Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1872)
- Date
- 1872-02-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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runter auch der Rabbiner — wohnen, welcher ebenfalls ohne weitere Verdachtsgründe eingekerkert wurde. Es hat sich auch ferner herausgestellt, daß ein Beaniter der Polizerpräfectur, welcher schon zu wiederholten Malen Erpressungen bei den Israeliten gemacht, den größten Antheil an den großen Excessen hatte, welche von dem Pöbel vollbracht wurden, Excesse, über deren Beschreibung wir zunächst hinweggehen. Wie wir soeben vernehmen, hat die Negierung eine besondere Commission zur Untersuchung der ganzen Asfaire eingesetzt und ist der General - Procurator, Herr Borschu, ein Mann, dem der Ruf der Unparteilichkeit zur Seite steht, bereits nach Jsinail abgereist. (Rum. Post.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. Das Breslauer Seminar hat seinen neuen Jahresbericht veröffentlicht. Durch den Buchhandel ist derselbe nicht zu beziehen, und daß die Herren Breslauer ihn uns nichtsenden, wundert uns gar nicht. Wir müssen daher aus eigene Beurtheilung verzichten und beschränken uns darauf, dasjenige im Auszuge hierherzustellen, was der „Univ. Jsr." darüber sagt: Der Jahresbericht ist beinahe derselbe wie in den verflossenen Jahren. Wir heben jedoch besonders folgende Stelle hervor: „Was die Beßten unseres Volkes sich schon lange gewünscht: die Gründung eines jüd.-theologischen Seminars, als Pflanzschule der jüd. Wissenschaft, als Observatorium des Glaubens, als eine Akademie der freien Lehre, dürfte sich in dieser Institution realisiren." Wir haben dagegen Folgendes zu bemerken: Die Interpretation der heiligen Schriften und des Gesetzes ist bestimmten traditionellen Regeln unterworfen; sie stammen vom Sinai wie der Text der Thora 'J’dd ntfoS robn. Kann also in einer Rabbinerschule, die die Bestimmung haben soll, die ewigen Principien, die Wahrheit und die praktischen Befehle unserer heil. Religion in Israel zu verbreiten und aufrechtzuerhalten, von einer freien Lehre die Rede sein? Außerdem überrascht uns in diesem Jahresbericht der Theil desselben, der von dem überschwenglichen Lob, welches man dem Oberrabbiner Frankel bei Gelegenheit der Feier seines 70jährigen Geburtstages gezollt hat, redet. Das Seminar hat diesen Geburtstag am 8. Oktober v. I. mit großem Pompe gefeiert und sein ofsiciöses oder officielles Organ, „die Wochenschrift," hat über alle Details des Festes, über alle Ehren und Ehrenbezeugungen , die dem Lehrer erwiesen worden, Bericht erstattet. Ist es aber passend, daß in einem Document, das direct vom Institut, d. h. gewissermaßen vom Director selbst ausgegeben wird, dessen Ruhm in enthusiastischer Weise besungen wird? Es ist wahr, das Schriftstück ist von einem Professor des Seminars, also von einem dem Herrn Director subordinirten Lehrer unterzeichnet! Moses, der Lehrer aller Lehrer, dessen Auditorium ans dem ganzen Volke Gottes bestand, hatte nicht erlaubt, daß man soviel Weihrauch vor ihm ausstreue. Und der fromme und berühmte Oberrabbiner Jacob Ettlinger von Altona hat verboten, daß man ihn nach seinem Tode Zadik nenne. Berlin. Als Nachtrag zu einer Ihrer jüngsten Correspondenzen über die theologische Facultät dürfte für Ihre Leser die Mittheilnng nicht uninteressant sein, daß endlich die Stelle eines Talmudlehrers durch einen Herrn vr. Levi aus Krotoschin besetzt werden soll. Anfänglich drohte die Wahl des Comite's an dem Gewifsensscrupel _ des betreffenden Herrn zu scheitern , dessen bessere Einsicht ihm doch klar die Unmöglichkeit zeigte, den Zöglingen dieses Instituts die nson mnn zu ertheilen. Auf die Zusage nun, daß er lediglich dazu verpflichtet sei, seinen Hörern den Besuch seiner Vorlesung zu testiren, nahm Herr vr. Levi die Stelle an. Es ist dies uns um so unerklärlicher, als der Gewählte, bisher als ein talmudisch gebildeter, orthodoxer Jude bekannt, sicherlich mit den Intentionen seiner College» nicht unbekannt sein dürfte. Es klingt auch etwas sehr unmännlich, sich gegen die Stimme des eigenen Gewissens hinter der Zusicherung von Seiten seiner Collegen zn verschanzen, daß er durchaus nicht genöthigt sei, eine n*nn mnn für seine Hörer auszustellen; und gesetzt, es würde die Ertheilung des talmudrschen Unterrichtes in vollkommen traditioneller Weife geschehen — es stehe auch dieser Annahme kein Grund des Zweifels entgegen — so ist es doch unter der Würde des gerechten Selbstbewußtfeins eines Mannes, die Autorisation zur Entscheidung ritueller Fragen aus der eigenen Hand in die eines Mannes zu legen, dessen Principien mit der Grundbasis jüdischen Lehrens und Glaubens in schneidendem Widerspruche stehen. Sollte indeß dieser Wahl die Absicht unterliegen, die Orthodoxen durch diese Ac^ qnisition heranzuziehen, so könnten sich doch die Herren verrechnet haben. Denn die orthodore Partei hat bereits ihre Rabbinatsschule in Berlin und kann auf die Heilsverkündigungen dieser neuen Apostel gerne verzichten. Erst in den jüngsten Wochen hat die Rabbinerschnle des Herrn vr. Hildesheimer ein glänzendes Zeugniß ihrer Leistungsfähigkeit abgelegt. Nach füufjährigenr Studium wurde nänrlich in einem der täglichen 5NV2' 5DDB DnirtP beendet. In festlicher Stimmung