Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1872)
- Date
- 1872-02-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XIII. Ja hrgang. Beilage zaNr. 7desZsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen.! Oe st err.-Ungar. Monarch! e. Wien, 29. Januar. Im LeitartikelNr. 4 dieser Blätter wird der Schriftvers angeführt: vv-NO 2-, O'ia-y ^>'02 -inarc „Gott ist ein Meister, der alles zum Kreisen bringt; er hat .Narren und Verbrecher in Seinem Dienste." Sa tausendfache Bestätitigung dieser Satz in der Geschichte Israels wie in der Geschichte der Menschheit gefunden, so dürfte cs doch noch selten Fälle gegeben haben, in denen jene Worte sich in eklatanterer Weise bewährten, als durch die jüngsten Vorgänge in der hiesigen Gemeinde. Jeder Jude, der sich dem Judenthum nicht vollständig entfremdete, mutzte schon vor einem Jahre durch die berüchtigten Beschlüsse des hiesigen Cultnsvorstandes, die auf Ankunft des Messias, auf die Wiedervereinigung im heiligen Lande, auf die Wiederherstellung des in der Thora vorgeschriebenen Opferdienstes sich beziehenden Gebete aus der Liturgie zu streichen, mit dem tiefsten Schmerze erfüllt werden; die hierauf bewirkte „Sistirung" war durchaus nicht geeignet, diesen Schmerz in irgend einer Weise zn lindern. Daß der in jenen Beschlüssen involvirte Abfall vom Judenthum in den Jntentiouen der hiesigen Gemeindeleitung liegt, mutzte nun Jedem durch die Erwählung des vr. Knranda zum Präses! der hiesigen Gdmeinde und durch die Rede klar werden, j mit der derselbe will Programnl entwickelte. Die hiesige 1 isr. Gemeinde hatte wohl schon Vorsteher, die faktisch ebenso wie Kuranda vom Judenthum abgefallen waren, und ebenso wenig als er vorn Judenthum wußten; aber noch kein Vorsteher unserer Gemeinde hat mit einer solchen Keckheit, mit einen: so frechen, den vollständigsten Jdiotislnus auf jüdischen! Gebiete verrathcnden Hochmuthe die Abschaffung und Umgestaltung religiöser Einrichtungen proklaniirt, als der gegenwärtige Präses der hiesigen Gemeinde. Es kann uns nicht beifallen, uns mit Herrn vr. j Kuranda in eine Polemik auf einem Gebiete einzulassen, auf dem er sich so gründlich lächerlich macht. Wir bedauern es auch gar nicht, daß er seine destruktive Vorschläge durch Phrasen zu rechtfertigen sucht, mit denen schon Fängst aufgeklärten Ladenjungen ihre Bekanntschaft mit Schinken und Mettwurst als eine vom Zeitgeiste gebotene „Nothwendigkeit" erklärten. Wir beklagen Kuranda's Auftreten nicht, weil sich dadurch das alte Wort: 3-1 wieder j auf's Glänzendste bewährte; wir haben jetzt schon begründete Hoffnung, daß eben der Todesstoß, den Kuranda mit feinem Anhänge unserer heiligen Lehre zu versetzen wähnt, der Keim eines auf's Neue aufblühenden jüdischen Lebens in Wien werde. Vergangene Woche schon waren rvir in Folge des flagranten Attentates, das der hiesige Cnltnsvorstand gegen das Judenthum beschlossen, Zeugen eines espn sr.-pp., der im hiesigen Gemeindeleben noch nicht vorgekommen. Nachdem der hiesige Cnltnsvorstand sich für die Einführung der im vorigen Jahre gefaßten Beschlüsse entschied, reichte der hochgeehrte Rabbi Salomon Spitzer ohne Rücksicht auf den Gemeindefrieden, den ja der Vorstand gebrochen, ohne Rücksicht auf die eigene Eristenz, die er preisgab, unverzüglich seine Demission ein. So sehr dem ehrwürdigen Herrn Rabbiner Spitzer ''9 schon hiefür der wärmste, aufrichtigste Dank aller wahrhaften Jehndirn gebührt, so hat er durch die Worte, die er am Schlüsse des nwen jnon .y ison y'y? p"pT -"DK sprach, sich ein Verdienst erworben, das der in der Kündigung liegenden That vollkommen gleichsteht. Sie gestatten mir wohl, hochgeehrter Herr Rcdacteur! aus den herrlichen Worten des gefeierten Redners einige Sätze hier anzuführen. „Ich habe immer „gewarnt vor Uebereilung" sagte R. Salomon Spitzer „i"j, hoffte immer njm oix — wir haben sie zu bekehren gesucht, wir haben ihnen bewiesen, daß die „etwaige Streichung erwähnter Stellen einer Leugnung „der ganzen pn"in gleichkomme. Denn hier — sagte „der Redner, das Sepher in seinem Arm hochhebend — „hier steht die ewige göttliche Verheißung: -,L2pi „a’ayn, welche uns den Glauben an rxo befiehlt. „Hier heißt es ausdrücklich: 2'P' *6 -tn mx „nmx niffyp nxm mim nm verflucht sei der, welcher „in einer Zeit, wo die nssmpn nrox in Gefahr — „nicht bestrebt ist, solche zu stützen und zu erhalten, wer „lown m’tt nyza wie heute, nicht a"pa ist: ranxi „ynxo PD3i '■\22b ^2 -)’p^ R nx. Tn">n mx „27>"P21 wer einer Gemeinde, die solche Einrichtungen „trifft. Tunox^ mn bv'.a Dnn? noch weiter als Mit- „glied angehört." Wir inöchten gerne mehr von dem uns unvergeßlichen, mit der glühendsten Begeisterung, gesprochenen Worten des R. 'Salomon Spitzer anführen; doch die Rücksicht auf den Raum d. Bl. mahnt uns zum Schlüsse, weßhalb wir auf Re. 4 des in Pest erscheinenden Wochenblattes D'nx ms? verweisen, wo die von dein zablreichen Audfiorium in athemloser Spannung vernonunenen Worte c .sführlicher reproduzirt sind. Wir ergeben uns der Hoffnung, daß das. was R. Salomon