Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1872)
- Date
- 1872-03-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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unter der Lupe der statistischen Kritik auf 20 % reducirt. Bis hierher könnten wir die verzweifelten Anstrengungen gegen den Bildungstrieb des jüdischen Volkes, deren Vergeblichkeit wir zur Genüge conftatirt haben, dem Mangel an besserem Wissen zuschreiben und bedauern, dag Herr B. nicht zuvor wenigstens ein statistisches Handbuch zu Rathe gezogen, ehe er sein ebenso absprechendes, wie 'unbegründetes Urtheil fällte. Aber was soll man sagen, wenn man das dritte seiner Argumente betrachtet? Herr B. docirt einige Zeiten früher, „durch das Zusammenleben in den eingeengten Stadtbezirken habe sich eine Art moralischer Verantwortlichkeit unter ihnen vererbt. Dies Gefühl der Mitverantwortlichkeit bewirkt es, das; unter den Juden eine große Freigebigkeit herrscht, um der ärmeren Jugend eine möglichst gute Erziehung angedeihen zu lassen. Rechne man nun diese unter den Juden stärker herrschenden Armenunterstützungen für die Jugenderziehung noch hinzu u. s. to." Es ist eines der vetrübendsten Zeichen unserer Zeit, daß aus unserer Mitte sich Männer finden, die nicht erröthen, die Axt an den eignen Stamm zu legen, dem sie entsprossen sind. Denken Sie sich, Herr Bernstein, vor das Forum Ihres eignen Gewissens citirt, und wagen Sie es, dieses glauben zu machen, Sie hätten niemals erfahren, daß das Volk, dem Sie angehören, von uralter Zeit her durch seine Mildthätigkeit geglänzt, daß sein Herz offen war, um mitzufühlen, seine Hand, um den Armen zu schenken? Und wagen Sie, Ihrem Gewissen einzureden, Sie seien überzeugt von der Lüge, die Ihrer Feder entflossen, daß vom Ghettoleben dieser edle Trieb der freudigsten Aufopferung des einen Stammesgenossen für den andern sich herschreibe! So lange es Juden gibt, Jahrtausende vor den Ghetti schon, har man das jüdische Herz gekannt mit seinen drei Eardinaltugeuden: ,r.ucrn □HD“ Längst sind jene Zwingmauern gefallen, aber dem wahrhaften Juden fäüägt noch immer dasselbe rreue Herz in innigem Mitgefühl für den leidenden Bruder. Wo hingegen die jüdische Religion nicht mehr die Seele mir tausend ethischen Fäden durchzieht, da verblaßt auch die seelenvolle Anhänglichkeit an den Stammesbruder, und wo man den Mund anfütlt mit den: Ruhme der eignen Wohlthätiakeit. des guten Herzens, das mehr wertb fei als jene „veralteten Eercmonien", da bat man auch sicher verlernt, das jüdische Wohlthnn, unbemerkt von jedem Menschenauge,' zu üben, lind doch gibt es noch einen Punkt, der sich von allen Seiten des so vielfach zerrissenen Jndentbnms der wärmsten Theilnahrne erfreut: es ist die Bildung der Jugend. Hier erwärmt noch eine Flamme des echten, unvergänglichen Judentbums alle Herzen derer, die ihn: angehören, die Flamme der Begeisterung für die Bildung des Geistes. Zeitungsnachrichten und Correfponderrzen. Deutschland. In Herlhulba (Bayern) fand am 13. Adar I die Einweihung der dortige«, neuerbauten Synagoge statt. Herr Distr. - Rabbiner Bambergcr aus Kissingen hielt die Festrede in sehr erhebender Weise Heilbronn, 22. Februar. In der hiesigen isr. Kirchengemeinde ist chrne auch für andere jüd. Religionsgemeinden wichtige Frage nach mehrjährigen Unterhandlungen zwischen der israelitischen und der politischen Stadtgeineinde endlich zum Austrag gekommen. Die Kirchengemeinde hak vor etlichen Jahren einen neuen Friedhof angelegt, dessen Anlage und Umzäunung nebst dem Areal und dcni Gebäude auf ea. 10,000 fi. zu stehen kam und beanspruchte hiezu von der Stadt einen entsprechenden Beitrag. Da der größere Flächenraum infolge des jüdischen Gesetzes, wonach die Todten nicht wieder ausgegraben werden, von der politischen Corporation nicht bezahlt werden muß, so begnügte man sich mit einem Beitrag von baaren fl. 2000., die in voriger Woche ausbezahlt wurden. Hamburg. Der Israel. Feuerungsverein von 1855 ^veröffentlicht folgende Anzeige an seine Mitglieder: Indem der Vorstand sich beehrt, die Abrechnung des Jahres 1871 zu veröffentlichen, gereicht es ihm zur Freude, die gedeihliche Fortentwickelung des Vereins wiederum constatiren zu können. Gegen 39 ausgetretene gewann der Bereu: 60 neue Mitglieder, so daß derselbe nunmehr 1008 Mitglieder zählt. Die Zahl der in regelmäßiger Vertheilung vergebenen Portionen stieg von 201 auf 210. Außer den hierfür ausgegebenen 3744 Mark 12 Schillinge landen sich in der Abrechlumg noch 2439 Mark 3 Schillinge als Betrag von zwei Extraverloofnngen während des vorjährigen harten Winters,Jourch welche ebenfalls 210 Familien bedacht wurden. Tbeils liervorgeruren durch die gesteigerte Thätigkeit des Vereins, tbeils durch Jnconvenienzen, welche sich bei deren Ausübung ergaben, stellt sich' die Nowwendigkeit heraus, einige Artikel des Statuts zu verbessern. Die Generalversammlung des 17. Februar aeceprirte den betreffenden Antrag des Vorstandes und wählte ein Revifionseomitö von 15 Mitgliedern. Das ucuvcintnvtc Statur wird einer daldtbrmlichst zu berufenden Generalversammlung zur Genehmigung vorgelegt werden, Ja die Summe der zufälligen Einnahmen und Geschenke zeigt zu unfern: Bedauern ein Abnehmen gegen Vas Vorjahr. Der Vorstand richtet daher an die verehrten Mitglieder die Bitte, nach Kräften, für die Zuwendung solcher Gabel: und für die Gewinnung neue: