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Der Israelit · 1872-02-28 · Heft 9 (28.2.1872) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 9 (28.2.1872)
Date
1872-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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183 mit Staunen zu diesem großen Naturforscher empor, wie hätte er nicht Respekt von sich bekommen sollen? Allein er sprach in seinem Herzen: es ist nicht gut, daß der Mensch Naturforscher allein sei. Da es so leicht war, eine Größe zu werden, warum sollte er sich nicht auch in andere Partien versuchen? Da ging er hin und schrieb über Politik, und er ward Politiker, über Astronomie und ward Astronom über Theologie und ward Theolog. Bis zum Universalgenie war nur noch ein Schritt. So lange nun der Herr es dabei be- Menge einzuführen, so wird ihm Niemand dies harmlose Treiben verwehren wollen Allein man ist doch nur ein Mensch, man will doch auch selbst das Wort führen; ein so gewandter Redner, ein so beliebter Schriftsteller wird doch wohl auch mit den Produkten der eigenen Muse hervortreten dürfen. Bedauernswerter Mann! Sehen Sie denn nicht ein, daß mit allem Redeprunk aus Nichts, Nichts erstehen kann? Daher sondern sich denn in all seinen Produktionen beim chemischen Auflösungsprozeß drei Theile ab: Kraftphrasen, noch der günstigste Bestandtheil, Unkenntniß und Unwahrheit. So wagte es der Vielbewunderte vor einiger Zeit, in theologicis zu machen: „Die Sagen über Abraham, Isaak und Jakob." Dies Büchlein, sonst wie ein todtgeborenes Kind von der ganzen Gelehrtenwelt ignorirt, wurde doch einer Widerlegung gewürdigt, ex xrokesso einzig in der Absicht, die unkundige Menge vor Schaden zu wehren. — Diesmal also versucht sich Herr B. zur Abwechslung in Statistik, und welchen Muth der tapfere Ritter, der bis dato noch vor keiner Wissenschaft zurückgebebt, hier wiederum entwickelt, das zeigt sich nun, da er ihren Resultaten den Fehdehandschuh hinschleudert, ehe er sie noch recht kennen gelernt hat. Wie kann diese Statistik, die kaum noch das Bürgerrecht in den Reihen der Wissenschaften erhalten, sich vermessen, bei den Juden einen höheren Bildungstrieb auszuweisen, als bei andern Confessionen, und damit ihm, dem Patron aller Wissenschaften zu opponiren, der doch unmöglich annehmen kann, die Juden dürsten ihren Ursprung etwa von einem vor seinen Kameraden, den damaligen Weltbürgern, ausgezeichneten, höher begabten Affen herleiten? Darum zieht nun der Vielseitige gegen dich ins Feld, ausgerüstet mit den wohlbekannten Waffen seines Arsenals. Aber fürchte dich nicht Wahrheit; vor deinem Sonnenblick werden die lügenhaften Phantasiegeburten zerstieben. Hier stürmen sie an: „Da die Juden nur in Städten leben und „hauptsächlich in größern Städten. wo Gymnasien „existiren, ist es an sich schon ein barer Unsinn, wenn „man sie in Vergleich stellt mit der Gesammtbevölkerung, „welche zum größern Theil das flache Land be- „wohnt, wo keine Gymnasien existiren. „Würde man die städtische Bevölkerung allein zum „Maßstab nehmen, so würde schon ein starker Theil „der Abnormität schwinden." „Die Juden sind überwiegend Kaufleute und „will man richtige Zahlen für die Statistik erbat- „ten, so darf man sie nicht in Religionsrubrike.., „sondern in den Kaufmannsrubriken mitzählen, „wodurch wiederum ein großer Theil der Abnormität „beseitigt wird." „Rechnet man hierzu noch die Fotogen der unter den Juden stärker herrschenden Armen- „Ärürrfiützvcntzen \\sx We Jugenderziehung,, so fallt „Alles, was man als Religions-Statistik „ausgiebt, über den Haufen und es verhandeln sich die Wunder der Zahlen, in „sehr natürliche Folgen der sozialen Ver- „hältnisse." Schlagen wir nun ein statistisches Werk auf, so sind wir für den ersten Moment überrascht, in der That die Juden vornehmlich in Städten zu finden. Aber Herr B. selbst zeigt uns, wo die Unwahrheit steckt, indem er hinzufügt: „und hauptsächlich in größeren Städten, wo Gymnasien existiren." Die „Preußische Statistik" herausgegeben vom Kgl. Statistischen Büreau, Berlin XVI. ist hierin andrer Ansicht. Die Rede ist dort an den 3 Wohnplatzgruppen: den größeren Städten, den kleineren Städten und dem flache Land. Daselbst heißt es folgendermaßen: „Die kleinen Städte befinden sich auch hier in der Mitte zwischen den Gegensätzen, nur daß in ihnen mehr Israeliten als in beiden übrigen Wohnplatzgruppen leben." (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Roesiel (Ostpr.), 6. Februar. Auf Anregung des Leitartikels in Nr. 5 d. Bl. über rfo riDJDn erlauben wir uns hier die Mittheilung zu machen, daß auch in unserer für Gemeinsinn und Vereinsleben sonst so ungünstigen Provinz ein solcher Verein unter ^dem Namen „Ermländischer Aussteuer-Verein" seit II Jahren besteht und in etwa 10 ermländischen Städten ca. 110 Mitglieder zählt. Die Tendenz desselben ist: armen Mädchen des Vereinskreises als eine Beihilfe zu ihrer Aussteuer 100 Thaler zu geben. Die hauptsächlich > sten Statutsbestimmungen dieses Vereins siltd folgende: Jedes Mitglied zahlt 1 Thlr. jährlichen Beitrag. Wer 25 Thlr. auf einmyl zahlt, wird ein ewiges Mitglied und erhält das Recht, bei der jährlichen Gedenkfeier und

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