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Der Israelit · 1872-03-20 · Heft 12 (20.3.1872) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 12 (20.3.1872)
Date
1872-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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263 dungsanftalt dahier. Außerdem wird den lernbeflissenen Jünglingen in 6 wöchentlichen Stunden abwechseld Unterricht in Qix -p"n «nm ertheilt. Die Beteiligung ist eine recht erfreuliche, und zählt der Verein schon 60 Mitglieder. Außerdem gebührt der ausdauernden Thätigkeit des Vorstandes, insbesondere dem Mitgliede desselben, Herrn Jacob Bamberger, rühmende Anerkennung. Und so möge denn auch ferner die Betheiligung eine rege sein, und möge dieses Institut zum Frommen und zum Nutzen der Mitglieder in gedeihlicher Weise auf dem betretenen Wege fortschreiten, daß das Studium der hl. Thora zur immerdauernden Geltung gelange. Stuttgart. Se. König!. Majestät haben durch höchstes Decret an den Ordenskanzler vom 5. März d. I. dem isr. Oberkirchenvorsteher Elias Pflaum hier das Ritterkreuz erster Classe des Friedrichsordens gnädigst verliehen und vermöge höchster Entschließung von demselben Tage die Stelle eines Vortragenden Mitgliedes der isr. Oberkirchenbehörde, womit ein Gehalt von 1000 fl. verbunden ist, dem Rechtsanwalt Victor Steiner in Ulm unter Verleihung des Titels und Ranges eines Collegial - Assessors gnädigst übertragen und dem Kanzleigehilfen Stern (zugleich Cassier der isr. Central- Kirchenkasse) bei der isr. Oberkirchenbehörde den Titel und Rang eines Kanzlisten gnädigst verliehen. Herlbromr, 2. März. In einer heute stattgehabten Gemeindeversammlung wurde mit großer Majorität der Bau einer neuen Synagoge beschlossen, die einschließlich des Kaufpreises für den schönen Bauplatz und die innere Ausstattung auf 100,000 fl. zu stehen kommen dürfte. Eine Minorität, in der die Orthodoxie stark vertreten war, protestirte gegen die für die gegenwärtigen Verhältnisse zu große Belastung der Kontribuenten und verwahrte sich gegen Einführung einer Orgel und eines Reformgottesdienstes mit dem Anfügen, daß in letzterem Falle, wenn und sobald die Gesetze es ermöglichen, sie aus dem Gemeindeverband ausscheiden würde. Ueber Reformen und Orgeleinführung ist vorerst kein Beschluß gefaßt worden. Diese Fragen sollen in besonderer Versammlung berathen und erledigt werden. Ein solcher Austritt müßte die Steuerlast der Verbleibenden noch mehr erhöhen. Es soll bereits ein Anlehen von 80,000 fl. L 4 /2 % Zins zum Cours von 97 p Ct. mit hiesigen Bankhäusern und der Württemb. Vereinsbank vorbehaltlich höherer Genehmigung abgeschlossen sein. Der Synagogenbau bringt unsere Gemeinde, namentlich solange die Domizrliantensteuerfrage noch nicht definitiv zu Gunsten des Domizils entschieden ist, in eine finanzielle und religiöse Krisis. Möge sie dieselbe glücklich und zur Ehre Gottes überftehen. 8. Frankfurt a. M., 7. März. (Der Häusereinsturz in der Judengaffe zu Frankfurt a. M.) Die schreckliche Katastrophe vom 1. März wird endlich die schon längst projectircte Niederlegung der Judengasse beschleunigen und so dazu beitragen, daß ein Denkmal mittelalterlichen Religionshasses und Fanatismus vom Boden schwinde. Der Abbruch der Gasse ist von keinem Gesichtspunkte aus zu bedauern; sie hat höchstens, wie ein hiesiges Blatt sich trefflich ausdrückte, nur photographisches Interesse. Bis zum Jahre 1462 wohnten die Juden in der Gegend des Doms; die Geistlichkeit jedoch erklärte darin eine Entweihung des christlichen Gottesdienstes, und so wurde die Uebersiedelung der Juden in die Gegend der jetzigen Judengasse (sie lag damals außerhalb der Stadt) beschlossen. Sie gingen bis an den Kaiser mit Petitionen, sie doch in ihrem bisherigen Quattier zu belasten, sie wollten sich jedes Lärmens in der Nähe des Domes enthalten, sie wollten sogar das nach dieser Seite hin gelegene Thor der Gasse vermauern lassen, sie stellten vor, wie sehr sie den Verfolgungen auf dem Wege nach ihrer entlegenen Straße ausgesetzt sein würden — Alles half nichts, sie mußten die liebgewonnenen Wohnungen verlassen und in die neue Judengasse, welche sie „Neuegypten" nannten, einwandern. Da der Jude um damalige Zeit keinen Grund und Boden in Frankfurt erwerben konnte, so blieb der Boden städtisch, und nnr die Häuser gingen in die Hände ihrer Bewohner als Privateigenthum über. Dieses Verhältniß rst bis auf den heutigen Tag in dem alten Theil der Judengaffe geblieben; der ganze Grund und Boden ist städtisch. Die Gasse, zu welcher damals auch die jetzige Bornheimerstraße gehörte, hatte drei Tbore, das eine am südlichen Eudc, welches nach dem Fischerfelde führte, das andere am nördlichen Ende, durch welches die Gaffe mit der Neustadt und ein drittes in der Mitte, an der Stelle des „Judenbrückchen", durch welches die Gasse mit der Altstadt in Verbindung stand. Diese Thore wurden mit Sonnenuntergang und an Sonn- und christl. Feiertagen geschlossen, und nur zu höchst dringlichen Zwecken, wie z. B. für einen Kranken war es gestattet, eines der Thore durch eine kleine Pforte, die sich in demselben befand, zu verlasfen. Zur Zeit des Fettmilch'schen Aufstandes (1614) wurde die Gasse gestürmt, die Juden geplündert und vertrieben. Nach Besiegung des Aufstandes und der Zurückführung der Juden in ihre Wohnungen wurde an die drei Thore der Reichsadler angeschlagen und dadurch die Straße mit ihren Einwohnern unter des Kaisers und Reiches Schutz gestellt. 1711 brannte die ganze Judengasse ab und wurde sie darauf sechs Fuß breiter aufgebaut; wir können also daraus entnehmen, daß früher die Straße so eng war, daß zwei Wagen nicht nebeneinander fahren konnten. Als rm Jahre 1796 Kleber die Stadt beschießen ließ, brannte die nördliche Hälfte der Gasse (150 Häuser) ab, an

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