Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1872)
- Date
- 1872-02-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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herrschende und launische Mode nachäffen. . . . Die Gemeinden und Rabbiner sind nicht berufen, das Judenthum abzuschaffen; es ist vielmehr ihre Aufgabe und ihre heilige Pflicht, dasselbe zu erhallen, zu heben und zu verherrlichen. . . . Der jüdische Gottesdienst muß charakteristisch und jüdisch bleiben, dadurch, daß die typischen Gebete in der Ursprache und das Vordn Thora, der Hauytbestandtheil des Gottesdienstes ausmachen. . . . Wer nicht Hebräisch versteht, der lerne es und gestehe sich ein, daß ein Jude ohne Kenntniß seiner heiligen Sprache und Bildung keinen Anspruch hat und das Recht nicht besitzt seiner Unbildung halber Concessionen von dem Gemeinde zu verlangen, die dem Wesen des Judenthums schaden. Auch die Predigt muß jüdisch sein, sie muß eine Bibelstelle nach jüdischer Auffassung erklären, muß den Geist durch Wahrheit und das Gemüth durch Erbauung befriedigen." Diese Ansichten eines amerikanischem Reform b l a t t e s werden gewiß unsere Leser überraschen. Es ist möglich, daß das Ganze nur Humbug ist, um den Frommen Amerikas zu schmeicheln und sie zu ködern; möglich auch, daß der überaus trostlose Zustand der amerikanischen Juden, welche in religiöser Beziehung wahre Heiden sind, zur Befürchtung Anlaß gibt, es möchten in nicht gar zu ferner Zeit, jüdische Prediger, Cantorcn rc. ganz überflüssig werden, da man sich gerade so gut durch einen Modisten, Quäker, Mormonen rc., könnte erbauen lassen. Doch, wir wollen das Beste glauben, und dann dürfen wir diesen Umschwung der Gesinnung, wenn auch vorerst nur von einer Person dem Publikum gegenüber offen ausgesprochen, als einen Schritt zur Einsicht und Besserung mit Freuden begrüßen. Verwundern darf es uns nicht, daß nebenbei auch der Reform im Gottesdienste das Wort geredet wird und Orgel, Chor, classische Musik — und Familiensitze als u n e n tb ehrlich bezeichnet werden, denn so schnell und plötzlich können wir von Amerika nicht erwarten, daß das unverfälschte, ungeschmückte Judenthum ohne Instrumentalbegleitung Anhänger finden sollte; der Amerikaner liebt gern Spektakel. Zudem eifert ja der Artikelschreiber nur gegen die, welchen „Abschaffen" und Wegleugnen Hauptsache ist. Wir haben eigentlich nur Eines dagegen einzuwenden, nämlich, daß Orgel, Chor, Familiensitze rc. ganz einfach wieder zu demselben führen, welches jetzt und ganz besonders in Amerika als die beklagenswerthe, traurige Folge der Reform zu Tage getreten ist, welches Resultat wie es scheint, auch dem Schreiber jenes Artikels ein bischen die Augen geöffnet und ihn zur Einsicht gebracht hat, daß ein solcher Fortschritt bald sein Ende erreicht haben wird. Dann möchten wir auf den Widerspruch aufmerksam machen, welcher darin liegt, daß nach dem Vers. d. Art. das „Nachäffen" streng zu vermeiden sei, der Gottesdienst „charakteristisch Misch" bleiben müsse, und dennoch Orgel, Chor und Familiensitze als unentbehrlich bezeichnet werden. Wären wohl das die Mittel, um die Unzerstörbarkeit des Jvdenthums darzuthun? Scheint ja gerade das amerikanische Judenthum, wenn auch nicht allein durch diese Reformen, so doch trotz derselben der Auflösung entgegen zu geben. Die Hebung und Verbesserung, welche durch diese wird, wäre also rein, illusorisch, und wenn es dem Herrn Verf. jener Zeilen Ernst ist um die Wiederherstellung und Wiederbelebung desZudenthums in Amerika, so kann ihm das nur aus dem Boden des Judenthums gelingen, wenn er das Judenthum lehrt, welches seil Jahrtausenden sich als unzerstörbar erwiesen hat, das einfache, strenge, jüdische Leben, die einfache strenge jüdische Sitte, wie sie uns die Gotteslehre vorschreibt, 'nicht aber äußerer Glanz und gehaltlose Form. Möge er seinen Landsleuten jüdisches Leben und jüdische Sitten anempfehlen, möge er streben, daß der Jugendunterricht ein charakteristisch jüdischer sei, so wird er den einzig richtigen Weg einschlagen, auf welchem Aussicht auf Erfolg vorhanden^ auf welchem eine Besserung des jüdischen Lebens in Amerika zu erzielen ist. c>"n yy xn m*n, die Gotteslehre ist unser Leben, der Quell des ewigen Lebens:j die Unzerstörbarkeit des Judenthums. Der Mtdungslrieö ti Allein es, nicht auch eiit^ weisführur^ einzige^ wir heit. Vc