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Der Israelit · 1872-03-20 · Heft 12 (20.3.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 12 (20.3.1872)
Date
1872-03-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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263 allem darum war es ihnen zu thun, die göttliche Hilfe und die väterliche Fürsorge unserm Gedächtnisse nahe zu bringen, denn wer sehen will, merkt auf jedem Schrit und Tritt, den Israel auf seinem großen Wege seit seinem Austreten bis heute gemacht, die liebevolle, hel- ,cu0^ und schützende Hand Gottes. Die Geschichte Esthers soll vielmehr den Juden den Spiegel Vorhalten, wie Schwäche, Nachahmungssucht, Jndifferentismus ihn bis zum Rande des Abgrundes führen und wenn ihn nicht gottbegeisterte Männer durch Wort und That gewaltsam zurückziehen, er in der grausig klaffenden Tiefe untersetzt. Als der mächtige persische Herrscher Achaschwerosch rn einem Anfalle von edler Menschenachtung die unterworfenen Israeliten mit den übrigen Unterthanen an dem Königsmahl Theil nehmen ließ, waren die Israeliten schwach genug, der Einladung Folge zu leisten. Die Gleichberechtigung machte sie pflichtvergessen, denn enwrw miyDp uru, sie aßen und tranken bei dem Mahle, wo die trübseligsten Erinnerungen ihnen jeden Tropfen und jeden Bissen verbittern mußten, wo man nämlich Wein in den Pokalen kredenzte, die aus dem zerstötten Tempel in Jerusalem geraubt waren. Ehr- und Ruhmgier führte hier einen empfindlicheren, sicherern Schlag auf das Judenthum als Scheiterhaufen, Verfolgungen und die entehrendsten Bedrückungen. Von dem Glanze der Freiheit war man geblendet, und von diesem Freiheitsrausch betäubt, vergaß man Alles: jüdische Pflichten, jüdisches Recht, selbst die eigene moralische Größe, die eigene Vergangenheit verleugnete man. Zeigt nicht die Jetztzeit wieder dasselbe Bild in größerem Maßstabe? Die Verblendeten glauben dafür, daß.man ihnen ihr gutes Recht gibt, dadurch sich dankbar zeigen zu müssen, daß sie die Religionsfesseln abwerfen, stets aus die Strölituncj der Zeit sich berufen, und in diesem Sinne die wichttgsten Gesetze modificiren wollen. Wahrhaftig, zur Schande gereicht es uns, wenn wir so sinnlos die alten von Gott selbst uns zur Vervollkommnung unserer sittlichen Reinheit und Lauterkeit übergebenen Rcligonsge- ' setze mit Füßen treten und unsere Ohnmacht gegenüber den Strömungen der Zeit aller Welt zeigen. Unser Gesetzgeber, bei dem Raum und Zeit als Begriffe, wie wir fie fassen, nicht existiren, hat ja für die Ewigkeit, für alle Umstände als unabänderlich die mm uns als Wegweiser durch die dornenvolle Bahn des Lebens gegeben, und wir sollten uns erkühnen, mehr Verständniß für unsere Zeit zu haben als Gott selbst? Vertrauen wir lieber mit voller Zuversicht auf unsere Führer, die mit sittlicher Kraft gleich dem Retter Mordechai in Susan ausgerüstet und uns auf die rechte Bahn zu leiten sich zum Lebensziel gemacht. War es etwa die von den Gelagen Achaschwerosch's betäubte Menge. die das der Vernichtung preisgegebene Israel rettete? War es nicht Mordechai, der opferwillig Alles wagte, um dem gefallenen Israel wieder aufzuhelfen? Nicht waren es feine, nervöse, ästhetisch gebildete, tanzlustige Dämchen, die den Todesstoß, der gegen Israel geführt wurde, abwehrten; jenes schöne jüdische Weib, jene Esther war es, jene Heroengestalt, deren tiefwurzelnde Liebe zum Judenthum, deren erhabene sittliche' Kraft sie hieß, sich selbst einem persischen Despoten preiszugcben, um dadurch das eigene Volk zu retten; sie rettete nächst Gott durch ihre Kühnheit, Klugheit und Entschlossenheit ihr Volk, das an einen grausamen Minister verkauft war, jenes fromme, gottbegeifterte Weib hob Israel aus der schmachvollsten Demüthigung zu hohen Ehren. Mit eiserner Consequenz müssen wir daher an unseren heiligen Satzungen fefthalten, denn nur dadurch machen wir die Waffen der stets auftauchenden Hamane und Genossen stumpf. Und raunen wir es uns ilLs Ohr: wir haben noch nicht den letzten Haman gesehen. Allein an uns ist es, daß sich stets erfülle das Gotteswort: ncy '2 Dvp’ toi -Ql nm. Würzburg, 1. Adar. T. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg. Der dahier unlängst gegründete, in diesen gesch. Blättern mehrfach erwähnte Ohave- Emeth - Verein, dessen löbliche Aufgabe es ist, jungen Leuten in dem Studium der hl. Thora in anregender Weise behilflich zu sein, schreitet zur Freude aller sich dafür Jnteressirenden gedeihlich voran; und es gereicht Schreiber dieses zum besonderen Vergnügen, referiren zu können, daß der Verein seine Thätigkeit dahin erweitert, ein Local zu miethen und in demselben eine Bibliothek auszustellen, welche den Mitgliedern des Vereins zu steter Benutzung zugänglich. Außer den rabbinischen Werken und solchen der jüd. Belletristik werden auch mehrere Zeitnngen gehalten: „Israelit," „Magid," „Jüd. Presse," „rUnivers" par Dr. Bloch und das „Traditionelle Judenthum". Herr Districts - Rabbiner S. B. Bamberger dahier hat, das löbl. Bestreben des Vereins anerkennend, sämmtliche von ihm verfaßten Werke dem Vereine in freundlicher Weise als Geschenk Übermacht. Auch von anderer Seite gingen dem Vereine in Folge der jüngst in diesen Blättern geschehenen Anregung cnro als Geschenke zu. Am so nens rav wurde das neugewonnene Local durch den Vorstand, Herrn Rabb. - Cand. Unna, durch eine warme Ansprache an die zahlreich versammelten Mitglieder und anwesenden Gäste in würdiger Weise eröffnet. Und so werden nun allsabbatlich Vorträge gehalten von den Herren Lehrern an der isr. Lehrerbil-

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