Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1872)
- Date
- 1872-03-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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264 deren Stelle eine neue Straße, die Bornheimerstratze, aufgebaut wurde. 1808 wurden die noch übriggebliebenen zwei Thore entfernt, von 1811 an durfren die Juden außerhalb der Gaffe wohnen. Mit der Aufhebung des Großherzogthums Frankfurt und der Einsetzung des Bundestages wurden die unterdeß erlangten Rechte der Juden wieder verkümmert, und es wurden sogar Stimmen laut, sie wieder in das Ghetto zurückzuweisen, doch ließ sich dieser liebenswürdige Wunsch nicht realisiren. Von da ab verkam die Straße immer mehr, der wohlhabende Theil de: jüdischen Bevölkerung zog sich allmählich aus derselben zurück, während sich daselbst immer mehr Schmutz und Laster breit machte. Doch auch manche redliche und strebsame Handwerkerfamilie, der die hohen Mietpreise in der Stadt zu erschwingen unmöglich wurde, fand hier wenn auch ein armseliges, doch immerhin schützendes Obdach. Schon vor dem Jahre 1866 dachte man daran, die Häuser der Straße von Seiten der Stadt anzukaufen und dieselben niederzulegen; wirklich wurden auch einige Häuser angekauft, manche davon abgebrochen, manche aber obdachlosen Familien als provisorische Wohnung angewiesen. Es leuchtet ein, daß solche Häuser, deren Nebengebäude niedergerissen wurden, durch das Alleinftehen ihres Haltepunktes beraubt, der Gefahr des Einftürzens ausgesetzt waren, sobald keine Absprießung stattfand; dieses war nun der Fall bei dem Schäfer'schen Haus. Schon mehrere Tage vorher wurde ein Rieseln von Mörtel und zerbröckeltem Gestein im Hause bemerkt. Der Hausherr, auf die Gefahr aufmerksam gemacht, machte am Donnerstag, den 29. Februar, der dem Bauamt die Anzeige, und wurde ihm eine Besichtigung des Dauses auf Freitag zugesagt. Sturm und Regen in der Nacht vom 29. Febrnar auf den 1. März haben das ihrige gethan, die Untersuchung unnöthig zu machen, am Morgen war das Haus zusammengestürzt. Mit Thränen wurde die Gasse vor vierhundert Jahren eingeweiht, eine thränenreiche und jammervolle Katastrophe mußte erst den Anstoß geben, mit Ernst an das Werk der Niederlegung der Judcngasse zu gehen. Wie die Blätter berichten, soll gegen den Director des Bauamts eine Anklage auf fahrlässige Tödtung angestrengt sein. Aus -Oberschlesien, im Adar I. pis njrso otcrn nany Dipen p. Wir leben in einer Zeit, in welcher jedes nur irgend hervorragende moderne Talent sich in der Oeffentlichkeit bemcrktich zu machen sucht und auch bei der jetzigen Popularität und leichtern Zugänglichkeit der Presse , sei es in dieser oder jener Richtung, den Zweck erreicht. Nur bei den Talmudgelehrten der alten Schule finden wir noch oft eine tiefe Bescheidenheit, eine wahre nuy, die sich selbst in ihrer großen Gelehrsamkeit, in Bezug auf das jüdische Lehramt, so gering schätzen, daß sie nur in höchst seltenen Fällen, und nur meist, wo es die Bertheidigung der Meinungen der b"r lroon gilt, an die Oeffentlichkeit treten und so von ihrem Dasein Kenntniß geben. Und auch in diesen Fällen, wenn ein anderer die Arena betritt, dem weisen Spruche huldigen -pwar noan^ jo und nur in dem Bewußtsein des eigenen Wissens, im Bewußtsein der Ausübung der heiligen Pflichtendov o rvjm ihre volle Genugthuunz, ihre volle Freude finden. Nur bei ihrem Scheiden aus der irdischen Welt, nur beim Antritt der Reise in das ihnen befreundete und immer erwartete Jenseits — offn nany — verursachen sie eine Lücke, Aufsehen. Erst dann, aber leider auch nur erst dann, wird das O'pO gewahr, was ihm entrissen, was es verloren! — Einem solchen Manne widmen wir diese Zeilen. Am 28. Schewat ging in ein besseres Jenseits y'sfi ps’N pnp *)oi' 2py *V'io der emerit. Cultusbeamte Joseph Sander zu Stadt Königshütte in Oberschlesien (Enkel des bei den ältern Glaubensgenossen in Mittel- und Oberschlesien noch in rühmlichem Andenken stehenden jpyijr<Z -*j/ds"J bw? Y'o in Neiße). Schon früh brachte ihn sein, später in Gleiwitz als und -oPd lebender Vater auf die berühmte ru'ip nach Kempen, R. - Bez. Posen. Sein Scharfsinn und sein eifriges Studium unter denr hochberühmten jwjn niv -n"no -n"«n TDnm brachte ihn bald in Verbindung mit den ausgezeichneten Gelehrten und Talmudbeflissenen von dort und verschaffte ihm die Tochter des ebenso reichen als hochangesehenen ym*v «•pDw^Npjjw als Gattin. Solange blieb das dortige amen no sein immerwährender Aufenthalt, bis eine zahlreiche Kinderschaar ihn mit Nahrungssorgen belästigte. Nun wirkte er als Lehrer vieler Talmudjünger und betrieb dabei ein Geschäft. Als dies aber zu seinem Unterhalt nicht ausreichte, verließ er endlich seine zweite Heimath und suchte sich eine Stelle in Schlesien. Nach vielem vergeblichen Versu hen ließ er sich 1837 in Königshütte als yuo y“an zu'.v und Lehrer nieder. Diejenigen, welche die industriellen Bezirke Oberschlesiens, ganz besonders Kattowitz und Königshütte, aus damaliger Zeit kennen, werden sich erinnern, welch ein primitiver Zustand dort vorhanden war. Von einer jüd. Gemeinde keine Spur, indem einzelne Glaubensgenossen nur hie und da zerstreut wohnten. Den Anstrengungen des Verewigten gelang es, indem er sich von der 2 Meilen entfernten Gemeinde Myslowitz ein ->ed mn lieh, allsonnabendlich ein ]’jo zusammcnzubcingen. Mit der riesigen Zunahme der dortigen Industrie wuchs die junge Vereinigung von Jahr zu Jahr \o, daß sie jetzt über 300 beitragende Familien und 2 bis 3 Filmte zählt. Welche Berufs - Anstrengungen der Verblichene in den vielen Jahren seiner Wirksamkeit durchgekämpft, wissen nur die, die in dem Umkreise von 1 bis 2 Meilen von Königshütte gewohnt haben. Seine höchst aufmerksame Berutstreue, sein Streben, Allen recht zu thun, Alle zu befriedigen, ist unter den Beamten fast beispiellos. Dabei aber war das d“m in den.