Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1872)
- Date
- 1872-04-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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303 z. B. die Opferung durch Elijahu auf dem Berge Karmel, die gesetzlich unstatthaft, aber durch Zeit und Umstände geboten war, und daraus will Herr Stein das Recht zu einer Verstümmelung, ja zu einer Vernichtung des jüdischen Religionsgesetzes herleiten? Cr will „accordiren, einen Procentsatz aus der Fallitmasse des religiösen Lebens retten"!! Nehmen wir Act davon, daß Herr Stein sich und seine Gesinnungsgenossen für bankerott erklärt. Herr Stein will auch gegen die orthodoxe Minderheit mit Schonung und Rücksicht verfahren — wie gnädig!! „Dafür," sagt er, „bürge sein . . . nun, sein Charakter (?!), seine Gewissenhaftigkeit!!!" „Cr sei ja Jehudi belef (sic!), seine Vertretung des Judenthums nach Außen ein Kiddusch Haschem!" Herr Stein scheint seine Festrede bei der Synagogenweihe in Frankfurt und noch viele andere Dinge total vergessen zu haben. Schließlich warnt Herr Stein die Nürnberger vor den Halben, und da stimmen wir vollkommen mit ihm überein. Ja, es wäre trotz Allem und Allem der israel. Gemeinde zu Nürnberg auf's Ernsteste zu rathen, den aus der Frankfurter Reformsynagoge „verrückten" Stein für ihre Synagoge zu acquiriren, damit cs ihm gelinge, aller Welt zu zeigen, daß die sogenannte Reform i nnerlich und äußerlich, religiös und sittlich vollständig verkommen, daß sie total bankerott ist. Vielleicht findet dann in Nürnberg ein orthodores Minjan den Math und die Energie, sich gesondert zu constituiren und einen Mittelpunkt zu bilden für alle eckten und wahrhaft jüdischen Bestrebungen. Orthodoxe Separatgemcinden haben da, wo „die Halben" die Rabbinatssitze inne haben, viel mehr Schwierigkeiten zu überwinden, als da, „wo Steine reden". Und doch liegt in Städten wie Nürnberg nur in solchen Separat-Gemeinden die Hoffnung, die Rettung des Judenthums. pyin , darum wäre es gut und wünschenSwerth, daß Stein berufen würde, der selbst eine lebendige, immerwährende Mahnung wäre, dessen Anwesenheit Allen stets den Ruf ergehen ließe: i^nan, „trennt Euch!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. In einer Ihrer jüngsten Nummern brachten Cie einen Bericht über den hiesigen „Verein zur Unterstützung hilfsbedürf:iger jüdischer Studirender". Es hat mich und mit mir viele Gesinnungsgenossen gefreut^ daß der „Israelit", obwohl ein Parteiorgan für die Interessen der jüdischen Orthodoxie, der Förderung edler, gemeinnütziger Bestrebungen auch dann ein warmes Wort der Anerkennung zollt, wenn diese selbst von den Antipoden seiner religiösen Anschauung ausgehen. Unter solchen Umständen halte ich es für meine doppelte Pflicht, jene Mitteilung durch folgenden Zusatz zu ergänzen. Die „jüdische Presse" bemerkt nämlich zu einem dem hiesigen „Tageblatt" entnommenen, sehr schön gehaltenen diesbezüglichen Bericht: „— übrigens ist das derselbe Verein, in dem ein großer Theil der Mitglieder orthodox ist, während Schüler des Dr. Hildesheimer, sie mögen noch so fleißige und würdige Studenten sein, wenn auch nicht principiell, doch aber 6s kacto nicht unterstützt werden. Wenn diese Nachricht wahr ist, so ist es Pflicht aller Derjenigen, welche im Dienste der Humanität und des Fortschritts jeden Terrorismus bekämpfen, die öffentliche Meinung auf dieses ..humane" Gebühren aufmerksam' zu machen. Diese Herren stehen an der Spitze eines Vereins, der statutengemäß unbemittelten jüdischen Studirenden, ohne jegliche Rücksicht auf ihre religiöse Richtung, Unterstützung gewähren soll und lassen trotzdem ihre religiösen Bestrebungen vorwalten. Und doch ist „ Hunianität" das erste und letzte Wort dieser Großinquisitoren der Neologie, wohl wissend, welche Sicherheit ein solcher Deckmantel jedem noch so tendenziösen Treiben gewährt. Aber ein redliches Auge durchschaut die hurnane Maske, welche diese toleranten Herren so gerne tsich aufzustülpen bemüht sind. Wollten doch diese Großpächter der „Humaniät" bedenken, daß, wenn sie nicht einmal im eigenen Kreise den ersten Forderungen der Toleranz gerecht werden, es ihnen noch viel weniger Ernst damit sein kann, durch Ausmerzung des Wörtchens „jüdisch" aus dem Titel des Vereins denselben sogar nichtjüdischen Studirenden zu öffnen. Diese Tbatsache muß jedoch noch von einem andern Gesichtspunkte aufgefaßt werden. Gerade die Förderung humanitärer Zwecke war bis jetzt bei allen religiösen Spaltungen im Judenthume der gemeinsame Boden, auf dem wir uns immer noch die entfremdete Bruderhand reichen konnten. Wenn auch dieses Band sich lösen sollte, so wissen wir uns von jeder Verantwortlichkeit frei; sie fällt auf diejenigen zurück, die alle Trennungen in Wirklichkeit provocirt und ihre zerstörende Hand auch an diese letzte Fahne legen, die uns noch brüderlich verbindet. Hamburg. Der Verein „Mekor Chajim", seit fast 10 Jahren in unserer Gemeinde bestehend, hat es sich zur Aufgabe gestellt, jungen Leuten nach dem Verlassen der Schule die Gelegenheit zum selbstthätigen gemeinschaftlichen Thorastudium zu bieten. Zn diesem Zwecke versammeln sich die Mitglieder in der Woche zweimal in den Abendstunden von8>/2—10 Uhr, und stehen diese Lehrstunden unter specieller und bewährter Leitung des Herrn vr. P. Nathan.