Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1872)
- Date
- 1872-02-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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162 schadet, aber nicht vernichtet. Wurzel, Stamm nnd Aeste des jüdischen Baumes bleiben stehen, höchstens werden dürre Reiser abfallen, und das kann ja nur nützen. Darum brauchen wir nicht zu erschrecken bei dem Geräusch, welches diese dürren Reiser, wenn sie abfallen, verursachen. Der Hauptsturm ist G. l. schon vorüber und noch steht das Judenthum fest, wir haben die Gotteslehre noch ganz so, wie zuvor. Der Sturm hat nachgelassen, nur einzelne Stöße folgen noch, die letzten Athemzüge des ermatteten, kraftlosen Wüthrichs. Der jetzt herrschende Zeitgeist der Negation wird bald nichts mehr zu negiren haben, da für ihn das Judenthum nicht mehr besteht; die abgefallenen Reiser werden längst zu Asche verwandelt sein, während der Baum grünt und blüht, neue, kräftige Zweige treibend. An uns, den Anhängern der Gotteslehre, ist es festzustchen, kein Jota davon abzutretcn, im Sturm der Zeiten ruhig und unbeirrt fortznschreiten auf dem Wege des Ewigen, aus dem Wege unseres Stammvaters Abraham, und gleich ihm unfern Nachkommen anzuempfehlen vsVvi np-is nnry1? '*i zu beobachten, Gottes Weg, zu üben Recht und Gerechtigkeit. Darum muß uns diese Lehre, die uns den einzigen richtigen Weg zeigt, die uns in jedem Augenblicke die Einheit Gottes vorführt und vergegenwärtigt, heilig und unverletzlich, der Quell unseres Lebens hier auf Erden sein für alle Zeiten. Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen. D e u t s ch l a n d. Stuttgart, 6. Februar. Heute lvaren Deputationen von *5 eil Ino uit und Ulm tu Audienz bei Sr. Excell. dem Herrn Cnltusminister v. Geßler hier, um eine Entscheidung zu erbitten über die Rechte und Wichten der vielen israel. D o m i c i l i a n t e n in den israel. Kirchengemeinden des Landes, besonders der Städte, deren Anzahl infolge der neuesten deutschen Gesetzgebung sich immer mehr vermehrt. Es ist in dieser Frage Entscheidung des Ministeriums in nahe Aussicht gestellt und zur Umwandlung der bürgerlichen Gemeinden in Einwohnergemeinden eine Übergangsperiode projectirt. Den benachtheiligten Landgemeinden kann für die Zukunft nur durch entsprechende Beiträge aus der Centralkasse nachhaltig unter die Arme gegriffen werden, die ihren erhöhten Succurs aus der Staatskasse und einer Landessteuer (statt der Personalsteuer) zu schöpfen hätte. Der Entwurf einer Kirchenverfassung, wie er vor mehreren Jahren aus den Berathungen der Delegirten hervorgegangen ist, wird nun sofort den Kirchenvorsteherämtern zur Aeußerung hinausgegeben werden und in nächster Saison vor die Landslände kommet. Laupheiur. Sonntag Abend, den 4. Februar, gab Herr Lehrer M. Heule im großen, von Zuhörern starküberfüllten Saale „zum Kronprinzen" ein Prüft! ngsconcert mit seinen Musikschülern. Kinder von 8—12 Jahren spielten das Klavier mit einem Anstande, mit einer Ungenirtheit, Pracision und Taktfertigkeit, nicht als ob es Kinder, sondern als ob es vollendete Künstler wären. Die am Schluffe von sämmtlichen Schülern aufgeführte Symphonie, musikalischer Scherz von Chwatal, wurde mit enthusiastischem Beifall ausgenommen. Man wußte nicht, was ntan durchgängig mehr anstaunen sollte, das liebliche, ausgezeichnete Spiel der Kinder oder die geschickte Methode des talentvollen, jungen Lehrers, wodurch er im Stande war, mit diesen Kleinen so Großes zu bewerkstelligen. Ehre ihm, dem Ehre gebührt. In Bälde wird auch in der Schule des Herrn H. eine hebräische Prüfung abgehalten werden. Wir würden uns freuen, ja glücklich schätzen, wenn dieselbe ein ebenso günstiges Resultat liefern würde, wie die musikalische, ttnd wir in die Lage kämen, gleichfalls lobend darüber berichten zu können. Alleitt . . . Mit mathematischer Gewißheit können wir heute schon berechnen, daß sich zu diesem Examen kein so zahlreiches Auditorium einstellen wird, wie beim Prüft! ngsconcert, denn die größte Zahl der Laupheiiner ist für Alles mehr eingenommen, als für's H eb rä isch e. Selbst das Vorsteheramt nimmt eine sehr zweifelhafte Stellung gegen diesen Unterricht ein. Für ihn das kleinste Opfer zu bringen, ist es nicht zu bewegen. So bewilligte es nicht einmal die Anschaffung jüdischdeutscher V o r l eg e b l ä t t e r für die Schule aus Gelneindemitteln. Daß dieses nicht aus Sparsamkeit, wohl aber aus Abneigung gegen die jüdische Branche geschieht, läßt sich an den Fingern abzählen. Traurig, aber wahr! Von dev Rhön. Als kaum in Deutschland der Hilferuf unserer hungernden Glaubensbrüder in Persien durch dieses geschätzte Blatt vernommen ward, ließ der hochwürdige Herr Rabbiner W or nt ser in Gersfeld, der stets bemüht. Hungernde im Stillen zu sättigen, Nothleidenden nach Kräften zu helfen, ein eigenhändiges Circular an sämmtliche Cultusvorstände seines Bezirkes ergehen, in welchen! herzzerreißend die große Roth unserer darbenden Brüder in Persien geschildert, die dringendste Bitte an alle Gemeindeniitglieder gestellt wird, nach Kräften Gaben zu spenden, daß Keiner, mit dem Namen „Israelit" sich nennend, Hand und Herz hier verschließen möge, alle Vorstände aufgefordert werden, alsbald in ihren Gemeinden Collccten für genannten