Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1872)
- Date
- 1872-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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156 die lebhafteste Teilnahme Hervorrust. So wurde gestern Abend im Hotel Cassel ein Concert von jungen Leuten zum Besten der nothleidenden Glaubensgenossen in Persien veranstaltet, wobei nahe an 100 Thlr. eingingett. Auch soll, wie wir vernehmen, von der „Gesellschaft der Freunde" ein Gleiches beabsichtigt sein und einer der ersten Opernsänger hier seine Mitwirkung zugesagt haben. Dieser herzerhebende Wetteifer aller Parteien und Confessionen ist gewiß der schönste Lohn für die große Mühe, welche diese Angelegenheit dem Comitk und besonders Herrn vr. Hildesheimer verursachte, der diesem Liebeswerke, wenn auch nicht ganze Tage, da ihm solches sein Beruf nicht erlaubt, so doch ganze Nächte widmete. '"33. RendHbrirg, 7. Febr. In unserer Nachbargemeinde Flensburg starb am vergangenen Freitag ein Jude NamensBorchard Meye r. Als man denselben nach einer naheliegenden Gemeinde zur Bestattung bringen wollte, weil in Flensburg kein jüdischer Begräbnitzplatz ist, so verweigerte der Rechtsanwalt' Jäger ' daselbst die Herausgabe der Leiche, indem er behauptete: daß der Borchard Meyer, als angetranter Gatte'feiner vorstorbenen Tochter, neben derselben auf dem christlichen 'Kirchhofe ruhen müsse. Alles Protestiren von jüdischer Seite ist bis jetzt ohne Erfolg geblieben. Inzwischen ist die Leiche, wie die Flensburger Nachrichten vom 7. d. M. melden, nach „christlichem Ritus" auf dem christlichen Kirchhofe bestattet worden, trotzdem glaubwürdige Zeugen ausgesägt, daß der betreffende B. Meyer kurz vor seinem Tode geäußert, daß er Jude sei; auch obwaltet darüber kein Zweifel, da er oft den jüdischen Gottesdienst besucht hat. H. H. Ksinsky, Prediger. Sohrau O./S., Januar. Der Unterzeichnete erlaubt sich hiermit gegen die Entscheidung des Rabbiners Herrn vr. Auerbach im „Israelit" a. c. Nr. 2, ein bescheidenes Bedenken vorzutragen, nicht etwa um diese umzustoßen, sondern um eine bessere Klärung des Gegenstandes z» veranlassen. Hr. vr. A. behauptet: „Aus Sota 44. Berachoth 18, geht evident hervor, daß der, welcher auch nur eine Daumenbreite über 4 Ellen entfernt von einem Grabe, steht, oder ganz in der Nahe des Grabes aber durch eine rurna davon separirt in allen religiösen Beziehungen so wie der, den Wegestunden davon trennen, zu betrachten ist." Unmaßgeblich möchte mir scheinen, daß Hr. vr. A. hier zu weit gegriffen. Mich dünkt, der Talmund habe nur inz» nt«£iD und ttrbb im Auge, nicht aber andere religiöse Beziehungen, namentlich nicht Gebet. In Beziehung auf letzteres gilt der Grundsatz: D'orcz on'z*6 pa nposo ru’N t>ra bv nsrno. „Selbst eine eiserne Scheidewand vermag Israel von ihrem himmlischen Dater nicht zu trennen." (Sota 38, 2.) Gestützt hierauf gilt als gesetzliche Bestimmung O. Ch. Cap. 55, 20 daß wenn eine Zehnzahl zum Gebete an einem Orte versammelt ist, ein selbst von ihnen häuserweit Enffernter an dem Gebete theilnehmen darf. Hieraus ergibt sich, daß der Betende, wenn er auch mehr als 4 Ellen von dem zum Gebete geeigneten Orte enffernt ist, sich in Gedanken dahin versetzen kann. Warum sollte dies nicht auch mit den Gräbern der Frommen der Fall sein, welche für Orte gehalten werben, die vorzugsweise zum Gebete geeignet? — Jedenfalls wäre dies vorerst noch streng zu erweisen. Vergl. in Bezug auf Priestersegen O. Ch. Cap. 128 , 24 auf O'v« Cap. 131, 2, endlich auf Schofar Cap. 589, 9. Ja, sogar hinsichts r^> :yi5 scheint M. Abr. Cap. 45, 1, der Meinung, das Verbot erstrecke sich auf den gesammten Friedhof auch außerhalb der 4 Ellen. D. Deutsch, Rabbiner. Oe st e rr. -Ungar. Monarchie. Wie«. An dem statu» quo der Reform - Beschlüsse des hiesigen Vorstandes hat letzterer trotz mancher unangenehmer Wahrnehmungen in der Gemeinde und ungeachtet der Opposition, welche demselben von Seiten der Orthodxie eutgegentritt, denn doch kein Iota geändert. Selbstverständlich öffnen sich erst jetzt Manchem unter den Fortschrittlern die Augen, oder eigentlich klingt es so Manchem recht komisch, wenn er da im Gotteshause den ttd vor sich haltend, durch das unaufhörliche „Auslassen" und „Leisesprechen" des Vorbeters, aus seiner lieben alten Gewohnheit hinausgerissen wird. „Doch wer kann dafür!" beruhigt er sich wieder! „Wir leben in dem mode - reichen 19. Jahrhundert, wo alles nach Vorwärts zugespitzt wird, und da konnte doch auch der ur-uralte in'O nicht Zurückbleiben!!" — Wir Jehudim, die wir den alten -11TD seines Alters wegen nur hochschätzen, möchten uns eigentlich über diese Dinge recht lustig machen, wenn das Ganze nicht nach einer Richtung hin sehr ernster Natur wäre; wenn nicht das ganze Judenthum dabei im Spiele wäre. Wir haben lange genug gesprochen: 'n -uj njian pw nozn pw. Gegen das Gotteswort, gegen das Gottesgesetz, frommt kein Klügeln, kein Vernünfteln, umsoweniger ein Modeln, doch man legt als Panzer gegen jedes unberechtigte Vorgehen, den „Zeitgeist" an, man schützt bürgerliche Interessen. vor, um die religiösen zu verdrängen. man bezeichnet den Glauben gewissermaßen als den Stein des Anstoßes , der dem Vorwärtsschreiten nur hindernd im Wege steht. — Also es bleibt dabei!? Nun denn