Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1872)
- Date
- 1872-03-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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888 Wohl der Untertanen, so daß das Volk ihre Verwaltung segnete, und verwendeten ihre reichen Einkünfte zur Pflege und zum Ausbaue der jüd. Wissenschaft. Dichter, Grammatiker, Talmudisten berief Rabbi Samuel nach Malaga, gab ihnen und ihren Familien Kost, Kleidung, Wohnung, damit sie der Pflege der jüdischen Wissenschaft ungestört obliegen könnten, baute Synagogen und Lehrhäuser, so daß seine Zeit der Blüthepunkt der spanisch-jüdischen Literatur-Epoche wurde. Du aber, was hast Du für Juden und Judenthum gethan? Du läßt keinen Juden zu Dir gelangen, und hast noch nicht einmal daran gedacht, die schmählichsten Ausnahmsgesetze gegen Dein eigenes Volk aufzuheben."" „Glaube mir, Oheim, ich hätte das gern gethan; aber ich konnte, ich durfte es nicht." „„Warum konntest, warum durftest Du es nicht? Du schweigst? Wohlan, ich will es Dir sagen! Du konntest nicht für Deine Stammesgenossen önrfcn, weil Du nichts im Auge Haft als Deine eigenen, kleinlichen, selbstsüchtigen Interessen, weil Du kein anderes Streben hast als in Saus und Braus zu leben, Schätze zu häufen, Güter zu erwerben; weil in diesem Streben die Sorge für Deine Brüder Dich gehindert hätte. O, jene Männer, die Mordechai, die Chisdai, die Samuel — sie waren nicht die Blutsauger der von ihnen beherrschten Völker, sie wurden ihre Wohlthäter; sie machten, daß der jüdische Name gesegnet und nicht verflucht wurde; sie heiligten den Namen Gottes auf Erden, und da der jüdische Name gesegnet wurde durch sie, so ward es ihnen leicht, für ihre Glaubensgenossen zu sorgen, sie zu befreien und zu beglücken, für die Hebung der jüdischen Wissenschaft zu arbeiten, jüdische Dichter und Gelehrte nach ihren Wohnorten zu berufen. Du aber entweihst den Namen des Allerhöchsten durch Dein Thun und Treiben, durch Raub und Erpressung, durch Steuerdruck und Gewaltthat. Du machst den jüdischen Namen zum Fluch und nach hundert Jahren werden die Feinde unseres Volkes auf Dein schmachbeladenes Andenken Hinweisen und sprechen: Seht, also benimmt sich der Jude, wenn er zur Herrschaft gelaugt."" ^)heim, Du gehst hart mit mir in's Gericht! Du hast Worte zu mir gesprochen, die mich tief verletzen und die kein Anderer zu mir reden dürste. Du mußt mich doch nicht für so schlecht halten, wie Deine Rede mich schildert, da Du es wagst, mit mir, der die Macht hat zu verderben und zu vernichten, so zu sprechen und meinen Zorn zu reizen!" ,,„O, mein Neffe, einziger Cohn meiner einzigen Schwester! Verlange ich etwas für mich von Dir, oder bin ich hierhergekommen, um Dich zu kränken? Nein, warnen will ich Dich und Dich hinwegzichen von dem Wege des Verderbens zu Deinem eigenen Heile!"" „Und weil ich das weiß, mein Oheim, deßhalb zürne ich Dir nicht, deßhalb will ich mich vertheidigen vor Dir und mich rechtfertigen. Jahre lang habe ich für das Ziel gearbeitet und mich bemüht, das ich mit dem Regierungsantritte des Prinzen erreicht habe. Es war mein fester Wille, das Land gut zu verwalten, seine tinanzen zu ordnen und seinen Wohlstand zu befördern. ber diese guten Vorsätze scheiterten einerseits an der Laune und dem Eigensinne des Herzogs, andererseits an dem Mißtrauen, dem Haß, dem Vourtheile, mit denen mir die Stände und die Geistlichkeit des Landes entgegentraten. Glaube mir, mein Oheim, wenn ich gerecht wie David und weise wie Salomo regiert hätte, siehättten dennoch den Juden verwünscht und verflucht. Meine einzige Stütze ist die Gunst des Herzogs. Dieser verlangt Geld und Geld und wieder Geld; ich habe alle seine Schulden auf einmal tilgen müssen. Woher hätte ich das Geld nehmen sollen, wenn nicht aus den Einkünften des Landes, und da diese nickt genügten, so mußte ich sie vermehren durch allerlei neue Steuern und durch Schaffung von Monopolen. Und nun verlangt der Herzog stets auf's Neue Geld für seine kostspieligen Vergnügungen, für seine Opern und Maskenscherze, für seine Sänger und Sängerinnen, für seine Tänzer und Tänzerinnen. Und wenn ich es wage, ihm Vorstellungen zu machen, so geräth er in unbändigen Zorn, bedroht mich mit seinem Stocke, mit Festung und Zuchthaus! Was soll ich thun? Wenn ich in Ungnade fiele, ich wäre verloren. Meines Vermögens beraubt, könnte ich den Rest meiner Tage auf dem Hohen- Asperg zubringen, denn meine Feinde sind zahlreich wie der Sand am Meer. So muß ich auf dem einmal eiugeschlagencn Wege bleiben, muß dem Herzog Geld schaffen unter jeder Bedingung, durch jedwedes Mittel. Und. soll ich dabei leer ausgehen? Brauche ich nicht auch Geld, um meine Freunde und Anhänger zu belohnen? Und trage ich irgendwelche Verantwortlichkeit für Alles, was ich thue? Hat es nicht der Herzog im Voraus gebilligt?" „„Meinst Du, daß das Dir zur Rechtfertigung gereichen wird? Schlimm ist ein böser Fürst, schlimmer noch sind die Werkzeuge, durch die er Verderben bereitet."" „Bleibe einige Tage bei mir, mein Oheim! Ich werde für erlaubte Kost Sorge tragen. Bleibe hier und überzeuge Dich, daß ich nicht anders handeln kann, wie ich gehandelt habe und wie ich handele. Und mm erzähle mir von Dir und Deinem Leben daheim und von m-incr Base, der lieblichen Judith." t Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: i^r. Rebmann. — Versag der Le Rour'schen Hoibuchhandluna. I. Gotrsleden's Buchdruckerei in Mainz.