Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-02-21 · Heft 8 (21.2.1872) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 8 (21.2.1872)
Date
1872-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447560--10173-2465903
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

154 Und j/dbm nB'yj hallte es wieder aus tausend Kehlen, und jjqbw ntpyj tönte es von lausend Lippen. Das war ein Dwn tprvp wie damals am Berge Sinai, und eine neue, echte, durch und durch jüdische Gemeinde wird erstehen in der alten Kaiserstadt; viele Hundert Mitglieder haben sich schon aufs Engste verbunden, und Wien wird seine echte, fromme Gemeinde haben wie bereits viele Städte Deutschlands; in ihr wird das Judenthum herrlich erblühen, und das Neologenthum wird von Tag zu Tag verschwinden. Und Herr Güdemann? Wir halten es für ein großes Glück für die junge, orthodoxe Gemeinde Wiens, daß Herr G. die Probe nicht bestanden, daß er nicht stark genug war, sich des Breslauerthums zu entledigen, welches sich in ihm einmal wieder in seiner ganzen Haltlosigkeit entpuppt hat. Herr Güdemann hat sein Verbleiben in der reichen Pfründe damit motivirt, daß er nicht in den Verdacht gerathen wolle, Lostrennungsbestrebungen zu begünstigen. Welch ein schrecklicher Verdacht, in den der Herr Doctor da gerathen wäre! Nein, da müssen eher die heiligen Principien des Judenthums geopfert werden; denn Lostrennung von all den Millionären, die kaum noch dem Namen nach Juden sind, die so leicht Tausende verdienen und Hunderte verschenken — welch -ein absurder Gedanke! Was können dagegen die Orthodoxen bieten, die großentheils dem Mittelstände angehören? Wir sagen, es ist ein Gluck, daß die Orthodoxen ihre junge Gemeinde constituiren tonnen, ohne daß ihnen Herr Vr. Güdemann wie ein Bleigewicht anhängt, was doch geschehen wäre, wenn derselbe Characterfestigkeit genug besessen hätte, sein Demissions- Gesuch aufrecht zu erhalten. In dem Leiborgan des Breslauerthums wird Herr Güdemann in Schutz genommen, Herr K u r a n d a gelobt^) und Herr Spitzer getadelt^). Wir aber wollen Herrn Rabbiner Spitzer ’"j unsere volle und ungetheilte Anerkennung aussprechen. Er hat gehandelt wie ein Mann von Character und Gesinnung, wie ein echter Jehudi handeln soll und muß. Er hat nicht temporisirt, nicht gefeilscht, nicht gemäkelt um em laut oder leise zu sprechendes Gebetstück, er hat sich und die treuen, gläubigen Jehudim in Wien losgerissen von den Zerstörern des Heiliglhums, den Vernichtern der Gotteslehre. Als vor einiger Zeit Herr Spitzer nach Mattersdorf auf den dortigen, vacanten Rabbinersitz berufen werden sollte, haben wir in diesen Blättern den Wunsch ausgesprochen, daß Herr Sp. im Interesse des Wiener Judenthums in Wien verbleiben 9 »Herr Kuranda handelte sehr geschickt!" *) „Dies (Herrn Spitzers) Vkrsahren ist sehr zu bedauern." möge; wir schätzen uns glücklich, dadurch auf den Entschluß des edlen, würdigen Mannes eingewirkt zu haben. Welch eine gnädige Fügung der göttlichen Vorsehung, daß nunmehr, wie einst unser großer Lehrer Moscheh, Herr Rabbiner Spitzer rufen konnte 'nb »o! „Wer für Gott ist, komme zu mir!" Wohlan, ihr treuen Gläubigen in Wien, vollendet das heilige Werk, das Ihr begonnen habt, und Gott wird Euch segnen. Eure Enkel und Urenkel nnnn bD PO ip werden die Fahne des echten, wahren Judenthums noch festhalten, wann langst die Reformer und Halbresormer, die lauten Leugner und die leisen, verschämten Bekenner vom Sturme verweht sein worden unn ow». -pu O'p'-.L ")* *n ‘i yiv o! Wir können es bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, unfern Lesern davon Kunde zu geben, wie und in welcher Weise die Reschaün ehrenwerthe Männer, die ihre Pflicht thun, verunglimpfen. Die „Neuzeit" docirt, Herr Rabbiner Spitzer sei eigentlich nur „Fleischbeschauer", *) dem man euphemistisch den Titel Rabbiner gegeben. Wer erinnert sich nicht bei dieser Gelegenheit des Herrn vr. Philippson, der vor 12 Jahren den bedeutendsten Rabbinen zurief, sie verständen nichts als ihre Nasen in Koch-Töpfe Und Betttücher zu stecken! So hat schon vor vierzig Jahren der neologe Präses des von der damaligen Regierung gegen den Willen der Gemeinde gewaltsam eingesetzten Vorstandes zu Mainz ein Schreiben an den seligen Rabbinen Löb Ellinger V'sr"i ergehen lassen, worin er ihm mittheilte, daß er ihn als Rabbi neu entlasse, dagegen als „Lungenbesichtiger" beibehalten wolle. Jener Präses hat sich bald darauf taufen lassen. — Rabbi Löb aber wirkte noch 16 Jahre lang segensreich als Rabbiner in der Gemeinde. Man sieht, die Rescha'im bleiben immer und überall dieselben, und ihre „Schmad-Streiche" auch. Aber Herr Szanto wirft Herrn Rabbiner Spitzer ein schweres Verbrechen vor, in Folge dessen derselbe schon vor 10 Jahren verdient hätte, weggejagt zu werden. Man denke: Herr Sp. hat damals zwei „achtbare Mitglieder der Wiener Gemeinde", weil sie die Speisegesetze nicht beobachten, nicht als Zeugen bei einer Trauung zulassen wollen!! Wirklich ein Capitalverbrechen! Und diesen .... Szanto hat der Vorstand der Wiener Gemeinde zum Jnspector der Schulen ernannt! Grund genug, um sich von solch einer Gemeinde loszusagen! Muth, ihr Brüder in Wien, Kraft, Ausdauer! .isiO D’DP ciy1? kyup to D’pnnn^! *) An einer «~ ern Stelle nennt ihn Herr Szanto „einen rasenden Fleischbes—er". Was liegt daran'( Schon im Alterthume nannten 'schehalm die Propheten öwer).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.