Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1872)
- Date
- 1872-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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184 bei der Trauung jener unterstützten Bräute nach seinen: Ableben als Wohtthäter genannt zu werden. Alljährlich halten die Ortsvorsteher ihre Versammlung in einem andern Vereinsorte ab, bei welcher, nächst der Erstattung des Jahresberichts, die jährliche Aussteuersumme von 100 Thlr. (für die Bewerberinnen), da zahlreiche Meldungen einzugehen pflegen, die nicht alle berücksichtigt werden können, zur Verloosung gebracht wird. Zu dieser werden zunächst nur die Mädchen einer höheren Altersklasse zugelassen und erhält diejenige, welcher der Gewinn zufallt, die Summe erst nach vollzogener Trauung. Findet dieselbe innerhalb dreier Jahre nicht statt, so fällt die Summe wieder zur Vereinskasse zurück und wird nochmals zur Verloosung gebracht. Die letzte Versammlung des Vereins, welche zu Gutstadt am 30. Januar stattfand, gestaltete sich durch zahlreichen Besuch aus den naheliegenden Orten zu einer solennen und erhebenden Feier Nachden: die Versammlung durch den Ortsvorsteher Herrn Elias Schwarz mit einer kurzen, aber herzlichen Ansprache begrüßt und die Tagesordnung erledigt wurde, hielt der Rabbinatscandidat Herr Gold stamm aus demselben Orte einen längeren, eindringlichen Vortrag über die hohe Bedeutung der "bv nojun rrso und der jüdischen Wohlthätigkeit überhaupt. Nach ihm hielt der Cultusbeamte, Herr Kaufmann aus Mehlsack, eine beifällig aufgenommene Rede, sowie auch die Herren Cultusbeamtcn Braun aus Wormditt und Rawitzki aus Heilsberg durch kürzere Ansprachen die Wohlthätigkcit anzuregen und zur Hebung der Feststimmung beizutragen wußten. Hiernach verlief die Feier in geselligem Beisammensein und fröhlicher Unterhaltung bis nach Mitternacht. Es wäre nur zu wünschen, daß dieser Verein sich immer mehr vergrößern und auf weitere Kreise verbreiten möchte, um. statt eines Gewinnes, jährlich mehrere austheilen zu können. N. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien. Der „Volksfreund" bemerkt, daß in Wien bereits an zwei katholischen Schulen jüdische Lehrer angeftellt sind; an der katholischen Knabenschule in Schottenfeld, Zieglergasse, der Israelit Adolf Heinrich, seit November v. I., an der katholischen Mädchenschule in der Roßau, Grüne Thorgasse, die Jüdin Sabine Atlas, seit einigen Wochen. Es wurde dagegen kirchlicherseits Verwahrung eingelegt. Ter Erfolg sei bisher nicht bekannt. Wien, 15. Febr. Jahr für Jahr werden wir daran gemahnt, daß sich zwar die Zeiten und mit ihnen die Menschen ändern, daß aber trotzdem die Judenhetzen in Rumänien immer wiederkehren. Die brutalen Rohheiten verübt an ebenso Harmals wehrlosen Unterthanen sind das einzig Beständige der rasch wechselnden Zustände in den Tiefländern der unteren Donau. Die Fürsten dort unten wissen nie, wenn sie zu Bette gehen, ob sie noch als die Herren des Landes erwachen werden, die Ministerien wechselt die „wilde Walachei" so oft, wie ein Dandy seine Handschuhe, die Beamten werden versetzt und entsetzt nach der Laune des jeweiligen Machthabers; nichts steht fest, Alles ist problematisch, schwankend und ungewiß, bis aus Eines: die unvermeidlichen Judenhetzen. Mit jedem jungen Jahr beginnt das ekelerregende .Schauspiel von bleuem. In das Schwirren der „erste«: Lerchen" mischt sich regelmäßig das Angstgeschrei unglinklicher Menschen, die an Leben und Habe bedroht Schutz bei dem civilisirten Europa suchen. Der Hergang bei diesen Gräuelscenen ist ebenfalls stets derselbe. Ein aufregendes Gerücht wird geschäftig unter die rohen-, halbbarbarischen Massen geworfen. So findet z. B. das „geschlachtete Christenkind" unter dem fanatisirten Pöbel noch immer gläubige Nehmer. Ueberhaupt je unsinniger die Erzählungen der von den Juden angeblich verübten Schandthaten sind, desto wirkungsvoller sind sie auch. Kritik üben die Massen nie und nirgends, am wenigsten, wenn es sich darum handelt, des Nachbars Geld und Gut auf leichte Manier ergattern zu können. Der Jude ist in der Regel arbeitsam, fleißig, sparsam; er erwirbt und erhalt das Erworbene fest, während der biedere Landmann Rumäniens von alledem das gerade Gegenlheil ist. Der Walache ist trag und faul bis zum Exzeß. jede Anstrengung ist ihm ein Gräuel, doch ist er nicht unempfänglich für die Freuden des Besitzes. Er liebt das Geld und haßt denjenigen , der es fest in Händen hält. So bedarf es keiner großen Anstrengungen, um den verchierten rumänischen Bauern auf den wohlhabenderen Juden zu hetzen, dessen Ersparnisse von der geschäftigen Phantasie zu Nibelungen-Schätzen, zu ganzen Bergen von Gold und Silber vergrößert werden. Auf ordinäre Plünderung ist es also bei den Judenhetzen im gesegneten Rumänien in erster Reihe abgesehen. Das Geld des besser situirten Juden verblendet das in stumpfsinniger Trägheit hinbrütende Volk und stimulirt es bis zur Verübung blutiger Ge-, waltthaten. Dabei passirt es freilich nicht selten, daß der Arme den noch Aermeren berauben will. Denn nicht in allen Judenhäusern Rumäniens ist das Glück zu Gaste gewesen. Oft ist auch der Jude so arm und besitzlos, wie der Walache, der mit drohend geschwungener Axt bei ihm eindringt und Schätze sucht, wo keine zu holen sind. Die getäuschten Erwartungen machen nun in der Regel den eingedrungenen Räuber zum Mörder. Und diese Gräuel wiederholen sich in entsetzlicher Monotonie in einem Lande, welches sich brüstet, eine „Konstitution" nach dem Vorbilde der freiesten Staa-