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Der Israelit · 1872-03-27 · Heft 13 (27.3.1872) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 13 (27.3.1872)
Date
1872-03-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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291 schaffen, die speziell „bei uns" in Judengcstalt auftreten. Köstlicher Plan! meinten entzückt die Einen; deliciös! jauchzten in Extase die Andern. Die Juden an einem einzigen Tage, in einer Stunde vielleicht, und allerorts im geliebten Vatcrlande mit Kind und Kegel auszurotten, das wäre zu verlockend, als daß ein edles Rumänenherz dem widerstehen könnte. Im Geiste sahen sie sich bereits als die rechtmäßigen Qi) Herren des jüdischen Vermögens und ordneten nach allen Regeln der Arithmetik, wie die Vertheilung vorgenommen werden sollte. Sogar an einem Bankette hat cs nicht gefehlt, und „*e traiasca!“ (es lebt*!) „Hoch das judenfreie, blutegelgesäuberte Rumänien!" erscholl es bei Becherklang. Nichts natürlicher, als daß der Wein die Zungen löste und die Anführer waren entlarvt. Es sind dies Herr Czopof und Tolczanof, Ersterer Bürgermeister Ismails und Letzterer einstiger Bürgermeister, dermalen Getreidehändler, beide bulgarischen Ursprungs. Schon erzählte man sich von allerlei Strafen, die diesem sauberen Pärchen bevorständen; man flüsterte sich zu: eine mehrjährige Kerkerhaft sei gewiß, ja Guteingewechte wollten sogar eine Bemerkung des Kommiffionsvorstandcs aufgeschnappt haben, wornach die Transportation der beiden Komplicen zur Zwangsarbeit in das Salincnbergwerk Okna, ein fait accompli wäre. Bis dahin wäre Alles seinen geraden Weg gegangen, doch — die Kommission denkt und das Geld lenkt. Diesmal hat sich leider wiederum die Bestechlichkeit unserer subalternen Beamten bewährt, nach deren Auffassung das Geld keine Chimäre ist. Die Kommission hat aus dem Beutel des Herrn Czopof und Konsorten 1500 Dukaten eingesteckt und die ganze Affaire vertuscht. Zwar ist der Rabbiner sowohl, als auch der Ihnen seinerzeit namhaft gemachte Kaufmann, Herr Goldschläger, befreit worden, jedoch lediglich nur ans Generosität der Kommission (sie), wie man betont. Herr Czopof hat im Bunde mit dem Jsmailcr Distriktspräfekten gegen diese gesetzwidrige (!) Freisprechung Protest erhoben, doch hoffentlich ohne Erfolg, denn was einmal eine Kommission bei uns aus redlich erkaufter Ueberzeugung thut , ist unumstößlich. Herr G. wurde verwiesen, seine Ersatzansprüche in Bukarest geltend zu machen, doch bis dahin hat es noch seine sehr weiten Wege. Diesem höchst anständigen Kausmanne wurden im Gefängnisse Haupt- und Barthaare bis auf die Haut abrasirt; zu welchem Behufes Ich glaube, die Herren Rumänen wissen es selbst nicht. Einem gebildeten Menschen kann der Zweck dieses Vorgehens nicht einleuchten; eine Strafe ist dies nicht, eine Schande noch viel weniger; es wäre denn ein Attenj tat aus die Lachmuskeln der civilisirten Welt. Dieser Zweck ist erreicht, denn im Sichlächerlichmachen haben die Rumänin seit jeher Bedeutendes geleistet. Soweit mein Gewährsmann. Weitere Bemerkungen an das Meritorische dieses Gegenstandes knüpfen, hieße Eulen nach Athen tragen. Soviel ersehen Sie daraus, daß Ihr Berichterstatter — wie Figura zeigt — keineswegs fchlgegriffeu hat, wenn er der besprochenen Untersuchung ein ähnliches Resultat wie ihre unzähligen Vorgängerinnen prophczeihte. Bukarest, 14. März. In den Organen der Opposition wird fortwährend gegen die Israeliten gehetzt. Der Zweck dieser Artikel ist offenbar der, den Pöbel zur Wiederholling der Jsnlailer, Cahuler und Vulcoöer Scencn in den herannahendenOstcrseiertagen arifzustachetn. Wenn nicht sofortige Maßregel ergriffen werden, um das Volk in Bezug auf die wahren Thatsachen in Bessarabien aufzuklärcn, so fatttt man sich der Befürchtung nicht erwehren, daß in den kommenden Feiertagen Ausstandsverfllche gemacht werden dürften. Ein ferneres Zögern der Regierung die wahre Geschichte der Emeute bekannt zu geben und etwaigen Wiederholungen jener schrecklichen Scenen vorzubeugen, würde nicht verfehlen die traurigsten Folgen nach sich zu ziehen, Folgen, für welche die Regierung die ganze Verantwortung zu tragen haben würde. 'Es ist delnnach die Pflicht der Regierung und liegt inr Interesse der Nation, im Interesse ihrer Ehre und ihres guten Rufes, die Entladung des heranziehenden Gewitters auf entsprechende Weise abzuleiten. Der Moniteur und die der Regierung freundlichen Organe, sollten sofort den wahren Tatbestand zur allgemeinen Kenntiß bringen und somit die jüdischen Gemeinden von jeder Mitschuld bei dem in der Jsmailcr Kirche begangenen Frevel frcisprechen. (Rum. Post.) Ismail, 10. März. Unsere Angelegenheit hat seit der Abfahrt des General-Procurators keine wesentlichen Umgestaltungeil erlitten. Es ist traurig, daß die Regierung bis ilun noch die nöthigeu Maßregeln nicht ergriffen hat, den armen beraubten Israeliten ihre frühere Position wieder zu geben und dieselben vor »eiteren Raubanfällen zu schützen. Die Ruhestörer werden durch den unveränderten Stand der Dinge immer dreister und es liegt Grund genug vor, neue Hetzen zu befürchten. Hin und wieder kommen noch Schlägereien vor, weshalb diejenigen Israeliten, welche in den Vorstädten, oder außerhalb derselben wohnten, sich jetzt noch nicht entschließen können , ihre verlassenen Wohnungen aufzusuchen. Die meisten Obdachlosen irren irr derr Straßen umher, und sind gezwungen ihre Glaubensbrüder um ein Unterkommen anzusprechen. Das Elend ist geradezu im Wachsen, auch sind die Ostertage im Herannahen und wenn der zweifelhaften Lage, in welcher sich die Israeliten hier befinden, nicht bald ein Ende gemacht wird, so werden viele dem Hungertode erliegen müssen — wenn nicht einem neuen Ausbruch der Volkswuth.

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