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Der Israelit · 1872-03-20 · Heft 12 (20.3.1872) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 12 (20.3.1872)
Date
1872-03-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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371 Oester r. -Ungarische Monarchie. Aus Krakau wird der „Neuen freien Presse" geschrieben: Der Lrmberger Landesschulrath hatte eine Jüdin zur Lehrerin an der Krakauer Mädchenschule des Andreas-Klosters ernannt. Der Krakauer Bürgermeister hat das Ernennungsschreiben der Jüdin unterzeichnet, und mit diesem Decret in der Hand begab sich die angestellte jüdische Lehrerin zum Director der Mädchenschule. Aber der Director ist ein Geistlicher. Er wollte von dieser Ernennung des Landesschulraths nichts wissen und machte die Ausrede, daß schon alle Lehrerstellen besetzt sind, und die mit „Decret" angestellte Jüdin . mußte wirklich diesem Judenhaß weichen. Somit ist jetzt ein Streit zwischen der galizischen Oberschulbehörde und einem geistlichen Schuldirector ausgebrochen. Lemberg. Das „Wiener Tagblatt" enthält folgende Depesche von hier: Zu einem im Lembcrger allgemeinen Krankenhause todtkrank daniederliegenden Juden ließ der Landesspital-Director vr. Dobicsewsky einen katholischen Geistlichen holen, der ihm nach katholischer Weise vor dem Tode die letzte „Oelung" ertheilte und ihn getauft hatte. Glücklicherweise hat sich der Zustand des Kranken gebessert, so daß er noch gegen diese schmähliche Handlung proteftiren konnte. Rumänien. Bukarest, 4. März. Die uns heute aus Ismail zugekommenen Nachrichten melden sehr wenig Tröstliches. Der dortige Präfect, welcher bei den vorgefalleuen Schandthaten seine Hand ganz unzweideutig im Spiele hatte, befindet sich nach wie vor auf seinem Posten, man verweigert den Israeliten den Eintritt in ihre zerstörten Häuser und die Wiederherstellung derselben; geraubte Gegenstände werden auf offener Straße an die Meistbietenden verkauft, oder vielmehr verschleudert. Israeliten, die fich außerhalb der Stadt blicken lassen, werden bis auf das Hemd entkleidet und selbst im Inneren der Stadt wird dort, wo noch irgend Etwas zu rauben ist, ruhig fortgeraubt, ohne daß eine Gegenmaßregel die Uebelthäter davon abhält. Ist doch die Plünderungswuth so weit gegangen, daß selbst der jüd. Friedhof nicht verschont blieb. Die Grabsteine wurden ausgerissen und zertrümmert, und die Gräber derart verwüstet, daß die einzelnen Ruhestätten von den betreffenden Familien gar nicht mehr erkannt werden. Die Regierung hat neue Maßregeln ergriffen, um die Ruhe gänzlich herzustellen, neue Truppen sollen nach Ismail abgesandt und selbst ein neuer Präfect für diese Stadt in Aussicht genommen worden sein. (Rum. Post.) Frankreich. Paris, 10. März. In der Nationalversammlung zu Versailles wurden am 7. d. M. die projectirten Gesetze gegen die „Internationale" verhandelt. Bei dieser Gelegenheit ergriff der Abgeordnete Langlois das Wort und zeigte an der mosaischen Gesetzgebung, daß Gott selbst Gesetze zur Verhütung eines besitzlosen, erblichen Proletariats gegeben, da alles Eigenthum im Jobeljahre zu dem ursprünglichen Besitzer, der sich desselben entäußert hatte, zurückkehrte. Auf diese Weise konnte keine Familie in Israel auf die Dauer ihr Grundeigenthum verlieren. Herr Langlois verlas die betreffenden Stellen aus dem Pentateuch. — In unserer Zeit, da die sociale Frage von Tage zu Tage brennender an die menschliche Gesellschaft herantritt, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, wie Gott bereits vor, Jahrtausenden die Entstehung einer solchen Frage verhüten wollte. Freilich war die Menschheit damals noch nicht reif, die hohen und erhabenen Absichten des allweisen Schöpfers zu erkennen und zu begreifen. Ist sie es etwa heutet Wie viel Jahrhunderte werden noch vergehen, bis daß sich die Welt zu der Erkenntniß emporarbeitet und spricht: Wo gibt es ein Volk, weise und, vernünftig wie Israel, ein Volk, das so weise und gute Gesetze und Vorschriften hat? Wahrlich, weise und vernünftig ist dieses Volk, dieses Volk ist groß! Und wann wird Israel selbst sich zur Beobachtung und Erfüllung der göttlichen Gebote erheben, auf daß es die Bewunderung und Verehrung der gesammten Menschheit erlange? Feuilleton. Der portngiestsche Iriedhof irr Altona. Im Februar v. I. wurde der älteste der bis dahin im Gebrauch befindlichen Begräbnißplätze der Nachbarstädte Hamburg und Altona, der in letztgenannter Stadt an der Königsstraße belegene Friedhof der beiderftädtischen portugiesisch - jüdischen Gemeinden, geschlossen. Nur Wenige mögen, wenn sie an der Mauer, welche diesen Platz gegen die Straße hin abgrenzt, vorübergehen, die geschichtliche Bedeutung der Gräber ahnen, welche dahinter liegen und mit ihren in spanischer oder portugiesischer Sprache verfaßten Aufschriften auf die Abkunft derer deuten, welche fern von der Heimath, dem „Lande voll Sonnenscheinim nebeligen Norden zum letzten Schlafe eingegangen. Nicht etwa, daß wir hier die Grabstätten hochberühmter, in

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