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Der Israelit · 1872-02-28 · Heft 9 (28.2.1872) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 9 (28.2.1872)
Date
1872-02-28
Page
– (sequence 23)
Language
German
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303 *»* Acccnstoncn. ft lende, H. Dr. med. Die Aeutter als Erzieherin ihrer Töchter und Söhne re. Lcivzig 1870. (Kummer.) 8°. VIII. 620 S. Es freut uns, dem Publikum wiederum das Buch eines Mannes vorführen zu können, der es sich als seine vorzüglichste Aufgabe gestellt hat, durch seine Schriften auf die gesundheitliche Erziehung des Kindes einzuwirkcu und dieselbe zu fördern. Zeugt schon das früher von uns besprochene Werk dieses Autors „Schuldiätetik" von seiner Liebe zu den Kindern und der Menschheit, so müssen wir aber noch mehr die ganze Hingebung an die Sache der Kiudererziehung bewundern, wenn wir wahrnehmen, wie der Vers, im vorliegenden Werke die Mutter Schritt auf Schritt begleitet von der Entstehung des Kindes an bis zur entwickelten Reife, um ihr warnend und rathend zur Seite zu stehen. In der blühenden fesselnden Sprache, die wir an dem Vers, gewohnt sind, lehrt er die junge Frau, sich würdig auf ihren Mutterberuf vorbereiten, lehrt sie das neugeborne Kind ernähren oder ernähren lassen, gibt Winke und Belehrungen über Kinderzimmer, Kleidung, Nahrung u. s. w., stellt sich mit der Mutter an das Bcttchen des kranken Kindes, daß sie befähigt werde, selbst heilend einzugreifen bei unbedeutendem Unwohlsein und aber auch zugleich die Symptome erkennen, die bedenkliche Krankheiten ankündigen, daß im vorkommenden Falle zeitlich vorgesorgt werde, und Hilfe nicht zu spät komme. So wird das ganze Kindesleben durchgegangen bis zu der Zeit, da die vollendete Entwickelung diese Lebensstufe abschließt. Aber auch das sittliche Moment ist nicht versäumt, auch in Beziehung der Charakter- und Geistesbildung werden bcherzigenswerthe Lehren gegeben, die uns erkennen lassen, daß der Vers, nicht allein Arzt ist für körperliche Leider: und Gebrechen, sondern sowohl theoretischer als praktischer Psychologe durch und durch. Möchten die Mütter, an die sich der Vers, wendet, und denen ja auch ganz besonders, im Innern des Hauses waltend, die Pflicht der Erziehung obliegt, diese ihre Pflicht immer mehr erkennen und durchdrungen werden von der Heiligkeit ihres hohen Berufes. Sie werden dann gewiß mit Freuden zu einem Buche greifen, das ihnen werthvolle Belehrung und Rathschläge gibt, wie sie ihrer Pflicht genügen sollen und eine Lectüre, wie die des vorliegenden Werkes, wählen, die ihre Mußestunden edler und nutzbringender ausfüllt als die so mancher unserer heutigen Romane, die keinen andern Zweck, als die Zeit todtzuschlagen, haben. Der Preis vorliegenden Buches ist sehr mäßig, und die Verlagshandlung hat für eine splendide Ausstattung gesorgt. Der pädagogische Hausfreund. Zeitschrift für populäre Psychologie und Erziehungskunst: herausg. von Dr. S. Dessau, Lehrer in Frankfurt a. M. Jahrg. II. Januar 1872. Stuttgart (Werther) Von dem als praktischen und theoretischen Schult manne wohlbekannten Herausgeber dieser Zeitschrift läß. sich nur Gediegenes erwarten, und wirklich hat es dieselbe seit der kurzen Zeit ihres Bestehens schon verstanden, sich viele Freunde und Anerkennung zu erwerben. Die Zeitschrift will eine Verbindung zwischen Schule und Familie anbahnen und zur Bildung von Erziehungsvereinen anregen. In dem ersten Aufsatze „Ideale Ziele — Praktische Wege" wird gezeigt, datz was bisher für Bildung von Erziehungsvereinen gethan worden, wie die Gründung eines solchen „allgemeinen" ru Dresden , wohl ein schöner Anfang sei, aber das Ziel verfehle, sobald das Fröbelsche Erziehungssystem als conditio sine qua non ausgestellt werde, da einmal dem Fortschritt ein Stillstand geboten sei, wenn man von vornherein sich au eine Autorität bindet und in einem beftimrnten Systenr das Arkanunr aller Erziehungsschäden finde. Zweitens wird man aber auch nicht leicht über die Frage hinauskommen und befriedigend beantworten können, wie das Fröbelsche System über den Kindergarten hinaus in die Praxis der eigentlichen Lernschulen eingeführt werden könne % Erziehungsvereine, — einzelne, unter sich gesonderte — wie die Tendenz vorliegender Zeitschrift sie anregen möchte, sollen Schule und Haus verbinden, das Bestreben ergänzen, die Erziehung innerhalb der Familie zu verbessern, und diese zur Theilnabme an allen Fragen, die den öffentlichen Unterricht und die Volkserziehung betreffen, anzuregen, doch alles mit Rücksicht auf und im Anschluß an die gegebenen Verhältnisse. Wie die Hindernisse, die sich solchen Vereinen entgegenstellen, zu beseitigen seien, wird der Verfasser in einer späteren Abhandlung zeigen. Ob Erziehungsvereine auf dem Lande zu gründen möglich sei? darüber werden verschiedene Stimmen gehört; zwei Berichte, der eine aus dem Großherzogthum Hessen, der andere aus dem Regierungsbezirk Aachen, sprechen sich ungünstig darüber aus (letzterer entwirft uns zugleich eilt sehr trauriges Bild der Volksbildung), während ein Bericht aus dem Regierungsbezirke Köln günstige Resultate verspricht. — Das Psychologische ist vertreten durch eine Abhandlung ,, Neckereten ". — Die hochwichtige Tendenz der Zeitschrift wie die Gediegenheit des Inhalts sind Grund genug, Allen, welche für Volksbildung und Schule ein Interesse haben, dieselbe aufs Wärnfftc zu empfehlen. Der Preis des ganzen Jahrgangs (12 Hefte) beträgt nur 1 Thlr. 18 Ser.

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