Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1872)
- Date
- 1872-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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215 Auflehnung gegen den Staat, d. i. seine Person grbN Wie auch fanatischer Hatz und Blutgier in den dunklen Reifen des Mittelalters gegen die Inden gewntbet Naben mag, nie waren sie so vollkommen schütz- und rettungslos einem bejammernswerthen Geschicke preisgegeben gewesen wie hier. Wurden sie auch in einem Lande verfolg'., ,o flau», ihnen ein anderes zur Rettung offen, lodtete man die Juden einer Stadt, ja eine» Landes, io waren doch ihre Brüder in anderen Städten und Ländern in Sicherheit; aber hrer standen sie Alle unter einem Herrscher, der die ganze bekannte JWelt _ beherrschte , wohin hätten sie fliehen sollend Ja, hätten sie es gekon'.ii, würden es ihre Mitbürger geduldet baden. daß ihre Beute sich ihnen entziehet Treffend bemcrken daher unsere Weisen, datz der Deoment, in welchem Achaschwerosch seinen Siegelring dem Haman gegeben , mehr Eindruck ans Israel gemacht habe, al» 'ämintliche Propheten und Prophetinnen, die ihr Bol! ermahnt und zur Butze aufgewrdert haben. Wie äußerst gleichgiltig übrigens der Tvranu diesen Act der vollendetsten Grausamkeit ignorirte, beweist der Umstand, datz er nicht ahnte, woraus Esther hindeuten wollte, als sie sprach: „Denn wir sind verkauft worden, ich und mein Polt, um es zu vertilgen, zu morden ^ind zu Grunde zu richten; ja wären wir noch als «sclaven und Sclavinnen verkauft worden, so hätte ich geschwiegen, aber der Dränger achtet den Schaden des Königs nicht." (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 28. Februar. Wir kommen soeben von emer traurigen Reise zurück; Jonas Lob (Firma Gebrüder Lob in Bingen) ist nicht mehr, Gort hat ihn zu Sich genommen. Ueberall, wo man den edlen Dahingeschiedenen kannte (und das ist so ziemlich in ganz Deutschland und Holland), wird diese Schmerzenslunde Trauer Hervorrufen. Einer der edelsten, frömmsten, bravsten Männer ist mit den: Verblichenen von binnen gegangen. Jonas Lob p'E, der älteste der in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannten Gebrüder Lob aus Bingen, war einer in Israel hervorragenden Familie entsprossen. Einer seiner Vorjahren väterlicherseits war der berühmte Kur-Kölnische Landrabbiner Rabbi Juda Löb Mehl er , der ln Deutz bei Köln seinen Wohnsitz hatte; seine Mutter war eine Enkelin des nicht minder berühmten Mainzer Oberrabbiners Rabbi H e r z S ch e u e r Er selbst war ein pnaio toP“. des sehr bedeutenden Dinger Rabbrnen Rabbi Nathan Ellinger . unter dessen Leitung er sich große talmudische Kenntnisse erworben batte. Welch' eur edler Arensch der Dahingcschiedene gewesen, wie groß und innig Eine Frömmigkeit war, welch' euren guten Namen er bei Allen binterlussen . Ne ihn - kannten, das entzieh: sich jeder Beschreibung. Ost Monate lang aus Reisen, war er stets im höchsten Grade und ertrug lieber bie größten Entbehrungen. ebe er etwas genossen batte, über dessen streng südliche Herrichtung auch nur der geringste Zweifel obwaltete. In des Wortes wörtlichster Bedeutung waren die Armen stets ferne Hausgenossen wie übcrbaupt seine Wohlthängkeit keine Grenzen kannte. Als Vorsteher seiner Gemeinde < Bingen) üid)re er in dieser den altjüdischen Geist mit Aufbietung aller Kräne zu erhalt.u, ilud als ihm das bei Wiederbesetzung der vacanten Rabbinerstelle Nicht gelingen wollte. zog er es vor, nach Frankfurt a. M. überzusiedeln. Sckon krank, war es ihm nur wenige Atonale vergönnt, dort zu wohnen. Was er am Meisten in dieser Zeit beklagte, war, datz die Armen seine Adresse noch Nicht kannten und datz es ihm in Frankfurt nickt vergönnt war, wie ehedem in Bingen, persönlich Gaben auszurheilen und die Bedürftigen an feinem Tische zu speisen. Montag, den 2o. Februar, gegen Abend erlag er seinen langwierigen imt> schmerzlichen^ Leiden im noch nicht vollendeten 56. Lebensjahre. Ein nicht endenwollender Trauerzng folgte beute 'einer Leiche. Am Eingänge des Friedhofes hielt Herr Rabbiner Hirsch '"r eine ebenso ergreifende wie erhebende Trauerrede. Nachher sprach der Herausgeber dieser Blätter und widmete dem geliebten Freunde und nahen Verwandten einige Worte. Möge der Allgütige .BE die trauernde Wittwe, die vaterlosen Waisen sowie Alle um diesen großen Verlust Schmerzerfüllten trösten unter denen, so um Zion und Jerusalem trauern. Gersfeld, 23. Februar. Einen herben Verlust hat die hiesige Gemeinde erlitten. Gestern starb nach langen Leiden der allgemein geachtete Herr I. B. Kupfer dahier, der zu den Besten seines Volkes zählte. Herr Kupfer gehörte zur orthodoxen Judenheit, und je schmerzlicher wir es in unserer Zeit fühlen, wenn die Frommen dahinschwinden, die Reihen der Gerechten gelichtet werden, so ist dieser Todesfall für die Gemeinde um so bedanernswerther, als der Verblichene zu den Wohlhabenden derselben gehörte. Herr Kupfer war zwar kinderlos, aber durch seine wohlthätigen Stiftungen hatte er sich ern ewiges Denkmal errichtet, das besser ist, als alle in Stein und Erz gegrabenen Monumente. Berlin. Der erkrankte Abgeordnete Dr. Kosch, welcher die letzten Wochen, in die stillen Räume der Präsidialwohuuug als Gast des Präsidenten von Forcken-