Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-02-28 · Heft 9 (28.2.1872) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 9 (28.2.1872)
Date
1872-02-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447561--10206-2465937
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

186 viele sogenaunten „Neuchristen" gibt, Abkömmlinge von Israeliten, die in früheren Zeiten gezwungen worden, ihren Glauben öffentlich abzuschwören, die sich heute noch nur unter sich verheirathen, am Versöhnungstage nicht arbeiten und an demselben fasten und sogar in die Synagoge in Lissabon kommen und die vielleicht eines Tages nach einem ganz freien Lande auswandern, um daselbst allzumal zum Glauben ihrer Väter zurückzukehren. Gibraltar. Die Zählung der Bevölkerung von Gibraltar ergab für die Israeliten die Ziffer von 1533, eine fast ebenso große Anzahl als die der Protestanten dieser englischen Festung. (Rev. Jsr ) England. London. Die „Evangelical Alliance“ hat in diesem Jahre das bisher stets am Sonnabend in der „Betwoche" gesprochene Gebet für Bekehrung der Juden weggelassen. Das Blatt „Christian Union" freut sich darüber und meint, es sei klüger und besser, aus schlechten Christen gute Christen zu machen, als aus guten (?) Juden schlechte Christen. (Jsr. Wochenschr.) London. Die voriges Jahr errichtete Wasch- Anstalt, an der arme jüdische Mädchen stets mit Arbeit versehen werden sollten, ist aus Mangel an Unterstützung wieder eingegangen. Herr L. M. Rothschild dahier hat die dem verstorbenen Banquier Avigdor in Nizza gehörige Bibliothek, bestehend aus hebr. und engl. Werken angekauft und sie der All Jsr. zum Geschenk gemacht. (Jew. Chr.) A m e r i k a. New-Norl. Unter den Mitgliedern der ältesten und reichsten Gemeinde, B'eni Jeschurun, die bisher zum größten Theile der orthoxen Richtung angehörten, ist durch eine, von einer kleinen Majorität beschlossene Reform, nämlich die Einführung der Orgel, großer streit ausgebrocheu Viele und angesehene Mitglieder haben in einer Versammlung einen vorläufigen Verein gebildet und ein Comite ernannt, das beauftragt ist, mit allen Mitteln dagegen zu arbeiten, daß diese und ähnliche Reformen in ihrer Gemeinde eingeführt werden. (Jew. Mess.) Feuilleton. Küß Oppenheimer. IX. Während Süß Oppenheimer mit dem Leibjäger des Prinzen nach Frankfurt zog, wartete Carl Alexander mit Ungeduld seines Hofagenten im Hotel zum Weidenbusch; er hatte die Gelder, die ihm Süß übersandt, in kostspieligen Festen, Opern, Maskenbällen und Redouten bereits wieder verthan und brauchte für seine Uebersiedelung nach Belgrad aufs Neue Geld. Er saß mit seiner ebenso schönen wie geistreichen Gemahlin beim Diner, als Süß bei ihm eintrat. „Ah, da bist Du endlich," rief der Prinz dem Juden zu, „ich warte schon mit Sehnsucht auf Dich!" Süß verneigte sich vor dem Prinzen und küßte der Prinzessin die Hand, die diese ihm huldvoll reichte. „Noch ein Couvert!" befahl der Prinz. „Setze Dich an den Tisch, Süß, und iß mit uns!" Süß zögerte einen Augenblick. Sollte er so rasch von dem Wege abweichen, auf den ihn sein Onkel soeben geführt hattet Konnte er sich aber in den Augen des Prinzen lächerlich machen und möglicherweise dessen Gunst verscherzend Seufzend setzte er sich an den Tisch. „Vous gemissez, mon eher Doux?1)“ fragte die Prinzessin, „was fehlt Euch?" „„Gnädigste, Frau, ich war in Oppenheim, um einen Onkel, meinen einzigen Verwandten, zu besuchen. Ich habe dort une helle cousine2) gefunden und habe mein Herz dort verloren."" „Eh, pourquoi ne suivez-vous pas notre exemple3 )" sagte der Prinz lachend, „warum führst Du die schmucke Base nicht heim?" „„Weil mein Oheim nur dann in die Heirath willigt, wenn ich meinen gnädigen Herrn verlassen und in Oppenheim bleiben würde."" „Und Du?" „„Ich gehe nur dorthin, wohin mein gnädigster Herr geht."" „Treuer Süß! Das werde ich Dir nie vergessen. Ich kann Dich auch nicht entbehren; ich brauche wieder Geld. Meine liebenswürdige, theure Frau, hat dafür 1) Ihr seufzet, mein lieber Süß? 2) Eine schöne Cousine. 3) Warum folgst Du nicht unserm Beispiele?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.