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Der Israelit · 1872-02-28 · Heft 9 (28.2.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 9 (28.2.1872)
Date
1872-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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187 gesorgt, daß unsere Kassen leer geworden sind. Jetzt brauche ich Geld zur Reise. In Belgrad können tvix sparen." „„Gnädigster Herr, jetzt Geld zu schaffen wird nicht gut möglich sein. Haben Sie von den jüngsten Ereignissen in Stuttgart gehört?"" „Daß mein Vetter auf das Andringen des Königs von Preußen die Grävenitz fortgeschickt hat?" „„Und daß sich Eberhard Ludwig mit seiner Gemahlin ausgesöhnt hat?"" Die Princessin lachte laut auf. „Wie alt ist der Herzog?" fragte sie „ „Vierundfünfzig Jahre." " „Eh ma cousine?4)tk „ „Ihre Durchlaucht, die Frau Herzogin, wird nicht viel jünger sein."" Die Prinzessin lachte aus vollem Halse. Der Prinz und Süß stimmten in das Gelächter mit ein. „„Nichtsdestoweniger hat man,"" nahm Süß darauf das Wort, „„Kirchengebete angeordnet, und in allen Kirchen Württembergs wird "allsonntäglich der liebe Gott angegangen, die Hoffnungen des herzoglichen Paares zu erfüllen und ihm einen männlichen Nachfolger zu bescheeren."" „Der männliche Nachfolger," sagte der Prinz „ist schon da, speist gegenwärtig in der guten, alten, freien Reichsstadt Frankfurt a. M., im Gasthof zum Weidenbusch zu Mittag und braucht Geld, viel Geld, um in Wien standesLemäß aufzutreten und Kaiserlicher Majestät seine junge Gemahlin vorzustellen. Also, guter Süß, schaffe Geld, nur diesmal noch: wenn ich erst Herzog bin, werde ich es Dir reichlich lohnen." Süß lief von Banquier zu Banquier; aber trotz seiner Gewandtheit und Überredungskunst gelang es ihm diesmal nicht, des Prinzen Wünsche zu befriedigen. Man hatte in Frankfurt von den Stuttgarter Kirchengebeten gehört, und Niemand wollte einem Prinzen Geld borgen, dessen Aussichten auf den Thron so tief erschüttert zu kein schienen. Der Prinz war im höchsten Grade mißmuthig. Gerade in Wien am kaiserlichen Hofe wollte er mit aller seinem fürstlichen Range gebührenden Pracht auftteten, wollte er mit seiner jungen Gemahlin glänzen — aber ohne Geld war das nicht möglich. Endlich bot Süß dem Prinzen sein Privatvermögen, und der Prinz nahm es an. So setzte Süß als ein kühner Spieler Alles, was er in vielen Jahren errungen und mit schwerer Mühe unter tausend Gefahren erworben hatte, auf eine einzige Karte. Wir sind nicht gewillt, dem Prinzen und seinem Gefolge nach Wien an den Hof des Kaisers Carl VI. zu folgen und den glänzenden Festen beizuwohnen, die rhm und seiner Gemahlin zu Ehren gegeben wurden und bei denen die Prinzessin Maria Augusta selbst die lunge, schöne Erzherzogin, die spätere Kaiserin Maria Theresia verdunkelte, wir lassen vielmehr den tapfern Feldmarschall Carl Alerander mit den Seinen nach Belgard reisen, um diese eben erst den Türken abzenommene Grenzseste für Kaiser und Reich 511 hüten, und dort drei Jahre verweilen: wir begeben uns nach Stuttgart, wo eine dumpfe Kunde durch die Straßen läuft. Herzog Eberhard Ludwig ist nach vierzigjähriger Regierung, 57 Jahr alt gestorben. So durchfliegt die Kunde die Gassen und die Häuser — Württemberg wird einen andern Herrscher haben. In einem Weinhause auf der Ludwigsstraße unterhielten sich zwei Beamte bei einem Glase Wein von den Ereignissen des Tages. „Er war doch ein guter Herr", sagte der Eine, „Gott habe ihn selig! Und hätte ihn die Grävenitz, die Landesverderberin, nicht verzaubert, er hatte sein Land glücklich gemacht." „„Was redet Ihr da, Herr Collega, von Verzauberung?"" „Wißt Ihr nicht, daß sie erst kürzlich den Kammerdiener Burkard bestechen wollte, daß er ihr von des seligen Herzogs Blut einige Tropfen verschaffe, damit sie einen Zaubertrank bereiten und des Herzogs verlorenes Herz wiedergewinnen könne?" „„Pah, wenn die Grävenitz wirklich so abergläubig war, so ist damit noch nicht gesagt, daß solch ein Zaubertrank auch gewirkt hätte. Ihr Zauber lag ganz wo anders; er lag in ihrer Schönheit, in ihrem Witze, und als die sie verlassen hatten, da war auch ihr Zauber zu Ende."" „Verzeiht, Herr Collega! Mit natürlichen Dingen ging das nicht zu. Eberhard Ludwig war ein gescheidter Mann, und dennoch hat er die Grävenitz geheirathet, ohne von seiner Gemahlin geschieden zu sein." „„Ja, wißt Ihr denn nicht, daß er sagte, er sei Pabst in seinem Lande, und wie einst der Pabst dem Grafen Ernst von Gleichen gestattet, zwei Weiber zu nehmen, so könne ein jeder protestantische Landesfürst als oberster Herr seiner Kirche sich ein Gleiches erlauben?" " „Nun, Aehnliches haben .wir von dem neuen Herzog nicht zu befürchten. Earl Alerander ist katholisch." „„Aber er hat sich aller Eingriffe in bk protestantische Kirche begeben; er hat bindende Reversalien ausgestellt. Gebe Gott in ihm unserm Lande einen besseren Regenten. Wer ist denn nach Belgrad gereist, um ihn herzuholen?"" „Der Oberst von Remchingen." 4) Und meine Cousine?

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