Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1872)
- Date
- 1872-02-28
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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204 Michael Faraday. Naturgeschichte einer Kerze. Sechs Vorlesungen für die Jugend. Dtsch. von Lüdecke. Berlin 4871. (R. Oppenheim.) 158 S. kl. 8°. Eine brennende Kerze bietet dem bekannten geistreichen Physiker Gelegenheit, eine Reihe chemischer und physikalischer Erscheinungen und Gesetze durch Experimente zu erläutern. Nachdem die Herstellung der Kerze mitaetheilt wird , werden wir darüber belehrt, wieso die Kerze brennt, was verbrennt, welche Stoffe in der Kerze sich vorfinden , welche chemische Processe beim Verbrennen vor sich gehen, wie die Luft einwirkt, welche Theile der Lust das Brennen fördern, welche es hindern resp. mildern u. s. w. u. s. w. Wir schöpfen eine Menge von Belehrungen aus diesem Buche; die Darstellung, deren Verständniß durch erläuternde Abbildungen gefördert wird, ist frisch und lebendig und ganz dazu geeignet, die Jugend daran zu gewöhnen, auch die gewöhnlichste Erscheinung im Leben sinnend und denkend zu betrachten, und deck Gedanken zu nähren, daß es Nichts im Leben gibt, das nicht von den; unbeugsamen Naturgesetze geordnet und geregelt wird, daß Alles, und scheine es auch das Unbedeutendste, eine Folge der strengen Gesetzmäßigkeit ist, die Gott in die Natur gelegt hat. Correfporrdenz. Aus Hessen. I. Mit dem Religionslehrerstand im Großherzogthum Hessen ist es im Durchschnitt ziemlich gut bestellt. Man trifft da Leute an, die im Stande sind, einen Religionsunterricht zu ertheilen, ganz wie er sein soll, die der jungen Kinderwelt auch etwas von der heiligen min, die unser Palladium ist, beizubringen vermögen. Der Unterricht im schriftlichen Gesetze soll bei uns unstreitig den Hauvt-Religronsunterrtcht bilden. Alle modernen Neligionsbüchlein sollten mit Recht aus den Schulen verbannt werden, denn sie sind nichts weniger als nutzbringend und als Religionsbuch würden wir einfach das nsv Dtcrn nisfD empfehlen, das sämmtliche Pflichten und Vorschriften des Juden in gedrängter Kürze vorführt und erklärt und in der Schule, natürlich mit schon mehr herangewachsenen und verständigen Kindern, durchgenommen und gründlich erläutert werden könnte. Wenn es nun, wie wir 'hiermit haben sagen wollen, Religionslehrer gibt, die den Unterricht auf diese Weise zu ertheilen im Stande sind, so müssen wir leider auch vom Entgegengesetzten, von Schattenseiten, berichten. Es gibt viele Religionslehrer, die diesen Namen nicht verdienen, die sich, wie es schon einmal in diesen Blättern hieß, in das Schulfach nur hineingeschmuggelt haben. Dem alten Bachurimwesen sei ein Ende gemacht, heißt es, aber ein neues ist an dessen Stelle getreten, fügen wir hinzu. Es ist wahrhaft traurig, den Schwindel wahrzunehmen, der hiermit getrieben wird. Alte und junge Leutchen, die nichts gelernt und nichts vergessen haben, die nicht einmal einen Vers VOM unvorbereitet übersetzen können, werden Religionslehrer. Von einem weiteren Wissen im Hebräischen kann gar nicht die Rede sein, 'an? Böhmische Dörfer! Dix "n? muvo? etwa gar mm? Dittoj! Alles, Alles fremd, und diese Leutchen lassen sich Religionslehrer nennen! Doch die Gemeinden müssen froh sein und sind froh, wenn sie dieselben haben können. Woher kommt das? Das kommt daher, weil die tüchtigen Religionslehrer, die sich wirkiich ein Wissen im Hebräischen sowohl wie im Profanen erworben haben, nicht honorirt werden, wie es ihnen gebührt. Doch hierüber wollen wir nicht schreiben, nicht klagen wollen wir, denn diese Klagen sind schon recht oft geführt worden und nutzlos verhallt, nein, wir wollen nur von dem Religionslehrerstand im Allgemeinen berichten und zeigen, wie es mit ihm bestellt ist. Ja, die Gemeinden sind froh, wenn sie nur „Jemanden" gefunden haben, der ihre Kinder lesen lehrt, und da haben sie vielleicht nicht ganz Unrecht. Das Lesen ist natürlich das Element, das die unterste Grundlage bildet, und die muß doch zunächst gelegt werden. Aber auch auf ein Weiteres sollten die Eltern bedacht sein und um ihren Kindern umfassendere Kenntnisse im Hebräischen geben zu lassen, den Willen zeigen und zu dem Zwecke solche Lehrer engagiren, die diesen Anforderungen Genüge leisten zu können die Fähigkeit besitzen, und von der Wichttgkeit und Tragweite ihrer edlen Aufgabe durchdrungen und begeistert sind. Nächstens wollen wir über die Aufgabe des Religionslehrers sprechen, die Unterrichtszweige, die er zu lehren hat, einzeln vor unserem geistigen Blicke vorüberziehen lassen und Lehrbücher, die nutzbringend sein dürsten, in Empfehlung bringen. MF* Correspondenzen und Beiträge für die Pädagog. Beilage des „Israelit", wie Bücher pädagogischen Inhalts zur Besprechung in diesen Blättern wolle man gefälligst adressiren an vr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchen Hofhuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.