Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1872)
- Date
- 1872-02-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XM.Jahrgang. Erste Beilsge zu Rr. 8 des Israelit. Leitender Artikel. Die Ausgabe des Iudenlyiims. Von Naphtali S. (Schluß.) Tie Einheit Gottes wird uns aber verdunkelt, ja, kann uns ganz verloren gehen, wenn wir nur unserer Erkenntnis;, unserer Vernunft, unserem Verstände allein folgen, weil diese sich im Menschen nie in wahrer Reinheit und Vollkommenheit finden, weil wir nie unfehlbar sind. Fehlen in irgend einer Sache ist aber eine Schwäche; es ist zwar menschlich, aber immerhin eine Schwäche und das ist gegen die wahre Vernunft. Die wahre Vernunft darf nicht fehlen, sie muß die Wahrheit erkennen, wenn anders sie mit stecht Anspruch auf Vollkommenheit, auf die Selbstständigkeit machen will, die man für sie in unserer Zeit beansprucht. Bis heute ist es der menschlichen Vernunft, den tiefsten Denkern und Forschern noch nicht gelungen, sich Gewißheit zu verschaffen, woher die Schöpfung entstanden. Man hat nicht einmal die Erscheinungen ans unserem Planeten sich erklären können; Vieles, sehr Vieles auf demselben ist heute noch für uns ein Nathsel und wird vielleicht ein ewiges Räthsel bleiben uns, den Herren der Erde. Warum also nicht eingestehen, daß die menschliche Vernunft nicht ausreicht, daß sie eben nur Menschliches erstreben kann? Und weil es in Wirklichkeit sich so verhält, hat Gott uns seine Lehre gegeben, damit wir durch sie unsere göttliche Aufgabe erfüllen können. Wohl enthält diese Lehre Gesetze und Verordnungen, deren Grund wir nicht erkennen, deren Tragiveite sich unseren schwachen Augen entzieht. Ist das aber ein Beweis, daß sie für uns nicht mehr giltig sind, oder überhaupt ein Grund, sie nicht für göttlich zu halten? Wir glauben das Gegentheil annehmen zu dürfen, indem es sicherlich keinem Menschen einfallen könnte Gesetze zu erlassen, von denen er selbst keinen Grund angeben kann, und wiederum konnte ein Mensch es nicht wagen, Verordnungen zu erlassen, von deren Wahrheit er unmöglich hatte überzeugt sein können, das konnte eben nur Gott selbst verordnen. Es existirt wohl keine Schrift, die mehr durchforscht worden, die ein öfterer Gegenstand des Studiums gewesen und noch ist, als die Gotteslehre. Seit der Offenbarung dieser Lehre haben Tausende und aber Tausende der größten Geister, der edelsten Männer, sich ihrem Studium hingegeben, seit dem Tage der Offenbarung hat es nie an Männern gefehlt, die nicht Tag und Nacht darin geforscht hätten, so daß seit dein Augenblicke der Offenbarung bis zum jetzigen Momellte in ununterbrochener Reihe das Gotteswort in Israel zum Gegenstände des höchsten Wissens erhoben wurde. Würderi wohl diese großen Denker in ihr nicht die menschlichen Gesetze erblickt und danach beurtheilt haben? Gesetze, die sie nicht verstanden, befolgt haben, wenn sie nicht fest überzeugt gewesen wären, daß sie göttl. Ursprungs seien? Um nur Einen dieser großer Männer zu nennen, führen wir Maimonides an, der selbst Jenen, die sich nicht zu seinen Principien bekennen, die mit ihrem Leben einen grellen Eontrast bilden zu seiner aus der Thora entwickelten Halacha, Bewunderung einflößt durch seinen Riesengeist, und dieser Maimonides hat das scheinbar kleinlichste und geringste Gebot für eben so bindend gehalten, als wie das Gebot 't ojx, weil es nicht minder Gotteswort ist. ' Und solchen Männern gegenüber wagen es heute Menschen, die kaum einen Blick in das göttliche Buch hineingeworfen haben, ja, die oft es nicht einmal zu lesen verstehen, solche Menschen wagen all jene großen Männer, die Tag und Nacht geforscht, die sich kaum Zeit genommen, die nothwendigste Nahrung zu sich zu nehmen, um ja keinen Augenblick sich ihrer geistigen Beschäftigung zu entziehen, für blinde Anhänger des Bibelwortes zu erklären, die ohne Ueberlegung, ohne Forschung Alles für göttlich erklären, was darin enthalten, die keinen Sinn für Zeiten und Sitten, für menscht. Bedürfnisse besitzen; sie wagen es Jene Finsterlinge, Unvernüftige zu nennen, während sie für sich ausschließlich die Vernunft beanspruchen, sich das Zeitalter der Vernunft, der Aufklärung, des Forschens und Denkens nennen, weil sie nämlich Jeden, der für die Göttlichkeit der Lehre eintritt, der als echter, wahrer Jehndi ihnen entgegnet, mit der Schreckensgestalt „Zeitgeist" einschüchtern, mit dem Wort „Vernunft ihre llcberlegenheit zeigen und mit den obligaten Stichwörtern ü la mode, „Aufklärung" und „Fortschritt" ihre Bildung darthun wollen, als wären das nicht bloße Worte, die heute jeder Lehrjunge nothwendig weiß, so oft bekommt er sie zu hören. Wir sind des; fest überzeugt, daß auch dieser Sturm, der jetzt über die heiligen Fluren Judas dahinrast, der über den Lebensbaum der jüdischen Religion hereingebrochen, ihn schüttelt und rüttelt, wohl