Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-03-13 · Heft 11 (13.3.1872) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 11 (13.3.1872)
Date
1872-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447563--10268-2466001
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

346 ßpnfitiön erinnern. So wurde z. B. unter anderen Martern dem angeschuldigten Schneidermeister Hände und Füße zusammengebuuden, ein dicker Stock dazwischen gesteckt, an welchem ihn zwei handfeste Kerle in die Höhe hoben und ihn wieder zu Boden fallen ließen. Diese Procedur wurde fünfzehnmal wiederholt, bis der Unglückliche, am ganzen Körper erschüttert, bewußtlos liegen blieb. Dies ist die neueste Methode, Jemandem ein Geständniß abzuzwingen. Auch der vielgenannte Herr Goldschläger sollte nicht leer ausgehen und eine traurige Existenz im Kerker fristen. Goldfchläger hatte von ’ jeher aus Glaubens¬ oder Gewohnhertsrücksichten einen langen Bart getragen; da brachte ihm eines Tages der Gcfängnißwärter die Nachricht, daß ihm der Bart auf Befehl des Präfecten abrasirt werden solle und trotz allen Sträubens wurde der Machtspruch anch allsogleich vollführt. Den Rabbiner sollte ein gleiches Geschick treffen; dieser erklärte jedoch ohne Furcht, daß er sich eher den Hals als den Bart werde abschneiden lassen. Solche und ähnliche Gemeinheiten wurden von den Autoritäten ungeordnet! Der Generalprocurator, Herr Borschu, ist am 14. d. M. hier angekommen und ist vollauf mit der Untersuchung beschäftigt. Einige Stunden nach seiner Ankunft wurden Herr Goldschläger und der Rabbiner ihrer Haft entlassen, was einen neuen Ausbruch der Bolkswuth befürchten ließ. Das Resultat der Untersuchung werde ich Ihnen seinerzeit genau mittheileu. Bukarest, 26. Febr. Wenn das Unglück der Israeliten in Ismail schrecklich war, was sollen wir von den Scenen in Cahul sagend Dieser herzzerreißende Bericht muß die Verhärtesten und stärksten Naturen rühren; jeder fühlende Mensch muß dariiber ttauern, daß unsere Zeit Zeuge von Ereignissen sein kann, welche die düstersten Zeitalter des Aberglaubens und der Ignoranz beschämen. Die Ereignisse von Ismail, Cahul und Dilcov sind die Früchte der Einflüsterungen solcher Oeffentlichkeits - Organe wie „Poporul", „Telegraful," „Uniunea Liberala," „Cslumna lui Trajan," „Jnformatiunile" und anderer Zeitungen gleicher Tendenz, welche seit jeher den Pöbel zu Hetzereien gegen die Juden aneiferten. Die Opposition hat mit diabolischer Tücke zwei Wege gesucht, um das Volk gegen die Regierung zu hetzen, und zwar find dies erstens die Strausberg'sche Frage, mit der sie Fiasco gemacht, und dann die Judenfrage, in welcher sie große Erfolge für ihre Zwecke erzielten. Die Canaille angeeifert durch Raubsucht und die Instinkte der Brutalität, hat nun die infamsten Verbrechen begangen, Verbrechen, die nicht ungestraft bleiben können, ohne den Staat ernsten Gefahren auszusetzen. Die Pflicht der Regierung ist klar. Es müssen nicht nur die Thäter, sondern auch die Anstifter dieser Scenen des Vandalismus, mit äußerster Strenge gestraft werden. Man schätzt den Schaden der Israeliten an geraubtem und zerstörtem Eigenthume auf nahezu 100,000 Ducaten. Eine Commission ad-hoc müßte sofort abgesandt werden, um die genaue Höhe der Schäden festzustellen, urrd d ie b etr e ffen den G em e i nd e n mü ßten zur Zahlung der festgestellten Verluste an geh alten werden. Wenn kein Gesetz besteht, welches den Gemeinden diese Verpflichtung auferlegt, dann müßte die jetzt tagende Kammer ohne Aufschub ein solches Gesetz erlassen. Wir stehen vor dem großen Gerichte der Welt und müssen beweisen, daß unsere gegenwärtige Regierung von den höchsten Princivien der Gerechtigkeit und Humanität beseelt ist. — Bis jetzt hat die Executive ihren ernsten Willen dargethan, gegen Diejenigen in den Kampf zu treten, die als Feinde des Landes zu betrachten find. Die ganze Autorität und Kraft muß angewandt werden, um ein Exempel zu statuiren, und das um so mehr, als man bereits droht, die Hetze zu Ostern zu wiederholen. Halbe Maßregeln werden nur die traurigsten Folgen nach sich ziehen, und nur resolute Handlungen werden dem Lande Ruhe urrd jene Achtung wiedergeben, welche Festigkeit erzeugt. (Rum. Post ) Feuilleton. Süß Hpperrßeirner. XI. Ein Jahr war vergangen; Herzog Carl Alexander hatte seinen Hof so eingerichtet, wie er es sich vorgenommen. Eine prachtvolle Oper war in Stuttgart errichtet worden und all die bedeutenden Sänger und Sängerinnen, die man engagitte, wurden aus des Herzogs Chatoulle besoldet. Feste folgten auf Feste, Bälle, Maskenbälle und Redouten wechselten miteinander ab. Der Adel und die Beamten mußten zahlreich dabei erscheinen; ja, den Beamten war die Anwesenheit bei den Festen und die ihrer Frauen und erwachsenen Töchter bei Strafe des Entzugs der vierteljährigen Besoldung befohlen. Im Sommer rcsidirte der Herzog in Ludwigsburg, dem Württembergischen Versailles; da wurden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.