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Der Israelit · 1872-03-27 · Heft 13 (27.3.1872) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 13 (27.3.1872)
Date
1872-03-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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*$6 Gegenwart eines Christen verhindert, da der Familienväter nicht zu Hause war. Die Masken verlangten nun Geld und zwar für einen Eimer Bier. Frau und Kinder suchten ihre wenigen Kreuzer Kleingeld zusammen und gaben es den Masken, womit sie freilich nicht zufrieden gewesen; denn sie schlugen 13 Fensterscheiben ein und zwar mit einer solchen Gewalt, daß selbst die inwendigen Doppelfenster durchbrochen wurden. Die Masken stillen mit Steinen schon früher versehen gewesen sein. Der Jude hat viele kleine Kinder, welche bei der Ungezogenheit der Masken im Hause heulten und schrieen. Eines der Kinder liegt in Folge dessen krank darnieder. Kaum hatte der hiesige Polizei-Commissär von den Excessen der Masken gehört, so verfügte er sich in das Haus des Juden und überzeugte sich von dem verübten Muthwillen. Da man alle fünf Masken kennt, so soll an ihnen eine exemplarische Bestrafung vollzogen werden, was wohl alle Bürger umsomehr wünschen, je mehr die mißhandelte jüdische Familie durch ihre Bildung sich auszeichnete und daher die vollste Achtung genießt. Man glaubt allgemein, daß die fünf Masken durch Jemanden zur Mißhandlung dieser Familie angestiftet worden sind. Vielleicht ergibt sich dieses aus dem Verhöre der Delinquenten." So schreibt aus Kaaden Herr Karl Fischer, pensionirter Pfarrer. In Preßburg starb vor einigen Wochen Herr Abr. Jonas Schreiber, erster Vorstand der dortigen israelitischen Kultusgemeinde. Früher als Kaufnrann zeichnete sich der Dahingeschiedene, wie die „Pr. Ztg." vemerkt, durch musterhaftes, reelles Gebühren und späterhin während seiner mehrjährigen Wirksamkeit als Gemeindevorstand durch strenge Unparteilichkeit und seltene Herzensgüte aus, Eigenschaften, die ihm allenthalben ein gesegnetes Andenken sichern. n"3"s"j"n. Aus Neutra, 9. Januar wird uns geschrieben; Am 7. dieses Monats starb nach kurzer Krankheit Rabbi Markus Schönfcld, tief betrauert von der ganzen israelitischen Gemeinde unserer Stadt, im 70. Lebensjahre. Der Dahingeschiedene fungirte hier durch 36 Jahre als Vorsitzender des Rabbinats und war in ganz Ungarn als großerTalmudgelehrter bekannt. Mit dem Seligen erleidet die ganze Gegend einen herben Verlust, indem er fast allgemein als Friedensrichter gewählt wurde; und gelang es sehr oft seinen Vermittlungen , solche Streitende zu versöhnen, die mehrere Jahre bereits den Prozeßweg verfolgten. Neuhäusel. Man schreibt uns aus Nenhäusel: Ein Christenmädchen, das bei einem hiesigen jüdischen Kaufmann längere Zeit im Dienste stand, wurde plötzlich vermißt; da die dortigen Juden gerade eine Synagoge bauen, war die Kombinatioii bald gefunden, die Juden hätten das Mädchen erschlagen, weil ohne Christenblut gar keine Synagoge gebaut werden könne. Dies Gerücht ging unter der christlichen Bevölkerung von Mund zu Mund, der Pöbel fing bereits an, eine drohende Haltung anzunehmen und Schrecken verbreitete sich in der isr. Gemeinde. In dieser Bestürzung eilte der Dienstgeber des Mädchens zum Stadtpfarrer und bat ihn im Namen seiner Glaubensgenossen, er möge in der Kirche das Volk belehren, daß die Juden kein Christcnblut brauchen, um auf diese Weife argen Exzessen vorzubeugen. Gegen diese Zumuthung sträubte sich jedoch der Herr Pfarrer gewaltig, ja als der Kaufmann dem Pfarrer bemerkte, er werde ihn durch die Regierung dazu zwingen lassen, antwortete das Pfästlein; „dann werde ich sin der Predigt hinzufügen, daß mich die Regierung gezwungen hat, diese Aeußerung zu machen". Noch am selben Tage aber wurde das Mädchen, das in der bekannten Zuckerfabrik des benachbarten Ortes Schurany Unterkunft suchte, von Panduren herbeigebracht. Sofort wurde die Trommel gerührt, und wie ein Herold mußte das Mädchen derselben vorangehen und ausrufen; „Ich bin das Mädchen, welches die Juden erschlagen haben!!" Rumänien. Bukarest. Wir entnehmen dem regierungsfreundlichen Organe „Patria" folgende Notiz: Wie wir hören, ist Herr P. Angelescu zum Präfecten von Ismail ernannt worden. Wir beglückwünschen die Regierung ob dieser glücklichen Wahl und hoffen, daß Herr Angelescu den delicaten Umständen, in deren Mitte er tritt, sich wird anzubequemen wissen. Herr Angelescu hat ein großes Opfer für das Land gebracht, indem er sich entschloß mit Hintansetzung seiner Interessen, seiner Ruhe und seines Wohllebens Bukarest zu verlassen und sich für längere Zeit auf einen Posten zu begeben, der in Wahrheit ein schwieriger genannt werden muß. Es war übrigens.vorauszusetzen, daß Herr Angelescu, welcher stets opferwillig ist, auch dieses Opfer bringen werde. Wir unserseits hoffen zuversichtlich, daß es dem neuen Präfecten gelingen werde, die Ordnung in Ismail vollkommen herzustellen und zwar durch Mittel, welche das Jahrhundert, in welchem wir leben, vorschreibt. Feuilleton. Süß Oppenheimer. XIII. Rabbi Simchah hatte sich ans sein hartes Lager gesetzt; er verfiel in ein dumpfes Hinbrüten. Endlich

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