Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1872)
- Date
- 1872-02-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447561--10212-2465943- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 nnb i'vbli des dortigen vor Kurzem verewigten Rabbiners brr":, brachte mit seinem Antritte im Amte, der Gemeinde neues Leben, und erweckte deren Sinn für min und jüdische Institutionen. Namentlich trug er dazu bei, daß der Jugend mehr Aufmerksamkeit gewidmet; der Unterricht in den Schulen organisirt; und in erster Reihe wurde das hebräische Fach, speciell -nQboi und '"«n eifriger denn je frequentirt. Auf seine Anregung, da ihn die Gemeinde bald als treuen Führer verehrte, wurden manche religiöse Vereine und Wohlthätigkeitsanftalten in's Leben gerufen, und es fand sich kein einziges Mitglied, welches ihm nicht bei solchen Gelegenheiten freundlich entgegen gekonrmen wäre, und sein Schärflein beigetragen hätte. Auch ist man in religiösen Suungen und Einrichtungen in der ganzen Geeines Sinnes, und findet daselbst Alles, was sich Reform oder Neuerung nennt, nur den unfruchtbarsten Boden, Als vor Wochen die traurige Kunde, von dem Ableben des pupn m"« jwn in die Gemeinde drang, herrschte daselbst die größte Bestürzung. Der Rgbbiner, dem diese Thcilnahme nicht entging, verstand es, den Moment zu wiirdigcn, indem er, als Anerkennung für den Dahingeschiedencu einen allgemeinen Trauertag anordnetc, welcher denn auch als dis di» “icdd gefeiert wurde. Die Rede des Herrn Rabbiners, in welcher derselbe unter Anderem als Ersatz für den Verlust des großen Mannes, das Fortlebcn in seinem Geiste, das Festhalten an nvnpn min, für welche er gelebt und gewirkt, bezcichnete, verfehlte ihren Eindruck in keiner Weise, und zur selben Stunde nahm er der Gemeinde das Versprechen ab, sofort für die Abhaltung religiöser Vorträge einen Verein zu gründen. Möge diese Gemeinde fortfahren, die Worte ihres würdigen Oberhauptes zu beherzigen, und in den Tagen, wo der Kampf um die Existenz des wahren Judenthums immer weiter greift, ausharrcu auf dem Standpunkt ihrer festen Ueberzeugung; möge sie als Muster der Religiosität und des Gemeinsinus, des Friedens und des Zufammenhaltcns, ihren Nachbargemcmden zur Nachahmung dienen. D. Skudczky. Lemberg, 12. Febr. Wiener Blättern wird berichtet: Vor mehreren Wochen faßte der hiesige Gemeinderath den Beschluß, die Bekenner des jüdischen Glaubens von dem Mitgenusse der Lemberger Wohlthatigkeitsfonds und Anstalten auszuschlicßen. Dieses polnisch-humane Princip wird auch von den anderen autonomen Organen bis zum Landesausschnß hinauf getreulich befolgt, wie nachfolgender Fall, der sich hier zugetragen, beweist: Eine junge Jüdin meldete sich neulich in hoch kritischem Zustande zur Gebähr-Abtheilung des von den Barmherzigen Schwestern geleiteten allgemeinen Krankenhauses. Nachdem sich das arme Weib einen ganzen Tag von Instanz zu Instanz hatte Herumschleppen müssen, erhielt sie zuletzt den Bescheid, daß sic in das allgemeine Krankenhaus nur gegen anticipativen Erlag der Pflegekosten für drei Monate im Gesammtbetrag von 54 fl. Aufnahme finden könne. Nun, wer über 54 fl. verfügt, dürfte wohl kaum um die Aufnahme in das allgemeine Krankenhaus sich bewerben. Das arme Mädchen blieb buchstäblich auf der Gasse liegen, woselbst sie sammt dem Sprößling, den sie inzwischen geboren, am nächsten Tage verschied. So geschehen im Jahrhundert der Civilisation und der Humanität in der Hauptstadt Galiziens, in einer der größten Provinzialstädte des Reiches! Feuilleton. Iur Hphir-Irage. L>o erfreulich es ist, daß der unermüdliche Eifer des wackcrn deutschen Afrikareisenden Mauch nicht allein durch Gold- und Diamantenfunde, sondern auch durch ungeahnte Entdeckungen von hohem archäologischen Interessen belohnt wird, so nöthig scheint es uns, die ernstesten Bedenken gegen die eiligen Schlußfolgerungen auszusprechen, welche Freund Petermann in Gotha (Nr. 7 d Bl. vom 13. Februar) sofort an die vorläufigen kurzen Nachrichten über den Charakter jener Ruinen anknüpft. Schon zum dritten oder vierten Male seit Kurzem sehen wir hier wieder die vier Jahrhunderte alte portugiesische FabA aufgewärmt, die das damals neucntdcckte Goldland Sofala mit dem biblischen Ophir in Zusammenhang bringt. Wer jene Ueberlieferungen über ältesten Völkerverkehr auch vom sprachlichen Standpunkt studirt hat, weist doch, daß die Ophirfrage längst nicht mehr eine offene, sondern namentlich durch Lassens gründliche Untersuchung schon vor einem Vicrteljahrhundert definitiv zu Gunsten Indiens entschieden ist: in erster Reihe dadurch, daß die in der Bibel überlieferten Namen aller heimgebrachten Produkten Ophirs (Elfenbein, Pfauen, Affen, Spezereien) als kaum veränderta.Sanskritwörter und Ophir's Name selbst als die mdische Benennung des unteren Jnduslandes: Abhira nachgewiesen, und die Bedenken wegen der natürlichen Goldarmuth dieses Theiles von Indien widerlegt worden sind. Dieses Indien, das nachweislich seit und wahrscheinlich vor jener Zeit in beständigem Seeverkehr mit den Ländern des Westens, namentlich der Euphrat-