Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1872)
- Date
- 1872-03-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XltI.Zahrgang. Erste Beilage za Rr. 13 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Württemberg. Unterm 4. März ist eilte Note des Finanzministeriums an das Präsidium der Kammer der Abgeordneten ergangen, betreffend eine Exigenz aus der Restverwaltung zu Erhöhung des Zuschusses zu der isr. Centralkirchenkasse. Es ist dies eine Folge der von Lehrer Löwenstein im Allstrag des Lehrerausschusses verfaßten und in Begleitung etlicher Collegen dem Cultminister v. Geßler in Audienz überreichten Eingabe der isr. Lehrer und Vorsänger des Landes und ein Beweis, wie in Württemberg die Synagoge und ihre Diener in formeller und materieller Hillsicht der Kirche uud ihren Geistlichen gleich behandelt werden. Betreffs der Schule und ihrer Lehrer ist ohnehin kein Unterschied. Vor etlichen Wocheil haben die Stände!»600 fl. Beitrag zur isr. Centralkircheukasse pr. Jahr bewilligt. Jetzt wird dieser um 1800 fl. erhöht, um auf die Petition der Rabbincn die Gehalte der 12 vorhandenen Rabbinatsstellen, welche »ich zur Zeit, einschließlich der Persoilalzulagen, zwischen 1200 fl. und 750 fl. bewegen, je um 100 fl. erhöhen zu können. (Außerdem können die Rabbinen schon bisher zu einer Alterszulage von 50 fl. resp. 100 fl. gelangen.) Jn Betreff der Vorsänger beantragt die Oberkirchenbehörde: a) die Mindestgehalte der definitiven Vorsängerstellcn von bisherigen 300 fl. um je 80 fl., b) die Gehalte der Vorsängeramtsverweser, bereu Minimalbetrag bisher in 225 fl. nebst ij2 Klafter Buchenholz bestand, um je 50 fl. zu erhöhen, c) die Alterszulagen der Vorsänger (bisher 25 fl. nach 8 definitiven Dieustjahren und 50 fl. nach 16 Dienstjahren) tu der Weise zu reguliren, daß jeder definitiv angcstellte Vorsänger, dessen fixer Gehalt, sei er bleibend mit der Stelle verbunden oder nur für die Person verwilligt, unter 800 fl. beträgt, 25 fl. nach zurückgelegtem 40. Lebensjahr, 50 fl. nach zurückgelegtem 50. Lebensjahr und 75 fl. nach zurückgelegtem 60. Lebensjahr aus der Centralkirchenkasse erhält. Minderbemittelte Kirchengemeinden werden zur Herstellung der neuen Gehalte der Vorsänger 'and Amtsverweser aus der Centralkasse unterstützt. Hiebst und für die Alterszulagen sind 700 fl. berechnet. Außerdem sind an Alterszulagen für israel. Confes- Uonsschullehrer weitere 330 fl. aufzubringen, die bisher 550 fl. betrugen und für Erhöhung der Gehalte dieser Lehrer, resp. für Unterstützung der kleinsten und unbemitteltsten Gemeinden, 670 fl. Unterstützungsbeiträge > exigirt. Der Mehraufwand der isr. Centralkasse, einschließlich der Gehaltserhöhimg auch für einzelne B e- I amte der Oberkirchenbehörde stellt sich so auf mehr als 3000 fl., zu dessen Deckung, ungeachtet ihrer neuerdings nicht ungünstigen Rechnungsergebnisse, dieselbe ohne Schmälerung ihres Grundstocks nur theilweise im Stande sein würde. Deßhalb wurde gebeten, die Erigenz um 1200 fl. zu erhöhen, was die Regierung genehmigt hat und den Ständen zur Aiiiiahme empfiehlt. Da der neue Aufwand erst mit dem 1. Jan. 1872 beginnen soll, so wurde pr. 1871/72 nur 600 fl. und p. 1872/73 dagegen die volle Summe von 1200 fl. aufgenommeli. Möchte dieses Beispiel im deutschen Reiche Nachahmung flnden und insbesondere in Preußen nicht unbeachtet bleiben! Meiningen, 30. Adar I. Sie haben in Ihrem geschätzten Blatte selten Etwas vom Herzogthum Sachsen-Meiningen berichtet und Sie haben recht daran gethau, denn es gibt von demselben leider nichts Erfreuliches mitzutheilen. Mit nachfolgenden Zeilen will ich es versuchen, Ihnen ein kleines Bild unseres Gemeindelebcns zu geben. Gestern, als am 'd rate», benutzte unser Rabbiner, Herr Dreyfuß, die Gelegenheit, um die Gemeinde zu einer Saunnlung für unsere unglücklichen Glaubensgenossen in Persien zu veranlassen. Um seiner Gemeinde einen Grund mehr zu dieser Sammlung zu geben, schloß er mit den Worten, er bitte die aufblühende, rcformirte Gememde von Meiningen, diese Saunnlung nicht mit der für die armen Juden in pN, welche nur von den „Orthodoxen" und „Alten" unterstützt werden, zu verwechseln, diese (die persischen) Juden werden zum größten Theil nur*) von den reformirten Gemeinden unterstützt. Schließlich wußte er nicht besser die Noth unserer Glaubensgenossen zu schildern, als ein Zeitungsblatt (ich glaube, er betitelte es das Synodalblatt) hervorzuziehen und ein Gedicht von Emil Lehmann vorzulesen, wobei er nicht unterlassen konnte, seinem „persönlichen Freunde", dem Vorsteher der „chrenwerthen" Gemeinde Dresden, dem *) Anm. der Red.: Die Hauptsammler für die pers. Notleidenden sind bekanntlich Herr Distr. - Rabbiner Bamberger in Würzburg, Rabbiner Dr. Hildesheimer in Berlin, die Redact. des „Isr." und des „Hamag.", Herr Oben. Stern in Hamburg, Herr Bez.-Rabbiner Tr. Salvendi in Dürkheim rc. rc. Hat etwa auch nur ein Reformrabbiner in Deutschland eine Sammlung veranstaltet, die mit den Tausenden der genannten Sammlungen den entferntesten Vergleich aushalten? So entstellen di« Resormapostel die Wahrheit!