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Der Israelit · 1872-02-28 · Heft 9 (28.2.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 9 (28.2.1872)
Date
1872-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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18s So war es; sofort nach dem Tode des Herzogs waren die Landstande zusammengetreten, hatten den nächsten Erben, den Prinzen Carl Alexander, als Herzog von Württemberg proclamirt und den Oberst von Remchingen nebst dem Justizrath Schesser beauftragt, den neuen Landesfürsten von der türkischen Grenze herbeizuholen. Earl Alexander, mit Leib und Seele Soldat, hatte sich in Belgrad ganz wohl gefühlt; er hatte die zerstörten -Festungswerke wieder Herstellen lassen, und bei den ewigen Reibereien mit den Türken fehlte es ihm nicht an Zerstreuungen, die nach seinem Geschmack waren. Anders erging es seiner Gemahlin, die sich in Belgrad herzlich langweilte; ihr fehlte der geistreiche Umgang, an den sie in Brüssel gewöhnt wor< den war. Die Wasfengefährten ihres Gemahls waren wenig dazu angethan, der geistvollen Frau genügende Unterhaltung zu gewähren; da war es denn SÜß, der stets für angenehme Zerstreuungen selbst hier an der Grenze der Civilisalion zu sorgen wußte. „Wenn ich Süß nicht hätte," Pflegte die Prinzessin zu sagen, „ich müßte hier sterben vor langer Weile." Eines Tages ritten der Prinz und seine Gemahlin spazieren. Süß, ebenfalls zu Pferde, folgte in Begleitung einiger Offizieren. „Mon eher," sagte die Prinzessin zu ihrem Gatten, „bittet doch den Kaiser, daß er Euch aus diesem langweiligen Belgrad abberufe; je me meurs ici — ich sterbe fast vor langer Weile; wenn Euer vortrefflicher Jude nicht da wäre, ich hätte es solange nicht ausgehalten. Aber jetzt ist es gerade genug,. Drei Jahre lang haben wir hier fern von der cwilistrten Welt gelebt; wir haben dem Kaiser gegeben, was des Kaisers ist; länger noch uns hierher zu verbannen, das kann Kaiserliche Majestät nicht verlangen." „„Vous avez raison raa chere* 1), doch will mich schier bedünken. daß cs für einen Soldaten sich nicht schicke, einen andern Platz zu fordern als den, wo er am Nützlichsten seit: kann. Wir haben jetzt Friede in der ganzen Welt; nur hier an der türkischen Grenze gibt es dann und wann einige Scharmützel — mein Platz ist deßhalb hier. Doch wenn Ihr Euch einige Zeit nach Wien oder Paris begeben wollt dazu bedürfte es Geld, das ich nicht besitze." „Hört Ihr keine Neuigkeiten von Stuttgart?" „„Nichts, als daß Eberhard Ludwig seine thürichten Hoffnungen endlich hat fahren lassen und sich mit einer neuen Freundin, der Gräfin von Wittgenstein tröstet. Doch, welch ein Wagen mit militärischer Escorte kömmt die Landstraße heruntergefahren! Was mag das bedeuten?" Der Prinz und die Prinzessin hielten ihre Pferde an und ließen ihr Gefolge herankommen. „Siehst Du den Wagen dort, Süß?" fragte der Prinz. „„Das ist eine Stuttgarter Kalesche!" sagte Süß, den Wagen betrachtend, „Gnädigster Herr, wünschen Sie Sich Glück!" „Du meinst . . . .?" „„Ich meine, Eberhard Ludwig hat sich zur Ruhe begeben. Ich hatte vor drei Tagen einen Brief von meinem Freunde Hellwachs, in welchem er mir von einer schweren Krankheit des Herzogs berichtet."" „Und Du hast mir nichts davon gesagt?" „„Ich wollte meinen gnädigsten Herrn nicht mit vielleicht trügerischen Hoffnungen aufregen."" Unterdeß war der Wagen den Berg herabgerollt. Als die Insassen desselben die Reiter erblickten, riefen sie dem Kutscher ein lautes Halt zu. Remchingen und Schesser sprangen heraus und riefen mit lauter Stimme: „Hoch lebe Carl Alexander, Württembergs ruhmgekrönter Herzog!" „„Hoch lebe Seine Durchlaucht, unser allergnädigster Herzog!" riefen Süß, die Offiziere und die Soldaten, welche den Wagen escortirt hatten. Alle entblößten ihre Häupter. „Oberst Remchingen!" ries Carl Alexander, ,,Jhr seid's, der mir die Freudenbotschaft bringt? Also ist Eberhard Ludwig zur ewigen Ruhe eingegangen? Oberst Remchingen, ich ernenne Euch zum General. Und wer seid Ihr, mein Herr?" fügte er, sich an Schesser wendend, hinzu. „Euer Durchlaucht unterthänigster Diener," antwortete dieser, „Justizrath Scheffer." „„Ihr seid Kanzler, von heute an."" „Dank Euch, serimssime2), vielen Dank," sagte Remchingen. „Seine Excellenz, der hochmögende Premierminister, Gras von Grüvenitz . . . ." „„Was, der Bruder der Landesverderberin?^ Ist der noch immer am Ruder? Der wird auf der Stelle sortgejagt. Ich habe bereits einen Andern an seiner Stelle ernannt. Mein bisheriger Finanzagent hier, Süß Oppenheimer, steht von nun an an der Spitze meiner Regierung."" (Fortsetzung folgt.) 2) Durchlauchtigster! Hierzu vier Beilagen. 0 Ihr habt Recht, meine Liebe. Verantwortliche Nedaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Noux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Main-. \

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