Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-02-21 · Heft 8 (21.2.1872) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 8 (21.2.1872)
Date
1872-02-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447560--10174-2465904
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

T 155 3>ie Knnz,rsn»th in Ersten. Wir erhalten von Sir Moses Montesiore -ü nachstehende Zuschrift, die wir in deutscher Ucbertragung hier wiedergeben: London, 12. Februar 5632. „Mein Herr? „Es macht mir Freude, Sie zu benachrichtigen, daß in einer» arn 30. v. M. abgehaltenen meeting des „Board of Deputies" die Listen der Beiträge für den Fond zur Unterstützung der nothtcidendcn Israeliten in Persien sowie die Artikel, welche in verschiedenen Zeitungen zur Anregung dieser Unterstützung erschienen sind, vorgelegt und beschlossen wurde: „daß der „Board" all den edlen Spendern, den Comitö'n, Rabbinen und Laien, deren Namen verlesen wurden und die so energisch und erfolgreich zur Unterstützung beigetragen haben, seinen besten Dank aussprcche; „daß ein besonderer Dank den Herausgebern verschiedener Zeitungen gebühre, welche durch ihre geschickte und eifrige Befürwortung des Unterstützungswerkes das Mitleid und die thätige Beihilfe ihrer Leser erweckt haben. „Ich füge noch hinzu, daß der „Board" bereits 4550 1. «t. (54,600 fl.) zur Unterstützung der Nothlcidenden nach Persien gesandt hat und daß er hofft, bei der fortwährenden Tbeilnahmc der jüdischen Gemeinschaft noch beträchtliche Summen übersenden zu können. „Ich habe, mein Herr, die Ehre zu sein Ihr treuergebener Diener „Moses Montesiore, „Präsident. „Herrn Dr. Lehmann, Redacteur des „Israelit" zu Mainz. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, im Februar, sieben den jüngsten Debatten im Abgeordnetenhause ist Persien der erste Gegenstand auf der Tagesordnung der hiesigen jüdischen Kreise. Wie überall so hat auch hier die große Calamität unserer fernen Brüder alle religiösen Spaltungen und Zwistigkeiten für einen Augenblick verschwinden lassen und so der Welt gezeigt, was vereinte jüdische Wohlthätigkeit vermag. Die große Berliner Gemeinde hat in der That ihre bekannte Leistungsfähigkeit wieder einmal glanzend documentirt. Aber gerade deshalb muß es jeden Menschenfreund schmerzlich berühren, daß den Leitern der Gemeinde gänzlich der Sinn und das Herz abgeht, um eine solche Opfcrfreudigkcit in ihre richtigen Bahnen zu leiten und zu concentriren. So hat das namenlose Glend unserer persischen Glaubensgenossen unfern Vorstand trotz aller mittelbaren und unmittelbaren Anregungen nicht dazu bestimmen können, diese wichtige Sache in seine höchsteigene Hand zu nehmen. Daß unser geistliches Triumvirat allen derartigen Bestrebungen ferne steht, setzt die Gemeinde nicht mehr in Staunen. Dr. Geiger hat so viele zu paßkenen, daß ihm für solche Lappalien keine Zeit übrig bleibt; Herrn Dr. Aub rauben seine Vorlesungen über Rhetorik die nöthige Muße und Herrn Dr. Ungerleider's gefügige Loyalität kann doch nichts in die Hand nehmen, was seine Herren College» ruhig liegen lassen. Und so bedenken nicht die Herren auf ihren Pfründen, wie ein solch selbstsüchtiges Gebühren lähmend auf die humanitären Bestrebungen eines jeden Einzelnen oder Derer wenigstens einwirkcn muß, die in dem unjüdischen Muster ihrer Geistlichen den Freibrief für ihren eigenen Abfall vom Judenthume erblicken. Doch in der That das wäre ein müssiger Scrupel. Sie sitzen ja fest im Sattel, was liegt also daran, wenn im fernen Osten sich die Türken schlagen? Aber es gibt G. s. D. in Berlin immer noch Leute, welchen die Vorgänge im fernen Osten nicht gleichgiltig sind, denen trotz alles systematisch gehegten und gepflegten Abfalls die jüdische Nächstenliebe noch tief im Harzen ivurzelt, so daß cs nur eines Sonnenstrahls bedarf, um sie zur hochherzigen Thal reifen zu lassen. Dieser Sonnenschein war in vorliegendem Falle Herr Dr. Hildesheimer. Gr. 6 Wochen wartete er ab, ob die Gemeinde diese Angelegenheit doch noch füglich in die Hand nähme, ob, wenn nicht das Interesse für die Sache selber, so doch das ivetteifernde Wohlwollen des gesammten jüdischen Guropa's unseren Vorstand zu einer That drängen würde, und erst als er sich so überzeugt hatte, daß dies nie geschehe, nahm er sich im Vereine mit Herrn Dr. David Gaffel der Sache mit dem Eifer an, der bald das bisher Versäumte nachholtc. Auf sein Betreiben bildete sich ein Comitö, bestehend aus den angesehendsten Firmen der Residenz, welches in Folge eines an alle hiesigen Gemeindemitglicder gesandten Aufrufs Großartiges leistete. Ueber 3000 Thlr. hatte Herr Dr. Hildesheimer schon vorder Gründung des Gomitv's in einer einzigen Woche gesammelt, und nach dem letzten Rechenschaftsberichte beläuft sich die Summe jetzt schon auf 8000 Thal er. Auch von christlichen Firmen wurden sehr bedeutende Summen gespendet, wie überhaupt die furchtbare Noth, wovon die Tagesblätter berichteten,, in allen Kreisen A

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.