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Der Israelit · 1872-03-27 · Heft 13 (27.3.1872) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 13 (27.3.1872)
Date
1872-03-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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sso die Grenzen feines Vaterlandes rühmlichst Herrn Emil Lehmann einige Schmeicheleien zu sagen. Wenn Sie, verehrter Herr Redacteur, genannten Herrn Rabbiner des Herzogthums Sachsen - Meiningen nicht kennen, so wissen Sie wahrlich nicht, welch hochgebildeten Mannes Bekanntschaft Sie entbehren müssen!! Ein solcher muß der Herr Rabbiner wohl sein, denn er gehört ja zu den Erzreformatoren, zu den „aufgeklärten", „modernen" Juden und scheint iiberdies ein recht tüchtiger Hebräer zu sein, denn er übersetzt nn jnipn wörtlich „der Geist der Geschichte". Aber dieser hoch- und ehrwürdige Herr Rabbiner paßt vollständig zu seiner „aufblühenden, reformirten" Gemeinde. 3-ny to. Es ist wirklich ein erhebender Anblick, diesen ehrenwerthen Rabbiner am Nachmittag in der Mitte der Synagogen - Vorsteher, welche brennende Cigarren dampfen, spazieren gehen zu sehen, und der Herr Rabbiner selbst scheint dieses nroderne Sabbatvergnugen vielleicht nur deßhalb zu unterlassen, weil er zu den „Nichtrauchenden" gehört. Aus ElsaH - Lothringen. Die Consistorialfrage ruht seit einiger Zeit. Der Saarburger Correspondent, der eine sehr geachtete höhere staatliche Stellung einninnnt, hat es nicht für angemessen gefunden, auf die in unwürdiger Weise gegebene Antwort des Straßburger Anwalts des Consistorialsystems zu erwidern, um so weniger, als durch die Kündigung des Concordats von Seiten des Straßburger Bischofs die Stellung der religiösen Körperschaften zum Staate durch ein Gesetz geregelt werden muß, das wahrscheinlich von der Grundlage der Trcnmrng von Kirche und Staat ausgehen wird. Der Saarburger Correspondent ist weder für Orthodoxie noch für Reform eingetreten, sondern verlangte in der Annahme, daß die hierarchischen Oberhäupter sich bald zu der einen bald zu der andern Richtung bekennen dürften, die Rückgabe der Selbstbestimmung in religiösen Dingen an die Gemeinden, ohne daß dadurch die staatliche Stellung der Cultusbeamten leiden sollte. Diese Ansicht hat sogar die Billigung eines Theiles der jud. Presse Frankreichs gefunden, hat die weitaus große Majorität der Israeliten in Elsaß-Lothringen hinter sich und hat daher den Nagel auf den Kopf getroffen. Daher das Schimpfen einiger Herren, die zu verlieren fürchten. Ihre Notiz aus Elsaß - Lothringen vom 8. März, die mit den Worten schließt: „Ich schreibe nichts für die Juden!" ist als ein vereinzelter Fall durchaus nicht maßgebend. Es wurden zu Verwaltungsbeamten Persönlichkeiten unt „weitem Blick" so weit als möglich gewählt. Daß auch ein dummer und roher Subalternbeamtet mit unterlief, darf nicht Wunder nehmen, da sie aus den alten engherzigen Verhältnissen genommen werden mußten und nicht Jeder im Stande ist, alte Anschau¬ „weit über bekannten" ungeil so schnell abzustreifen, auch ein neuer Verwaltuttgsapparat nicht über Nacht geschaffen werden kann. Im Ganzen darf die politische, und was eben so viel Werth ist, die sociale Stellung der Israeliten vollständig befriedigen. Dr. Korn, der jetzt definitiv zum ersten Lehrer am Collegium zu Saarburg ernannt ist, wurde neben dem Kreisdirector Freiherrn v. Fr. und Rittmeister v. G. in den Vorstand des Casiuo's und zum Vorsitzenden der landwirthschaftlichen Commission zum Entwürfe der Statuten gewählt. An den höheren Lehranstalten wird überall, wo israel. Schüler sind, neben den christl. auch ein israel. Religionslehrer angestellt. Die Anstalten sind confessionslos in dem Sinne, daß der Staat Lehrer jeder Confession und Religionslehrer für alle Confessionen anstellt, es aber Jedem freistettt, ob er an dem Religionsunterrichte Theil nehmen will. Im Collegium zu Saarburg hat sich die Zahl der isr. Schüler von 2 auf 7 m\b mit den Anmeldungen, die bereits für das Sommersemester vorliegen, auf 15 vennehrt; ein sehr günstiger Procentsatz -.im Verhältnis zur Gesammtzahl. Sie erhalten wöchentlich 3 Stunden un Hebräischen und in Religion. Auch an andern Collegien mehrt sich die Zahl der isr. Schüler. Italien. Rom. Die Rabbinercommission erläßt einen Aufruf „an die Brüder in Italien" zu Gunsten des Talmud-Thora-Jnstituts in Rom, der zahlreichsten Gemeinde des Königreichs und der ältesten des Occidents. (Corr. isr.) Rumänien. Bottuscharr, 5. März. Dem „Wiener Fremdenblatt" wird von hi-r geschrieben: Die Erzählung eines glaubwürdigen Augenzeugen ermöglicht es mir, Ihnen als Epilog zu den Jsmailer Judenhetzen Folgendes bekannt zu geben: Acht Tage nach Ausbruch der Emeute erschien in Ismail in aller Stille und ganz unenvartet eine aus drei Personen bestehende, von Seiten des Justizministeriums delegirte Kommission, um den Sachverhalt aufzunehmen und den Urhebern auf die Spur zu kommen. Anfangs schienen die Herren die Sache ganz ernst aufzufassen. Sie ließen sich bei den ihnen als die Haupträdelsführer Bezeichneten einführen, gerirten sich als reisende Agenten eines in Bukarest tagenden Verschwörungsclubbs und sagten, sie bereisen nur zu dem Zwecke die ansehnlichsten Provinzstädte, um das Ganze zu organisiren und dann sollten, an einem von Bukarest aus näher zu bestimmenden Tage, auf gewisse vereinbarte Signale, die Judenhetzen in allen vaterländischen Gauen beginnen, um sich endlich dieser Landplage zu entledigen und sich diese Heuschrecken vom Halse zu

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