Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1872)
- Date
- 1872-02-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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■■^■>V.JPll||LHP|*' -- >'•<*• |m^i,^..iiu ii i ^^>W.WMWWW>W^^^M Jetzt konnte sich Süß nicht länger bezwingen; er ergriff die Hand des Greises und bedeckte sie mit Küssen und ThrLnen. „Du guter Onkel!" sagte er schluchzend. „„Bist du es, mein Sohn Süß!"" rief Nabbi Simchah, ebenfalls weinend; dann öffnete er seine Arme, in die sich Süß stürzte, und küßte den so lange Verschollenen und nun Wiedergefundenen. „„Judith, Judith!"" rief er dann, „„der Vetter Süß, von dem ich Dir so oft erzählt habe."" Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht durch ganz Oppenheim , daß des Rabbi Pflegesohn, der vor vielen, vielen Jahren entlaufene Süß als ein vornehmer Herr zurückgekehrt sei. Alles kam herbei , um sich von der Wahrheit und Wirklichkeit der wunderbaren Mähr selbst zu überzeugen. Süß blieb einige Wochen im Hause seines Onkels. Dieser machte es sich, wie er es bereits gesagt hatte, zur Aufgabe, seinen Neffen auf den Weg der Tugend und Gottesfurcht zurückzuführen. Der weltmännische Neffe ging bereitwilliger darauf ein, als es der Onkel vermuthet hatte. Er hörte die Auseinandersetzungen des Rabbi über die Heiligkeit und Erhabenheit des jüdischen Religionsgesetzes mit Ruhe und Geduld an und lebte wahrend seines Aufenhalts in Oppenheim so, wie es die Religion Israels verlangt. „Du hast mich ganz umgewandelt, lieber Onkel", sagte er eines Tages, „so vollende Dein Werk und gib mir deine Tochter Judith zur Frau!" Rabbi Simchah erschrak. „„Meine Tochter, mein einziges Kind"", sagte er „„soll ich Dir geben?"" „Ha, du nimmst Anstand an dem Makel, der auf meiner Geburt ruht?" Rabbi Simchah schüttetelte sein ehrwürdiges Haupt. „„Nicht doch, mein Sohn,"" sagte er sanft, „„es ist nicht das, was mich hindert. Ich fürchte jedoch, deine religiöse Besserung ist mehr in dem Wunsch begründet, meine Tochter heimzuführen als in einer festbegründeten Ueberzeugung."" „Du magst Recht haben, Onkel! Allein. Du kannst Dich darauf verlassen, daß ich mein Wort halte, wenn ich Dir verspreche, streng kedin ukedaß^) zu leben." „„O, mein Sohn, Du legst mir ein schweres Opfer auf, Du verlangst viel von mir. Und wenn ich nicht mehr auf Erden weile, um Dich an Dein Versprechen zu mahnen? Und wenn der Ehrgeiz und die Habsucht in Deiner Brust aufs Neue erwachen 160 und Du Dich zurückschnst nach einem Unruhigen, wechfelvollen Leben? Siehe, Judith ist mein einziges Kind, ich habe außer ihr weder Sohn noch Töchter. Ich habe sie mit aller Sorgfalt erzogen und lebe der Hoffnung, dereinst ihre Kinder zur Thora zu erziehen. Ich wünsche mir einen Schwiegersohn, der von einem gleichen Verlangen beseelt ist. Dir aber sind Jahre lang die Gebote unseres Gottes gleichgiltig gewesen. Du hast den Sabbat nicht gefeiert, Dich an die Speise« gesetze nicht gekehrt und auch sonst nicht gelebt, wie der Jude leben soll. Wie kannst Du Deine Kinder erziehen zu unverbrüchlicher Treue, zu hingebender Liebe an Gottes Lehre und Gottes Gesetz?"" „Ich will Dir etwas Anderes sagen, Oheim, was Dich vielleicht mit meiner Vergangenheit in Et was aussöhnt. Du weißt, der Fürst dem ich diene, ist Protestant von Geburt. Er hat seinen Glauben verlassen und ist katholisch geworden. Er sowohl wie seine ganze Umgebung wollten auch mich schon hundertmal veranlassen, dem Beispiele des Prinzen zu folgen und katholisch zu werden. Alle Ueberredungen und Verführungen habe ich standhaft zurückgewiesen. „„Und würdest Du Deine Stellung bei dem Prinzen aufgeben und hier bei uns in Oppenheim bleiben?"" „Was verlangst Du von mir? Du weißt doch, welche Zukunft mir blüht, wenn der Prinz an die Negierung gelangt!" Die Thüre ging auf, und ein Courier trat herein. „Treffe ich Euch endlich, Herr Jude," sagte er zu Süß. „Ihr seid's Fritz?" entgegnete der Angeredete, „was führt des Prinzen Leibjäger nach Oppenheim T „Ich habe einen Auftrag an Euch, Herr Jude. Unser gnädigster Herr, der Prinz und Allerhöchstseine Gemahlin kommen heute in Frankfurt an. Seine Majestät, der Kaiser, haben Allerguädigst geruht, unfern Herrn zum Gouvereur von Belgrad zu ernennen. Ihr sollt den Herrn begleiten, Herr Jude, und sollt heute noch nach Frankfurt, kommen!" „Ich komme, Fritz. Ich bitte Dich Onkel, laß dem wackeren Jäger einen Imbiß und. eine Flasche Wein reichen. Hernach fahren wir zusammen nach Frankfurt." »„Ich bitte Dich, Süß,"" sagte Rabbi Simchah dringend, „„gehe nicht nach Belgrad!"" „Ich muß, Onkel, ich darf den Prinzen nicht verlassen." (Forts, folgt.) Hierzu drei Vellage». 4) Nach Recht und Vorschrift. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der LeRonLschrn Hofbnchhandlung. Z. G»ttSleben's Buchdruckeret in Mainz. 3 i", uns stau in i wir abe mer Ver Ree ft an Zei Ver nich die Ersi nen für Rät also nich ben hält durc Wo! dere nnsi Ben über Wir dem setze ang« nick! Wal das forst gewi >