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Der Israelit · 1872-03-13 · Heft 11 (13.3.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 11 (13.3.1872)
Date
1872-03-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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247 Feuerwerke, italienische Nächte und andere Belustigungen veranstaltet. Diese kostspielige» Vergnügungen erforderten stets viel Geld, und Sütz war es, der die leeren Hofkassen immer wieder füllen mutzte, und wehe ihm, wenn er es wagte, dem Herzoge Vorstellungen machen zu wollen. Wenn Carl Alexander auf die goldene Dose klopfte, die er stets in der Hand trug, so wutzte seine Umgebung, datz ein Ausbruch seines leidenschaftlichen Zornes bevorstand, und oftmals mutzte Sütz diesen Zorn empfinden. Da regnete es Schimpfworte und Flüche, die der Herzog sich während feines langen Kriegslcbens zu eigen gemacht hatte. Gab aber dann der Minister den: Verlangen feines Herrn nach, so war dieser wieder überaus gnädig gegen ihn und überhäufte ihn mit den reichsten Geschenken. So wurde Sütz zu den gehässigsten Matzregeln gedrängt, die noch beute seinen Namen mit Schande und Hatz belasten. Zuerst führte er, um seinem Nimmersatten Herrn Geld zu verschaffen, allerlei lästige Steuern ein; als diese nicht mehr ausreichten, um die immer auf's Neue geleerten Hofkassen zu füllen, machte er aus vielen Geschäften ein Monopol und verpachtete dasselbe dann an den Meistbietenden. So wurden nacheinander die Kaffeehäuser, der Weinhandel, der Tabakshandel, der Handel mit Spczereiwaaren, ja, sogar das Kaminfegen monopolisirt. Die Pächter mutzten nicht allein einen hohen Pacht erschwingen, sie wollten selbstverständlich sich selbst daran in kürzester Zeit bereichern, und so wurden dem Württembergischen Volke nicht allein fast unerschwingliche Lasten aufgelegt. auch der Handel und der Verkehr wurden durch die Monopolisirungen gelähmt, und so kaut es, datz das Volk allmählich verarmte. Der ganze Hatz der Bevölkerung, der dadurch erregt wurde, fiel weniger auf den Herzog als auf Sütz, der sich dazu hergab, auf diefe Weise dem 'erzöge Geld für seine kostspieligen Vergnügungen zu schaffen. Sütz tbat aber auch gar Nichts, um diesen Hatz von sich abzulenken oder ihn zu mildern. Im Gegentheilc, er entfaltete die grötzte Pracht, bewohnte ein schönes Palais, das ihm der Herzog geschenkt hatte und das er mit dem grötzten Comfort ansstattete; er besaß die schönste Equipage, fuhr mit vier Pferden aus; während ein Kutscher in goldgestickter Livree auf dem Bock satz, stand ein reichgallonirter Bedienter hinten auf. Anfangs hatten cs der hohe Adel, die vornehrncn Geistlichen und die Beamten der Landschaft gewagt, dem Juden offen ihren Hatz und ihre Verachtung zu zeigen. Aber Sütz hatte es verstanden, sich in Respect zu setzen; Sütz ließ Jeden, der ihn beleidigte, in die Kasematten ron Diensten oder Asperg werfen. Jetzt waren sie zahm i geworden, und Alle, Alle krochen vor dem Juden im! Staube, den sie heimlich verwünschten. Andere hatten cs gleich vorgezogen, sich um die Gunst des jüdischen Ministers zu bewerben. In seinem Vorzimmer fand man täglich die vornehmsten Herren und Dainen Württembergs, die irgend eine Gnade für sich oder ihre Angehörigen zu erbitte» hatten, und. Sütz gewährte dre Gnaden reichlich, wenn man den Preis zahlte, den er dafür verlangte. Um seine und seines Herrn Taschen zu füllen, hatte er ein eigenes Amt errichtet, das man Gratial-Amt nannte; hier wurden die Staatsämtn an den Meistbietenden verkauft; ein Fiscalat-Amt, das dazy diente, die Justiz Aemter an den Meistbietenden zu verhandeln; ein Bankalitäts- oder Pfand-Amt, in welchem die Stiftungsgeldcr in die herzoglichen Kassen übergeführt wurden. Wenn die Landftände diesem Treiben Widerstand entgegensetzen wollten, so wurden einzelne Mitglieder derselben vom Herzoge nach dem Hohen-Asperg in's Gesängnitz geschickt. „Ihre Stände, Durchlaucht," hatte Suß einst bei Tafel zum Herzog gesagt, „sind eigentlich Widerstände; aber sie stehen schon so lange, datz sie müde und matt sind." ,,„0'68t vrai,““ hatte Carl Alexander lächelnd geantwortet, „„allons donc leur donner des chaises, et une fois assis, ils ne se leyeront plus.1)““ Aber all' diese Steuern und Maßregeln genügten noch nicht, dem Herzog die Summen zu verschaffen, die er brauchte; das kleine Württemberg, damals um Vieles kleiner als heutzutage, sollte eine Hofhaltung bestreiten, wie sie Ludwig XV. in Frankreich führte. Eine sehr drückende Vermögens - und Familiensteucr wurde eingeführt; ja, sogar die Fremden, die sich in Württemberg aufhielten, mutzten eine Schutzsteucr bezahlen. Sütz wurde dabei ungeheuer reich; er kaufte sich die Güter Donzdorf, Hierlingen und Edernheim und besaß außerdem noch große Schätze in Gold und Dianlanten. Dabei hielt er ein prächtiges Haus, gab immer reiche Tafel und war ein vollendeter Gourmand. Nur eine Furcht der Württemberger bestätigte sich nicht; um seine Glaubensgenossen bekümmerte sich Süß nicht im Geringsten; er wies jede von einigen derselben versuchte Annäherung zurück; er änderte nichts an den schmählichen Ausnahmsgesetzen, unter denen die Juden des von ihm regierten Landes litten. Er war viel zu sehr Egoist, um auf der Höhe des Lebens der Armen zu gedenken, deren Gemeinschaft er durch die Gebnrt angehörte. Aber auch nur durch die Gebnrt; denn er gedachte nie der Religion Israels und achtete keine Gesetzesvorschrift derselben. Er atz und trank wie ein Nichtjudc; er feierte weder den Sabbat noch den Versöhnungstag; er lebte in Saus und Braus, und sein unsittlicher Lebenswandel, seine Gcwaltthätigkeiten gegen Väter und Ehemänner zogen ihm ebensoviel Hatz zu wie die Erpressungen seiner Regierungsweise. Ja, sogar seine Verwandten in Oppenheim schiert er ganz vergessen zu haben. 1) Das ist wahr; so wollen wlr ihnen d-nn Stühle geben , und wenn sie einmal sitzen, so werden sie nicht wieder ausstehen.

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