Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1872)
- Date
- 1872-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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j^miwiiimi.1 ,-MM^NWWWWWWMMWWWMWMWPWWMWWWWWWWWMMIW 944 ^K«tt»burg. In Fol^e der von den Berliner Blättern gebrachten Notiz, datz der verschwundene Student Siegfried Behrens in Mannheim gesehen worden sei, ftagte die hiesige Behörde telegraphisch bei der Mannheimer Behörde an, ob jene Mittheiluna der Wahrheit entspreche. Der dortige Magistrat schickte dem hiesigen Polizeiherrn folgendes Schreiben: „Wir beehren uns. Ihnen mitzutheilen, daß ein Siegfried Behrens am 26. Januar von Worms hier ankam, einige Tage im Hotel „Zum deutschen Hause" logirte und dann weiter nach Heidelberg reifte, woselbst er im Hotel „Prinz Carl" Logis nahm. In die Fremdenbücher beider Hotels hat er sich als Commis aus Berlin eingetragen." Bedenkt man, daß der junge Mann einige Tage vor seinem Verschwinden seinen Eltern einen Brief geschrieben hat, der des Schreibers kindliche Liebe und Hochachtung in jeder Zeile darlezt, und m welcher er erklärt, daß er bis auf Weiteres keiner ferneren Geldsendung bedürfe, so ist wohl schwer glaublich, daß ein solcher Sohn fortreist, ohne fernen Eltern, die er doch in der größten Angst und Sorge um sich wissen muß, irgend eine Mitthellung zu machen. Leicht möglich ist dagegen, daß in den Hotels zu Heidelberg und Mannheim ein anderer Siegfried Behrens, als der verschwundene, logirte. Möglich ist auch, daß hier eine absichtliche Pteudonymität vorliegt, welche auf die Irreleitung desfallsiger Nachforschung berechnet ist. Aus Elsaß Lothringen, 8. März. Dem „Nicderrh. K." schreibt man aus Bruweiler: Die Kriegsentschädigungen sind in unserer Gemeinde noch nicht befahlt und dabei haben wir erstaunlich hochmüthige Angestellte. Ein Israelit von Lirheim, Moritz Coblentz, Eigenthümer einiger Hektaren Feld in Bruweiler, wollte gestern in der Mairie seinen Kriegsschaden auf der Gemarkung von Bruweiler declariren. Der Secretär antwortete ihm: „Ich schreibe nichts für die Juden." Oe ft err.-Ungar. Monarchie. Lemberg. Auch in diesen Blättern war wiederholt von einem Vorfall die Rede, der in Lemberg großes Aufsehen erregt hat. Einer Jüdin war die Aufnahme in das Gebärhaus verweigert, beziehungsweise dieselbe wieder daraus verwiesen worden. Professor Czyzewicz veröffentlicht eine Erklärung über den Fall, welche bestätigt, daß die Spitaldircction ihm mittheilte, daß Jüdinnen nur dann in die Gebäranstalt ausgenommen werden können, wenn sie die Kosten für drei Monate im Vorhinein entrichten. Gleichwohl wollte der Professor die Jüdin im Spitale zurückhalten, er mußte jedoch verreisen, und als er zurückkam, war die Jüdin bereits entfernt. Professor Czyzewicz spricht sich sehr scharf gegen ein derartiges inhumanes, ungesetzliches Vorgehen der Spitalverwaltuug aus. Italien. Rom, im März Unter sämmtlichen Bewohnern der Siebenhügelstadt hat wohl keine Kategorie den Sturz des geistlichen Regiments wohlthätiaer empfunden als die Jsraeltten. Ihre Lage hatte sich seit der Thronbesteigung Pius des Neunten vergleichsweise gebessert: demungeachtet seufzten sie unter einem Drucke, der nur darum einigermaßen erträglich schien, weil die frühere Sclaverei Alles überstieg, was die menschliche Phantasie auszuhecken vermag. Es ist noch nicht allzulange her, daß der Ghetto allabendlich von den römischen Behörden zugeschlossen wurde, wie ein Gefängniß ... Ein Jude, der nach Sonnenuntergang außerhalb seines Stadtviertels betroffen wurde, war vogelfrei. Auch die famose Neujahr- Ceremonie reicht in die neueste Zeit herüber. Die jüdische Deputation mußte bekanntlich unter den demüthigendsten Formalitäten nach dem Capitol kommen, ein „Geschenk" (!) von 4000 Scudi überreichen, und „für sich und ihre schmutzigen (sie!) Brüder" die Erlaubniß erflehen, auch im neuen Jahre die gebenedeite Luft der ewigen Stadt zu athmen. Der Führer der Deputation kniete schließlich nieder, der Senator, unter dessen Vorsitz die nichtswürdige Farce in Scene ging, setzte ihm den Futz in den Nacken, und erklärte dann in hochfahrendem Tone, Se. Heiligkeit der Papst habe in seiner. unendlichen Herzensgüte beschlossen, die reine Atmosphäre des Katholizismus auch in diesem Jahre durch die Ungläubigen verpesten zu lassen, wofern sie geloben wollten, alle Gesetze und Vorschriften streng und unverbrüchlich zu halten und nichts wider den ewigen Gott und seinen eingeborenen Sohn zu unternehmen. Erst Pius IX., der im Beginn seiner Laufbahn so manche liberale Neuerung in's Leben rief, schaffte dieses infame Gaukelspiel ab. Doch blieben die Einwohner des Ghetto nach wie vor die Stiefkinder des Staates. Ungestraft entrissen bekehrungssüchtige Priester den jüdischen Müttern ihre Sprößlinge, um sie gegen den Willen der Eltern zu katholisiren; ohne Widerrede mußten sich die Unglücklichen in ihrem eigenen Qnartier von der Kanzel herab beschimpfen und besudeln lassen, und schließlich dem Lästermaul, das sie insultirt hatte, ihre Ehrfurcht und Hochachtung an den Tag legen. Im Uebrigen erlitten sie den ganzen Wust von Beschränkungen und Beeinträchtigungen, die das christlich-romantische Mittelalter mit so überraschender Erstndungsgabe ausgeklügelt und gezeitigt hat. Ihr äußeres Wesen trug denn auch den Stempel dieser fortgesetzten Mißhandlung. Erst im Laus der Jahrzehnte wird sich das heruntergebrachte Geschlecht des Ghetto einigermaßen emporzuarbeiten vermögen. Gewiß ist, daß Niemand mehr Ursache hat, sich wegen des 20. September zu beglückwünschen, als die „Ausgestoßenen" am Ufer des Tiberstroms. (Didaskalia.)