Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1872)
- Date
- 1872-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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283 jüdisch - europäischen Gemeinde-Bund zu gründen. Die Idee erscheint uns durchaus unausführbar. Will der Verfasser einen alle orthodoxe Juden umfassenden Verein gründen, so ist gar nicht einzusehen, warum er ihn auf Europa beschränken will. Jedenfalls stehen uns die Glaubens- und Gesinnungsgenossen Amerika's z. B. näher als die der Ukräne. Der Verf. übersieht ferner, daß es den russischen Juden politisch gar nicht gestattet ist, einer derartigen Vereinigung sich anzuschließen. Die orthodoxen Juden Hollands, Englands, Frankreichs, Italiens , der Türkei, Dänemarks, Schwedens fühlen das Bedürfniß nach einer derartigen Vereinigung nicht. In den österr. Landen existirt ein wohlgegliederter derartiger Verein in Ungarn, dem sich am Besten die der andern Reichshälfte anschliehen würden. Bleibt also für uns nur Deutschland und die Schweiz. Sollte aber ein namhafter Rabbiner aus Bayern es nicht wissen, daß an der Rcalisirung eines solchen Bundes für die genannten Länder seit Monaten unausgesetzt gearbeitet wird? PfT Mainz, 19. März. Wir haben heute wiederum an das Comite in London (Präsident Sir Moses Montestore) 101 1. st. 4 sh. (1201 fl. 30 kr.) zum Besten der nothleidenden Glaubensgenossen in Persien geschickt. Die Gesammtsumme der von uns für obigen Zweck gesammelten und übersandten Spenden beträgt nunmehr 13416 I st. 3 sh. 7 p. (inet. Auslagen 18,776 fl. 2 kr. oder circa 11,000 Thlr.) Babenhausen, 14. März. Vergangenen Sabbat 'd hatten wir einen rat? JJ-y, den wir seit vielen Decennien nicht mehr kannten. Herr vr. Marx aus Darmstadt, dessen Bezirke sich der hiesige Vorstand, längst erkennend, mit Dr. Formstecher in Offenbach, zu dessen Rabbinat (?) B. gehört, in keiner weiteren Verbindung zu stehen, als jährlich so und so viel an ihn bezahlen zu müssen, angeschlossen hat, predigte nämlich in der hiesigen Shnagoge. Der talentvolle Gelehrte wies in schwungvoller und begeisterter Rede auf die wahre Bedeutung des Judenthums hin und wie sich eine zeitgemäße Bildung vollkommen mit demselben verträgt; es aber nicht genügt zu sagen: ich bin Jude im Herzen, was allerdings sehr leicht und wohlfeil ist; man müsse Jude sein durch die That. Er betonte, wie wichtig der Friede' in der Gemeinde sei, aber nicht der Friede um jeden Preis, sondern nur derjenige, der auf Wahrheit beruht. Er warnte ferner vor der irrigen Richtung vieler Gemeinden, welche glauben, gute Juden zu sein, wenn sie luxuriöse Sunagogen bauen; also nur Glanz nach Außen entfalten, während der wahre innere Geist fehlt und gerade derartige Synagogen am wenigsten besucht und alle übrigen religiösen Institutionen solcher Gemeinden größtentheils vernachlässigt oder gar nicht beachtet sind. Herr Dr. Marx war n"a aber auch nicht vergebens hier, indem er hier einen guten Boden gefunden und alle redlich denkenden Gemeindemitglieder, auf welche dessen Auftreten und feurige Rede ihren Eindruck nicht verfehlten, ihn gerne als ihren geistigen Führer begrüßen. Sowohl die religiösen Institutionen als auch die Schule werden durch seinen Einfluß einen Umschwung zum Bessern nehmen, und so möge ihm der Allgütige die Kraft verleihen, weiter so segensreich zu wirken, wie er dies in der kurzen Zeit seiner Amtsthätigkeit begonnen und auch bereits ausgeführt hat. Den löblichen Vorständen der Provinz Starkenburg möchten wir aber noch den wohlmeinenden Rath ertheilcn, daß sie sich, sowie Herr vr. Formstecher sich nicht unr die Landgemeinden kümmert, auch weiter nicht um ihn kümmern und sich, wenn sie es mit ihren Gemeinden und ihren Kindern gut meinen, Herrn vr. Marx anschließen mögen. Die guten Früchte hievon werden sie bald erndten und immer höher schätzen lernen. (Unseres Wissens ist die Gemeinde Babenhausen die erste des Rabbinatsbezirks Offenbach, die sich den orthodoxen Gemeinden der Provinz Starkenburg angeschlosfen. Ehre und Anerkennung dem löbl. Vorstande zu B.! Mögen die andern Gemeinden dem hier gegebenen, guten Beispiele bald Nachfolgen! — Red.) Aus Württemberg, 19. März. Unter Bezugnahme auf unfern Bericht in Nr. 6 des „Israelit" d. I., betr. die Debatte der Kammer der Standesherren über die Petition der 2. Kammer um Zulassung der Christen- und Judenehe, haben wir nachzutragen, daß die Kammer der Abgeordneten in ihrer 76. Sitzung vom 15. März d. I. die Petition, welcher die 1. Kammer nicht beigetreten ist, „an die K. Staatsregierung die Bitte zu richten, zu gesetzlicher Einführung des Grundsatzes, daß die Religionsverschiederheit zwischen Christen und Nichtchristen kein bürgerliches Ehehinderniß bilden soll, die geeignete Einleitung zu treffen" — dem Antrag der Commission gemäß beschlossen hat, die Bitte einseitig der K. Staatsregierung vorzulegen, nachdem Hölder sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß die Bitte im ersten Haus nicht die Mehrheit gefunden, und gewarnt hatte, man möge es nicht dahin bringen, daß die Regelung dieser Verhältnisse von der Reichsgesetzgebung in dieHand genommen werde?! Aus Württemberg, 19. März. „Weiße Blasen sch' ich springen; wohl, die Massen sind im Fluß — Frisch, Gesellen! seid zur Hand, Von der Stirne heiß rinnen muh der Schweiß, soll das Werk den Meister loben, Doch der Segen kommt von oben." So rufen wir allen Denen zu, die ein Interesse daran haben, die langersehnte Revision der isr. Kirchenverfassung endlich zur Wahrheit werden zu sehen, so rufen wir namentlich den Delegirten zu, die durch ihr