieselben seien ihm bei der Ueberfahrt über den Jordan (der notabene zwei mal so groß ist als die Leine bei Göttingen) ins Wasser gefallen Der Kaimakam schöpfte mit Recht Verdacht, und wandte sich an Bechnam, den dortigen protestantischen Katechisten, einen ganz zuverlässigen Mann, den Referent persönlich kennt. Kurz, Bechnam erhielt eine Soldatenescorte, um sich den Stein anzusehen; aber als er in die Gegend von Um-er-resas kam, wollte der betreffende Beduine (wohl vom Advanstamm) das Vorhandensein der Inschrift läugnen; als dies nichts half, behauptete er: der Stein sei einige Stunden weit entfernt. Darauf wurde ein Beduine mit Papier ausgefchickt, um einen Abklatsch zu holen. Bechnam aber merkte, daß dieser edle Wüstensohn zuerst in der Weiberabtheilung seines Zeltes verschwand, dann erst fortritt, und nach einigen Stunden den Abklatsch machte. Der Stein war da, aber nun ließ ihn der Kaimakam dem Beduinen einfach confisciren; der Pascha von Raptus jedoch legte seinerseits, als er davon hörte, Beschlag auf das Eigenthum seines Untergebenen, und in Raptus soll sich der Stein noch heute befinden; nur berichten Leute, welche ihn dort gesehen haben: daß die darauf befindlichen Zeichen nicht mit dem von Bechnam gebrachten Abklatsch stimmten, so daß wahrscheinlich dem Pascha ein anderer Stein unterschoben worden ist. Eine erste und eine nach Bechnam revidirte Copie der Inschrift ist aber schon viel zuverlässiger als das bisher Veröffentlichte; doch hatte Levy, wie er mir kurz vor seinem Tode schrieb, von Palmer Aussicht auf einen authentischen Abklatsch erhalten. Run aber das interessanteste: bald darauf zeigte der Händler Shapira in Jerusalem einen ähnlichen Stein, der ihm durch einen Beduinen aus Medba, einem von Umm-er-resas ziemlich entfernten Orte, gebracht worden sein sollte; einen Abklatsch wollte er nicht nehmen lassen, da er über den Verkauf des Steins in Unterhandlung stehe, doch erhielt sck eine Copie; auf derselben hat Shapira, ein getaufter Jude, den einzelnen nabatäischen Zeichen hebräische übergeschrieben; wenn wir uns diese Probe seiner kostbaren 'Gelehrsamkeit zmammensetzen, erhalten wir hebräisch die in den Zeitungen in Umlauf gesetzte Deutung der angeblichen Mosesstele: „We drove them away, the people of Ar Moab at the Marsh ground; there thay made a thankoffering to Q-od their King, and Jeshurun rejoiced as also Moses their leader.“ Halten wir aber die Copien der Um-er-resas und der Shapiraschen Inschrift neben einander, so ergibt sich auf den ersten Blick, daß die beiden identisch find! Levy deutet die Zeichen unzweifelhaft richtig: „Dieses Denkmal machte Malchu, Sohn des Hareisu, der Stratege; dieses machte dem Ba - Jameru, dem Strategen, sein Bruder . . . In Shapira's Copie sind nur einige Buchstaben anders geformt, verbundeu oder getrennt. Shapira hat wahrscheinlich von sinaitischen Charakteren (nachchristlich) etwas läuten hören, und dieselben nun. in Verbindung mit Mose gebracht. Ist er nun der Betrogene oder der Betrüger: nach dem Mangel aller epigraphischen Kenntnisse, die erzeigt, vermachen wir zunächst das erftere. Aber das echte Monument enthält vier Zerlen, und auf einer fünften nur einige undeutliche Zeichen; Shapira's Copie enthält die nämlichen Zeichen auf sechs Zeilen vertheilt, und nun kommt Sir Henry Lumley in der „Times" und berichtet: er habe den Stein mit sechs Zeilen bei Shapira gesehen! Wenn nian diese Widersprüche nun etwa noch als aus Mißverständnissen entsprungen ansehen möchte, so liegen doch andere allzu gewichtige Judicien vor, daß Shapira nach dem vorhandenen Monument ein neues fabricirt bat. Vor kurzer Zeit nämlich hat Ganneau bei der großen Omar-Moschee in Jerusalem eine höchst interessante Stelle gefunden, deren griechische Aufschrift merkwürdig mit der Beschreibung des Josephus übereinstimmt; sie enthält mit seinen Worten beinahe übereinstimmend das Verbot, wonach Richt-Juden das Betteten des Tempelborhofes der Israeliten untersagt war. Das Monument ist echt; aber bald darauf vernahm man: es sei ein ähnlicher Stein an derselben Stelle gefunden worden, uud sei nun im Besitze Shapira's; doch wollte er auch davon wegen Unterhandlungen über den Verkauf keinen Abklatsch nehmen lassen; es wird berichtet; der Stein sei kleiner, und zeige von deur echten abweichende Charaktere. Roch viel verdächtiger aber ist ein dritter Stein im Besitze -esselbell Mannes, und zwar sollen die Schriftzeichen mit denen des Meschasteines identisch 'ein; sein Inhalt aber soll Psalm 72 sein, mit dem 'Schluß: „Höre Gorr, die Stimme meines Gebetes." Das Monument ist •2i/2 Fuß lang, l12 Fuß breit, 8 Zoll dick und enthält 86 Zeichen auf vier Zeilen; der Beduine, welcher ihn brachte , bade 'ich dumm gestellt und auch über den Fundeort nichts sagen wollen. Die Schrift soll gut erhalten fein, aber der Stein, wird mir berichtet, habe eine Zeitlang in tauaenartigem Schmutz gelegen; bereits redet mau auf dem sonst strenggläubigen Boden Jerusalenrs stark davon, daß er gefälscht sei. Aus dem Dargelegteu. bleibt mir nun kein Zweifel